Immer auf der Flucht (vor uns selbst)

Die Flucht – Wie du bleibst und über dich selbst hinaus wächst! 

  • „Du kannst doch jetzt nicht mitten im Gespräch abhauen,“ meint Franz als Larissa die Wohnungstür ohne ein Abschiedswort hinter sich schließt.
  • „Hör doch endlich auf mich mit diesem Thema zu nerven,“ sagt Paul und dreht die Lautstärke des Fernsehers nach oben.
  • „Zum Therapeuten, nein danke da kannst du alleine hingehen, ich hab keine Problem,“ behauptet Stefan und erweckt den Anschein kein weiters Widerwort zu akzeptieren.

Ob physisch, im Gespräch oder auch nur gedanklich. Abhauen können die meisten von uns wirklich gut. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass unser Gehirn bereits in der Steinzeit darauf getrimmt wurde, immer dann, wenn es gefährlich wird, die Flucht zu ergreifen.

In zwischenmenschlichen Beziehungen und vor allem im Bezug auf die persönliche Weiterentwicklung ist das aber nicht der richtige Weg. Warum, dem so ist und wieso wir dabei vor allem vor uns selbst fliehen, darauf möchte ich heute eingehen. Außerdem auch gleich noch ein paar Anreize liefern, wieso es sich lohnt Unangenehmes auch mal auszuhalten und im nächsten Schritt dadurch über sich selbst hinaus zu wachsen.

Die Flucht vor uns selbst!

Die eingangs erwähnten Beispiele beziehen sich auf zwischenmenschliche Geschehen. In solchen Situationen ist unser Fluchtverhalten besonders gut erkennbar, weil der Gesprächspartner, ohne es zu wissen, einen wunden Punkt trifft, der den sofortigen Rückzug oder eben Flucht auslöst.

In Wahrheit aber fliehen wir nicht vor dem anderen, sondern vor uns selbst. Denn auch dann, wenn kein anderer im Spiel ist, meiden wir gewisse Themen, Gedanken oder Situationen. Unbewusst wissen wir nämlich bestens über unsere sogenannten Triggerpunkte, die meist mit negativen Erfahrungen, einem angekratzten Selbstwert oder traumatischen Erlebnissen einher gehen, bescheid. Bestimmte Situationen oder Menschen sind somit zwar Auslöser unserer Flucht, nicht aber die Ursache, denn diese schlummert tief in uns drinnen.

Flucht, weils uns trifft!

Kurzum könnte man auch sagen: Was dich trifft, betrifft dich! Um das zu verdeutlichen ziehe ich das Beispiel von Larissa und Franz heran. Fanz möchte mit Larissa über ihr, in letzter Zeit eingeschlafenes Sexleben sprechen. Für ihn handelt es sich dabei um ein natürliches und ungefährliches Thema. Larissa aber trägt alte Glaubenssätze, wie „darüber spricht man nicht“ und Zweifel, wie „ich bin unzulänglich oder nicht sexy genug“ in sich, die sie betroffen machen. Die Folge ist Flucht.

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Fakt ist, solange wir ausweichen wird das Thema in uns bleiben oder sogar noch an Energie zulegen. Flucht verhindert demnach die eigene Weiterentwicklung, das Überschreiten von selbst auferlegten Grenzen und die Reifung des Selbstwertes.

Aushalten statt Flüchten!

Erinnerst du dich daran, wie du als Kind nachts im Bett gelegen bist und dich vor dem Gespenst in deinem Zimmer gefürchtet hast? Die Angst war riesengroß, am liebsten wärst du aus dem Zimmer geflüchtet, aber einmal bist du dann geblieben, bist aufgestanden und hast das Licht aufgedreht und dabei hat sich herausgestellt, dass der weiße Vorhang durch die Dunkelheit wie ein Gespenst erschien. Und genau so ist es mit vielen Themen, vor denen wir vor lauter Angst flüchten. Die Angst davor ist oft schlimmer als die Konfrontation selbst.

Und wenn wir es dann mit ein wenig Mut wagen und uns den unangenehmen Themen stellen, begegnen wir dabei vor allem uns selbst. Alte Glaubenssätze, Kränkungen, Enttäuschungen, Ängste und Zweifel, die uns vor langer Zeit auferlegt wurden, kommen zum Vorschein. Dass dies im ersten Moment weh tut, ist völlig natürlich. Wer nun aber an das Gespenst im Kinderzimmer denkt und bleibt, wird schon bald bemerken, wie unglaublich stark seine Anwesenheit genau hier gebraucht wird. Denn vieles davon kann durch unsere Zuneigung schnell gelindert und geheilt werden.

Bleibe und wachse über dich selbst hinaus!

In welchen Lebensbereichen flüchtest du? Vermutlich hast du diesen Text nun gelesen und das Fluchtsymptom sofort bei einigen deiner Mitmenschen erkannt. Wie aber sieht es bei dir selbst aus? Wage einen liebevollen Blick auf die vernachlässigten Bereiche in dir und beginne diese durch Annahme und Achtung zu heilen. Die folgenden Anleitung, kann dir dabei helfen.

  • Wann fliehst du vor dir selbst? Beantworte diese Frage im ersten Schritt intuitiv. Notiere dir die erste Antwort, die dir dabei in den Sinn kommen.
  • Wann fliehst du in zwischenmenschlichen Begegnungen? Welche Themen erwecken den Fluchtgedanken in dir? Welche Situationen versuchst du zu vermeiden? Was ist dir besonders unangenehm?
  • Bevor du mit der Praxis beginnst, mach ein Gedankenexperiment. Nimm eines deiner Themen und frage dich, was passieren würde, wenn du bleibst. Stell dir vor deinem inneren Auge den Ablauf vor. Meist wird schon dabei klar, dass das Bleiben und dem Fluchtthema ins Auge schauen, weniger schlimm ist als vermutet.
  • Im nächsten Schritt versuchst in der brisanten Situation tatsächlich zu bleiben. Mach dir aber bewusst, dass du nichts lösen oder leisten musst. Deine einzige Aufgabe ist es zu bleiben, zuzuhören und wahrzunehmen, was in dir passiert.
  • Schau dir dabei an, welche Gedanken und Gefühle in dir hochkommen.
  • Wenn die Situation vorüber ist, kannst du dich fragen: Wann habe ich mich das erste Mal so gefühlt? Was geschah damals? Und sind diese Urteile oder Glaubenssätze für mich heute überhaupt noch gültig?
  • Dann fragst du dich: Was brauche ich, um diese Situation, dieses Gefühl oder die Vergangenheit zu überwinden? Wie kann ich mich selbst dabei unterstützen? Wer kann mich noch dabei unterstützen?
  • Und/oder: Frage dich auch, was die unangenehme Situation oder das Gefühl dir vielleicht aufzeigen will. Worauf will es dich aufmerksam machen? Wohin will es dich womöglich führen? Oder möchte es einfach nur von dir angenommen werden?
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Ich wünsche dir den Mut, dir selbst zu begegnen, alles was ist, liebevoll anzunehmen und dadurch über dich selbst hinaus zu wachsen, deine Melanie!

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4 Kommentare

  1. Ach wär das nicht bloß so wahr! Danke Melanie, daß du dieses Thema, das eindeutig fast jeden von uns trifft und betrifft so treffend aufgreifst. Dein Artikel ist ein klares Stopp für die Bewusstlosigkeit mit der wir immer wieder den Fehler im Außen suchen, wenn es weh tut.
    Grüße Fanzi

    • Liebe Franzi!
      Ich danke für deine Bestätigung. Auch für mich ist das Bewusstmachen immer wieder aufs Neue die Zauberformel. Herzlichen Gruß Melanie

  2. Danke Dir, Deine Seite ist wundervoll.
    ganz liebe Grüsse
    Renate…

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