Der wahre Grund warum du anderen gefallen möchtest

Anderen gefallen, liegt in unserer Natur

Kommen dir diese Verhaltensweisen bekannt vor?

  • Bevor deine Eltern oder Freunde zu Besuch kommen, wird gründlich geputzt und aufgeräumt, schließlich sollen sie keinen schlechten Eindruck bekommen.
  • Vor dem Kleiderschrank kann es manchmal etwas länger dauern, schließlich willst du denjenigen, denen du heute begegnest auch gefallen.
  • Wenn dir etwas gegen den Strich geht, schluckst du es nicht selten runter, um vor anderen nicht als intolerant oder zickig dazustehen.
  • Bevor du in einer größeren Runde oder in einem Meeting etwas sagst, überlegst du dir die Wahl deiner Worte, schließlich willst du kompetent und selbstbewusst wirken.

Hier könnte man mit Sicherheit noch einige Dinge mehr, die wir tun, um anderen zu gefallen, auflisten. Und fast jeder von uns würde sich in einem Teil von ihnen wiedererkennen. Es liegt nämlich in der Natur des Menschen, dass wir anderen gefallen wollen. Was auf der einen Seite nützlich und natürlich ist, kann auf der anderen Seite in Extremismus ausarten und unser Leben in ein ständiges Auf- und Ab geprägt von schmerzhaften und leeren Phasen verwandeln.

Im heutigen Beitrag möchte ich dir erklären, was hinter dem natürlichen Muster, gefallen zu wollen, steckt, welche Ursachen eine zu starke Ausprägung hat und was du tun kannst, um dich von der Anerkennung deiner Mitmenschen unabhängiger zu machen und dadurch ein großes Stück selbstbestimmter und glücklicher zu werden.

Anerkennung ist eine Droge

Kein Mensch ist eine Insel. Wir sind soziale Wesen und brauchen menschliches Feedback für unser Wohlbefinden und unsere Weiterentwicklung. Dennoch ist Vorsicht geboten, denn die Anerkennung, die wir suchen, wenn wir anderen gefallen wollen, kann zur Droge werden.

Wenn uns nämlich jemand wahrnimmt, positiv beurteilt oder sogar Lob und Komplimente ausspricht, braut sich in uns ein Hormoncocktail bestehend aus Dopamin, Oxytocin und körpereigenen Opiaten zusammen. Ja du hast richtig gelesen, unser Körper kann Opiate erzeugen. Dieses Gemisch führt natürlich zu einem sagenhaften Hochgefühl. Die Wirkung des Cocktails lässt aber schon einige Stunden nach dem Lob oder Kompliment nach. Du kannst dir denken, was nun passiert. Wir versuchen unbewusst mehr von dieser Droge zu bekommen und adaptieren unser Verhalten so, dass wir anderen gefallen. Oft passiert das nicht auf bewusster Ebene, weswegen wir dieses Verhalten nur dann entlarven können, wenn wir bewusst darüber nachdenken. 

Hauptursache, wenn du zu sehr gefallen willst

Vielleicht fragst du dich nun, ob deine Ausprägung gefallen zu wollen noch normal oder aber schon ungesund ist. Dazu möchte ich dir die wesentlichsten Ursache aufzeigen, die häufig der Auslöser für den Extremismus des Gefallenwollens ist.

1. Steinzeitverhalten

Erstmals reisen wir gedanklich 10.000 Jahre in die Vergangenheit zurück. Richtig, wir sind nun in der Steinzeit angekommen und leben zusammen mit einer Gruppe von Menschen in einer Höhle. Gemeinsam sind wir stark und können uns gegen die raue Natur, die Wetterbedingungen und die Säbelzahntiger wehren. Stell dir aber nun vor, du streitest dich mit dem Anführer der Gruppe. Vermutlich wird er dich dann aus der Sippe verstoßen. Das wäre eine Katastrophe, die dir vermutlich sogar dein Leben kosten könnte. Alleine kannst du dich nicht in dieser rauen Welt durchsetzen. Und genau deshalb hat jeder von uns einen gewissen Drang gefallen zu wollen. Es handelt sich dabei, um einen Urinstinkt, der früher unser Überleben gesichert hat und noch heute in unserem Gehirn verankert ist.

2. Wenn das Kind in uns gefallen musste

Wenn dieser Urinstinkt, dem die Angst Verlassen zu werden zugrunde liegt, in der Kindheit getriggert wurde, kann es in Folge zu einer starken Ausprägung des Gefallenwollens kommen. Was heißt das? Kinder wünschen sich nichts mehr als von ihren Eltern geliebt zu werden. Ihre Liebe zeigen diese mit Anerkennung. Also mit Aufmerksamkeit, Lob oder Zärtlichkeiten.

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Wenn Eltern ihre Anerkennung und somit auch ihre Liebe an Taten bzw. zu erfüllte Erwartungen knüpfen, lernt das Kind sehr früh, dass es gefallen muss, um geliebt zu werden.

Es entwickelt sich in Verbindung mit unserer Urangst vor dem Verlassenwerden ein zwanghaftes Verhalten – nämlich ständig, immer und jedermann gefallen zu wollen. Dieses Verhalten führt im Erwachsenenleben dazu, dass unser Glück abhängig von der Anerkennung unserer Mitmenschen ist. Bekommen wir Aufmerksamkeit und Lob geht es uns geht. Bekommen wir sie nicht, geht es uns schlecht. Unsere wahren Bedürfnisse und Wünsche vergessen wir dabei. Unser Leben wird komplett fremdbestimmt – wir sind manipulierbar, angreifbar und besonders verletzlich.

5 Wege aus der Falle, anderen immer gefallen zu wollen

  • Der intensivste und wichtigste Schritt, wenn du dich in obiger Beschreibung wiedergefunden hast, ist die Arbeit mit deinem verletzten inneren Kind. Du musst an der Basis ansetzen, um dein Muster aufzulösen. Hierzu zwei Beiträge mit Anleitungen für dich: 1. Finde dein verletztes inneres Kind, 2. Heile dein verletztes inneres Kind.
  • Eine mentale Stütze kann sein, dir bewusst zu machen, dass es für jeden Menschen, dem du nicht gefällst, mindestens zwei andere gibt, denen du gefällst. Wenn du also gerade das Gefühl hast von einer Person nicht anerkannt zu werden oder du gar zurückgewiesen wurdest, stell dir vor deinem inneren Auge zwei Menschen vor, von denen du weißt, dass sie dich schätzen, mögen oder lieben.
  • Mach dir auch bewusst, dass wir Menschen dazu tendieren immer jenen zu gefallen, die uns wenig Beachtung schenken. Dahinter verbirgt sich ein interessantes Phänomen. Wenn es dir bewusst ist, kannst du dich davon befreien. HIER erfährst du mehr dazu.
  • Die Grundmotivation, warum wir anderen gefallen wollen, ist die Suche nach Anerkennung, die eine Form der Liebe ist. Je mehr sich ein Mensch geliebt fühlt, desto geringer ist der Drang jedermann gefallen zu wollen. Jeder von uns hat ein unerschöpfliches Fass an Liebe in sich selbst – nämlich die Quelle der Selbstliebe. Durch Selbstliebe kannst du dich von Fremdbestimmtheit, Ablehnungsschmerz und Abhängigkeit befreien. Hier findest du einige Selbstliebe-Übungen für den Alltag. Schau dir außerdem gerne meinen bewährten Selbstliebe-Online-Lehrgang an.

Alles Liebe, deine Melanie

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2 Kommentare

  1. Liebe Melanie,

    ein sehr spannender Artikel, mit dem wir uns wohl alle (mehr oder weniger) identifizieren können! Die oben erwähnten Verhaltensbeispiele kamen wir persönlich jedenfalls sehr bekannt vor 😉 „Anerkennung ist eine Droge“ – das ist so wahr. Und gerade heute gibt es immer mehr Kanäle, um sich „diese Droge“ zu beschaffen. Besonders kritisch sind in diesem Kontext – meiner Meinung nach – die sozialen Medien zu erwähnen. Es sei denn, sie werden dosiert und achtsam genutzt.

    Ich sende liebe Grüße

    Franzi von begrateful.de

    • Liebe Franzi,
      da stimme ich dir durchaus zu. Dennoch können auch die sozialen Medien, wenn man den richtigen, nämlich achtsamen Impulsgebern folgt, eine Bereicherung sein. Wichtig sind natürlich immer wieder offline Zeiten.
      lg Melanie

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