Fühlen ohne Limit – Wie Hochsensibilität mitten ins Herz trifft

Außergewöhnlich fühlen – Hochsensibilität

Komische Marotten oder doch hochsensibel? Ich hatte mich schon den ganzen Tag auf das Treffen mit meiner Freundin Katharina gefreut. Als ich das Cafe betrat, entdeckte ich sie sofort. Sie saß in der Mitte des Raumes. Mit ausgestreckten Armen und einem breiten Lächeln lief ich auf sie zu und umarmte sie erstmals ausgiebig.

Und dann ging es auch schon wieder los. Ich nahm die Gesichtszüge der Menschen um mich herum wahr, hörte, dass einige Stimmen, besonders die des Paares hinter mir, aufgebracht waren, spürte die Gefühlsvielfalt und bemerkte, wie die Anspannung im Raum plötzlich auch mich ergriff. „Können wir uns wo anders hinsetzen,“ fragte ich Katharina mit meinem Dackelblick und hoffte auf ihr Verständnis. „Irgendwo an den Rand oder da hinten in der Ecke wäre mir recht…“

Katharina, die mich nach Jahren der Freundschaft nur all zu gut kennt, kam meinem Wunsch sofort nach. Womöglich aber auch deshalb, weil sie ebenso hochsensible Sensoren hat. Wenn sie beispielsweise mit Kollegen gemeinsam am Mittagstisch sitzt und sich auf den kulinarischen Genuss konzentrieren möchte, kommt es häufig vor, dass ein anderer am Tisch ihren Genuss hemmt. Nicht weil er missmutige Kommentare abgibt oder aber traurige Geschichten erzählt, sondern weil sie auch ohne Worte fühlen kann, wie es den Menschen um sie herum geht.

Hochsensibilität – Jeder Fünfte ist betroffen

Es sieht also ganz danach aus als würden Katharina und ich zur Gruppe der Hochsensiblen gehören. Circa 20 Prozent von uns sind betroffen. Woher Hochsensibilität kommt, was sie auszeichnet und welche Geschenke sich dahinter verbergen, darum geht es im heutigen Beitrag.

Hochsensibilität – ein Modethema?

Vor zehn Jahren kannte ich noch niemanden, der von sich behauptete hochsensibel zu sein. Genau aus diesem Grund sind viele, was diese Gabe betrifft, skeptisch. Und auch hinsichtlich der Wissensansammlungen darüber gibt es noch einige Lücken, die möglicherweise darauf hindeuten, dass Hochsensibilität Interpretationssache ist.

Ich persönlich denke aber, dass es Hochsensibilität immer schon gab. Ich glaube aber auch, dass fast jeder Mensch in gewissen Bereichen hochsensible Sensoren hat. Je nachdem wie ausgeprägt diese sind, wie sehr sich jemand damit beschäftigt, sich selbst reflektiert und die Fähigkeit der Sensibilität weiter stärkt, ist er dann sensibel, sehr sensibel oder eben hochsensibel.

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Hochsensibelität – das bedeutet es!

Falls du wissen möchtest, wie es um deine Sensibilität steht, kannst du einen Online-Test machen. Du kannst aber auch anhand der folgenden Liste prüfen, inwiefern die Punkte auf dich zutreffen und dadurch deine Sensibilität einschätzen.

Folgende Merkmale zeichnen hochsensible Menschen aus:

  • Sie nehmen im Alltag unzählige Details wahr. Während ein durchschnittlich Sensibler acht Informationen pro Sekunde bewusst aufnimmt, nehmen sie bis zu doppelt so viele wahr.
  • Sie erkennen Zusammenhänge und entwickeln durch diese ein übergeordnetes Bild von Situationen oder ihrer Umgebung.
  • Sie sind extrem empathisch und spüren die Emotionen der Menschen um sich herum häufig so, als wären es ihre eignen.
  • Sie haben den Drang sich ein höheres Ziel zu setzen, einer sinnerfüllten Aufgabe nachzukommen und streben danach Dinge in ihrer Umgebung auch zu Gunsten anderer zu verbessern.
  • Sie haben einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit.
  • Lügen fällt ihnen besonders schwer. Sie sind ehrlich zu sich selbst und anderen. Sie brauchen Klarheit durch Wahrheit.
  • Sie reagieren auf äußere Einflüsse, wie Lärm, Speisen, Hitze, Kälte, Wind und Berührungen besonders stark.

Woher kommt Hochsensibilität?

Ist Hochsensibilität tatsächlich eine Gabe, die angeboren ist? Durchaus. Allerdings gibt es auch Menschen, die erst im Verlauf ihres Lebens hochsensible Fähigkeiten entwickeln. Bestimmte Erfahrungen, Prägungen und der eigene Lebenswandel können dazu führen, dass sich Sensoren hochsensibilisieren.

Traumatische Erlebnisse in der Kindheit beispielsweise. Aber auch Überlastung in verschiedenen Bereichen, kann zu Überreizung und in Folge zu Hochsensibilität führen. (z.B. Burn-out) Außerdem spielt auch die eigene Lebensführung eine bedeutende Rolle. Menschen, die sich selbst reflektieren, Gefühle zulassen, Selbsterkenntnisse generieren, sich immer wieder bewusst von der Außenwelt und der Schnelllebigkeit zurück ziehen und sich auch mit der Gefühlswelt ihrer Mitmenschen beschäftigen, entwickeln ebenso oft eine Hochsensibilität.

Wie kann Hochsensibilität zum Geschenk werden?

Hochsensibilität ist nicht immer einfach. Man wird von seinen Mitmenschen oft als überempfindlich verspottet, wegen seiner Marotten komisch angesehen, fühlt sich überfordert oder bricht unerwartet in Tränen aus. Ist man sich seiner Sensibilität nicht bewusst, führt das häufig dazu, dass man sich selbst für seine Eigenart verurteilt.

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Hochsensibilität kann nur dann als Geschenk gelebt werden, wenn man diese bewusst annimmt und dazu steht. Das bedeutet auch die eigenen Bedürfnisse, die nach mehr Sensibilität und Achtsamkeit verlangen wahrzunehmen, danach zu handeln und diese auch nach Außen zu kommunizieren. Hierzu ein paar Anregungen:

Tipps im Umgang mit Hochsensibilität

  • Eruiere mehrmals wöchentlich deine Bedürfnisse: Wie geht es mir? Welche Gefühle dominieren mich? Was würde ich brauchen, damit ich in meine innere Mitte komme?
  • Gönne dir immer wieder Pausen. Schotte dich ein paar Stunden von der Außenwelt ab. Lass dabei auch dein Smartphone und andere Medien außer Acht. Ruhe, entspannende Musik, eine gute Raumatmosphäre durch Kerzen oder gedämpftes Licht können dich dabei unterstützen wieder zur Klarheit zu finden.
  • Wenn du dich von äußeren Einflüssen oder Aufgaben überwältigt fühlst, so schütze dich. Kommuniziere deinen Liebsten, was du benötigst und ziehe auch im Job bewusst Grenzen.
  • Erschaffe dir einen Kraftplatz. Suche in deiner Wohnung oder in der Natur nach einem Platz, der dir Ruhe und Kraft spendet. Besuche diesen Platz mindestens einmal pro Woche und stell dir dabei vor, wie sich die Unruhe in dir durch die Energie des Ortes wieder klärt und du wieder ganz in deine Mitte kommst.

Was hochsensible Menschen können – Das Geschenk

Das Geschenk der Hochsensibilität äußert sich meist im zwischenmenschlichen Umgang. Hochsensible sind in der Lage dazu Menschen mitten ins Herz zu treffen und ihre Seele zu berühren. Demnach können sie…

  • Menschen dazu bewegen, dass sie ihre Masken abnehmen.
  • durch ihre bloße Anwesenheit Sicherheit und Geborgenheit schenken.
  • durch ihre Empathie dabei unterstützen, dass sich Menschen öffnen.
  • Menschen mit all ihrer Verletzlichkeit und ihren Fehlern annehmen ohne sie dafür zu verurteilen
  • Menschen in ihrem Sein, so sehr wertschätzen, dass sie sich selbst wieder zu lieben beginnen.

Abschluss-Resümee: Hochsensibel und damit hochzufrieden!

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12 Kommentare

  1. Danke, es trifft genau auf mich zu.
    Und es es ist manchmal richtig anstrengend

    #luettsil68

    • Liebe Silke!
      Danke für dein Feedback. Ich hoffe, dass du gute Wege findest, damit deine Sensibilität nicht mehr anstrengend, sondern viel mehr bereichernd wird.
      Alles Liebe

  2. Hallo, Melanie! Das ist wieder ein spitzen Beitrag! Ich glaube, ich kenne mehrere Menschen, denen es ungefähr so geht wie du beschreibst. Bei jedem ein wenig anders. Kann es auch sowas wie „verhinderte Hochsensibilität“ geben? Wenn jemand von Kind auf dagegen angekämpft hat, weil es zu belastend und die Familiensituation bedrohlich ist?
    Liebe Grüße!

    • Liebe Gerit!
      Danke für deine Worte und deine Frage. Ich denke ja. Ob verhinderte HSP der richtige Ausdruck ist, weiß ich nicht. Aber es gibt durchaus Menschen, die sich auf Grund des „zu viel Fühlens“ bewusst zurück ziehen, auf den Ratio besinnen und sich so Stück für Stück beibringen ihre Gefühle zu unterdrücken. Ähnlich erlebt man es auch bei Trauma Opfern, die jene Emotionsanteile, die stark mit dem Trauma behaftet sind, völlig einmauern. Und genau das könnte auch für deine Frage bezüglich des Kindes, das ein Leben lang dagegen ankämpft, weil es die Familiensituation nicht erlaubt, die mögliche Antwort sein.

  3. Hallo Melanie!

    Danke für Deine Texte.
    Ich bin manchmal verblüfft, warum wir nicht viel mehr physisch schützende Mittel verwenden. Alleine Licht und Lärm kann schon viel bewirken. Also selbstverständlich Sonnenbrille und Spezial-„Oropax“ besorgen.

    Grüße,
    Sebastian

  4. Du nennst es „Hochsensibel“, ich nenne es Emotionale Intelligenz 😉
    Das ist etwas das jedem Menschen innewohnt (und nicht nur Menschen).

    Leider kriegt man den Umgang damit nicht an Schulen beigebracht, im Gegenteil…Kreativität und Emotionen werden durch das Bildungssystem abgestumpft, damit man im Alltäglichen Leben (das nach deterministischen Strukturen organisiert ist) besser funktionien kann.

    Menschen die es schaffen sich aus den deterministischen Strukturen zu befreien sind letzenendes wirklich Frei im Handeln, denken und sein.

  5. Hallo liebe Melanie, gut und wichtig, dass das Thema immer öfter Thema ist! Vor allem die Vorteile. Fühl mich als HSP, Scanner, alte Seele verstanden und intensiv fühlen ist ja auch was Schönes! Danke für Deinen Beitrag!

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