Mein innerer Kritiker ist jetzt im Urlaub!

Innerer Kritiker wurde beurlaubt!

Letzte Woche hatte ich wieder einmal ein Gespräch mit meinem inneren Kritiker. „Bemüh´ dich etwas mehr, andere machen das besser, sei nicht so undiszipliniert“ und vieles mehr warf mir der Kritiker an den Kopf. Ich hatte genug davon also sagte ich ihm: „Jetzt reicht es! Ich bin hier der Boss und dich schicke ich jetzt vorläufig einfach in den Urlaub“.

 

Der innere Kritiker – wer ist denn das?

Beim inneren Kritiker handelt es sich um eine in uns wohnende Stimme, die immer dann erscheint, wenn wir an uns zweifeln, uns nicht gut genug fühlen oder uns mit anderen vergleichen.  In der Praxis lauten seine Worte dann beispielsweise:

  • Streng dich doch ein bisschen mehr an! Immer vermasselst du es.“
  • „Sieh dir doch mal die Nachbarin an. Die ist trotz zwei Kindern schlanker als du. Sei doch mal disziplinierter!
  • Wenn du so weiter machst, wird nichts aus dir. Aber das haben deine Lehrer ja immer schon gesagt“.
  • Du machst schon wieder den selben Fehler. Das ist ja typisch“
  • Beeil dich doch mal! Immer bist du die Letzte“
  • Alle anderen können das besser.
  • Bemühe dich doch! Deine Leistungen lassen wirklich zu wünschen übrig.“
  • Du schaffst es schon wieder nicht.“

Tschüss, innerer Kritiker!

Nach diesen Worten ist dir der innere Kritiker vermutlich genauso unsympathisch, wie mir. Falls du auch Lust hast, deinen Kritiker mal in den Urlaub zu schicken, dann freunde dich mit dem inneren Verstärker an.

Seine Freundschaft gewinnst du, indem du ihn so oft wie möglich kontaktierst. Immer dann, wenn die kritische Stimme sich bemerkbar macht, schnippst du mit Fingern und machst dir dadurch bewusst, dass der Kritiker das Kommando übernehmen möchte. Nun rufst du die Stimme des Verstärkers ab, indem du dich dir selbst gegenüber verhältst wie ein guter Freund. Hierzu ein praktisches Beispiel.

Du ertappst dich bei folgendem Gedanken: „Ich fühl mich schon wieder so mies. Alle anderen haben Erfolg, nur ich krieg es nicht hin“. STOPP! Schnippe physisch oder gedanklich mit den Fingern und frage dich, wie ein wirklich guter Freund auf solch einen Satz reagieren würde. Er könnte sagen: „Ach Liebes! Das stimmt doch gar nicht. Schau dir doch mal an, was du im Alltag alles leistet. Du bist fleißig, hilfst deinen Mitmenschen und gibst immer dein Bestes. Du hast schon viel in deinem Leben geschafft. Wenn du dir beruflich oder privat mehr Erfolg wünscht, dann schaffst du das auch.“

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Mit einem Mal ist der innere Kritiker gestoppt. Nun kannst du mit Hilfe deines Verstärkers daran arbeiten, die negative Situation, die den Kritiker zum Leben erweckt hat, zu verändern. So lange der Kritiker das Kommando über hat, ist das nämlich kaum möglich.

Der innere Kritiker ist nicht dein Feind

Und obwohl dieser kritischer Gefährte auf den ersten Blick ziemlich unsympathisch erscheint, hat er dennoch auch sein Gutes. Gäbe es die kritische Stimme in uns nämlich nicht, so würde uns in vielen Bereichen der Antrieb fehlen. Ab und an, kann ein „Mach es besser“, „Gib mehr“, oder „Streng dich an“ durchaus dazu führen, dass wir aus unserer Routine erwachen.

Nachdem der Kritiker seine Anregung kund getan hat, macht es aber trotzdem Sinn ihn wieder in seine Schranken zu verweisen. Für die Lösungsfindung selbst nämlich, ist der innere Verstärker, der uns behandelt wie ein guter Freund und uns sagt, welche Fähigkeiten und Stärken wir haben, ein wesentlich effizienterer Begleiter.

Der innere Kritiker und der Verstärker im Duell

Eine ausgewogene Mischung der inneren Stimme besteht aus 30% Kritiker und 70% Verstärker. Diese Verteilung führt dazu, dass man seinen Entwicklungsfeldern gegenüber nicht blind, aber auch nicht zum Opfer seiner kritischen Gedanken wird. In der Praxis verhaltet sich die Verteilung bei den meisten Menschen eher umgekehrt. Das Leistungsverständnis unserer Gesellschaft und die Perfektion, die uns durch diverse Medien vermittelt wird, sind dafür ausschlaggebend. Um Ausgewogenheit zu erlangen, empfiehlt sich ein bewusster Umgang mit den beiden Gefährten.

Praxistipps für den Ausgleich:

  • Beobachte in den nächsten drei bis fünf Tagen deine täglichen Gedanken sehr intensiv.
  • Jedes Mal, wenn du bemerkst, dass der Kritiker zu meckern beginnt, machst du auf einem dafür vorgesehen Blatt Papier einen Strich.
  • Diese Aktion nimmst du auch gleich zum Anlass, um den inneren Verstärker einzuladen, der infolge für Ausgleich sorgt.
  • Nach ein paar Tagen wirst du anhand deiner Liste bemerken, dass der Kritiker immer seltener auftaucht und der Verstärker immer häufiger.

Behandle dich selbst immer öfter so, wie du auch einen guten Freund behandeln würdest. Und gönne deinem inneren Kritiker ruhig mal einen Urlaub!

Herzliche Sommergrüße Melanie

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10 Kommentare

  1. Hihihi, voll die super Idee
    Mach ich jetzt auch. Schicke den inneren Kritiker, den Schweinehund und Frau schlechtes Gewissen gleich zusammen auf Urlaub. Dann habe ich bestimmt einen schönen Sommer.
    Mir gefällt der Artikel wiedereinmal sehr gut. danke liebe Melanie
    Miriam

    • Liebe Miriam!
      Da inspirierst du mich ja gleich zu weiteren Beiträgen: Der Schweinehund und Frau Gewissen zum Beispiel.
      Lieben Dank Melanie

  2. Ein toller Artikel 🙂 Den Kritiker mal auf Urlaub schicken das sollte ich wohl auch machen, nicht immer das schlechte sehen sondern einfach mal das hier und jetzt genießen, das ist mein Ziel für den Sommer 🙂 Wünsch dir ein schönes Wochenende liebe Melanie!
    Liebe Grüße Jacky

    • Liebe Jacky!
      Schön, dass dich meine Metapher und der Text inspiriert haben. Ich wünsche dir einen schönen „kritikfreien“ Sommer. Herzlichen Gruß Melanie

  3. Ich finde deinen Artikel sehr interessant und du hast vollkommen Recht, dass unsere Gedanken unser Leben leiten. Insofern sollte man seinen Alltag gedankglich so gestalten, wie man ihn gerne hätte, denn vieles kommt irgendwann so, wie man es sich denkt.
    Glg Karolina

    • Liebe Karolina!
      Herzlichen Dank für dein Kommentar. Ich glaube auch daran, dass die eigenen Gedanken, die Tendenz haben sich zu verwirklichen bzw. das Leben zu gestalten. Um so wichtiger ist es, dass wir unserer kritischen Stimme nicht all zu oft die Überhand geben.

  4. ja, das kommt mir auch sehr bekannt vor. Mein Antreiber war immer: „Mach es allen recht!“ Schaffe es mittlerweile ganz gut, den abzuschütteln, aber es ist wahrscheinlich ein lifelong learning, oder?
    Gemeinsam schaffen wir das!

    • Hallo Christina!
      Ja, das denke ich auch. Der innere Kritiker ist ein hartnäckiger Gefährte, den man nur mit viel Selbstliebe und Verständnis beherrschen kann. Herzlichen Gruß

  5. Das Thema passt gerade sehr gut. Ich war gestern sehr unzufrieden mit mir. Man sieht immer das negative und hebt es hervor. Danke für die Inspiration. Gruß Katrin

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