Ich Ich Ich – Das Ego ist ein mieser Verräter!

Wenn das Ego das Kommando übernimmt

Das Ego ist ein Verräter. Wie ich das behaupten kann? Neulich auf einer Jubiläumsfeier ist mir folgendes widerfahren: Sonja, eine liebe Freundin, fragte interessiert nach meinen derzeitigen Aktivitäten. Ich erzählte daraufhin begeisterst von all den wundervollen Dingen, die sich hinsichtlich meiner Schreibliebe gerade auftun. Bereits nach wenigen Sätzen unterbrach mich eine flüchtige Bekannte, die sich zu uns gesellt hatte.

Vorerst dachte ich sie wollte passend zum Thema etwas sagen, anstatt dessen aber begann sie von ihrem Job zu erzählen. „Ich bin Führungskraft bei der größten Notariatskanzlei der Stadt,“ ließ sie uns ungefragt wissen. Ohne Pause folgte daraufhin eine Beschreibung ihres Aufgabengebietes sowie die Aufklärung darüber, wie man mit faulen Mitarbeitern umzugehen hat. Sonja und ich sahen einander verdutzt an.

Das Ego verratet unsere Mängel

Dieses Erlebnis machte mir einmal mehr bewusst, inwiefern das Ego uns oftmals verraten kann. In obigem Fall nämlich, verriet das Ego, das Manko unserer Bekannten. Sie suchte bei uns Anerkennung für ihre Arbeit. Erst als wir ihr diese mehrmals gaben, beendete sie ihren Monolog. Das Beispiel zeigt auf, dass es unserer Bekannten in einem bestimmten Lebensbereich an Zuspruch und Bestätigung mangelt. Auf keinen Fall möchte ich die Bekannte damit schlecht machen, denn die meisten unter uns verhalten sich aufgrund eines ausgehungerten Egos manchmal ähnlich.

Das Ego ist ein Nimmersatt

Vermutlich gibt es auch bei dir und bei mir Defizite, die unser Ego versucht zu komprimieren. Dort wo wir sie haben, brauchen wir die Bestätigung unserer Mitmenschen. Der Wunsch nach Anerkennung und Lob ist völlig natürlich. Das Problem mit dem Ego ist aber, dass dieses ein kleiner „Nimmersatt“ ist. Sobald es die Bestätigung bekommt, frisst es diese ruck zuck auf. Danach ist es kurzfristig glücklich und eine Stunde später hat es schon wieder Hunger und lechzt nach mehr Bestätigung.

Einfach annehmen!

Und dennoch haben wir alle ein Ego. Auch ich. Nachdem ich erfolglos versuchte es zu vernichten, habe ich mich mit ihm angefreundet. Manchmal kann ich nicht anders und überlasse ihm einfach für einige Minuten das Kommando. Dann holt es sich was es braucht und anschließend schicke ich es so schnell wie möglich wieder in den Keller und sage: „Dich brauch ich nicht mehr – ich liebe mich selbst!“

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Natürlich wäre es wünschenswert, dass ich mich selbst in jeder Situation so sehr liebe, dass ich eine Bestätigung von Außen gar nicht benötige. Auch wenn ich diesbezüglich, meines Erachtens schon sehr weit bin, gelingt es mir dennoch nicht immer. Anstatt mich dafür zu verurteilen, nehme ich das Ego in solchen Momenten einfach an.

Wie erkenne ich mein Ego?

Damit man es trotzdem so oft als möglich schafft sein Ego in die Schranken zu verweisen, muss man sich erst einmal darüber bewusst werden, in welchen Situationen es das Kommando übernimmt. Hierzu einige Beispiele:

  • Durch Markenklamotten, ein schickes Auto oder das größte Haus, zeigen wie erfolgreich man ist.
  • Durch wiederkehrende Erzählungen über die eigenen Leistungen darauf verweisen, wie toll man ist.
  • Durch Lästern zeigen, dass man besser ist.
  • Durch einen Dauer-Monolog aufzeigen, wie wichtig man ist.
  • Durch Jammern darauf verweisen, dass man Aufmerksamkeit verdient hat.
  • Durch das Unterbrechen anderen Menschen beim Reden, bemerkbar machen, dass man selbst besseres zu erzählen hat.

Ihr seht schon unser Ego hat nicht immer die besten Intentionen. Umso notwendiger ist es, dass wir ihm auf die Schliche kommen und es immer öfter verbannen.

Ego-Vernichter

Damit dein Ego in Zukunft immer weniger in deinem Leben zu sagen hat, kannst du dir folgende Methoden zu Nutze machen:

Ego-Spion

Wenn du dich bei einer Situation ertappst, bei dem dein Ego das Kommando übernommen hat, so bemerkst du das häufig an einem unangenehmen Gefühl. Beispielsweise fühlt man sich beim Lästern zwar stark, gleichzeitig aber nehmen die meisten dabei eine Stimme wahr die sagt: „Das ist nicht richtig“. Wenn du das erkennst, so frage dich auf welches Manko dein Ego da eben hingewiesen haben könnte. Warum wolltest du dich stark fühlen? In welchem Bereich brauchst du gerade mehr Anerkennung oder Stärke? Und wie könntest du dir diese Qualität selbst geben?

Gib es dir!

Indem du erkennst, welche Qualität dir fehlt, zum Beispiel Stärke, Liebe, Lob, Geborgenheit, Selbstvertrauen, hast du bereits einen wesentlichen Schritt getan. Nun kannst du dir diese Qualität in Form einer Kurzmeditation einfach selbst schenken. (z.B. Liebe)

  • Schließe dazu deine Augen und strecke deine Arme aus. Nun stellst du dir vor, wie deine Hände alle Energien an Liebe aufsaugen.
  • Du atmest dabei tief ein und aus.
  • Im nächsten Schritt legst du deine Hände auf die Brust und fütterst in deiner Vorstellung dein Herz mit all der Liebe, die du eben aufgesogen hast.
  • Diese Schritte wiederholst du mehrmals.
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Geheimwaffe

Das Ego fürchtet sich vor nichts mehr als vor Selbstvertrauen und Selbstliebe. Immer dann, wenn du dich gerade wunderbar fühlst und dich von Herzen annimmst, hat dein Ego keine Chance. In den folgenden zwei Beiträgen findest du Anregungen dazu, wie du deine Selbstliebe und dein Vertrauen stärken kannst: Selbstliebe, Selbstvertrauen

Abschluss Resümee: Das Ego ist also der Verräter unserer Mankos. Ob es wirklich so mies ist, wie viele behaupten, bezweifle ich. Schließlich ist es nur menschlich auch Mängel zu haben. Niemand ist perfekt. Umso öfter ich liebevoll über mein Ego hinwegsehen, desto häufiger hat es gar keine Lust in Szene zu treten.

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5 Kommentare

  1. Finde diesen Artikel wieder einmal sehr spannend. Vor allem die logische Schlussfolgerung mit dem mangelndem Selbstvertrauen oder der Selbstliebe habe bei mir einen Denkprozess ausgelöst. Vielleicht kann ich dadurch egozentrische Menschen anders wahrnehmen. Mich weniger ärgern und anstatt dessen Mitgefühl aufbringen.
    Danke der Inspiration
    Grüße Franzi

  2. Toll geschrieben! Jap, wenn jeder ehrlich zu sich selbst ist, kenn dieses Ego (Raupe Nimmersatt) jeder, mal ist es größer und steht mehr im Vordergrund, mal weniger… Aber vielleicht hilft es uns wirklich im Alltag, bewusster darauf zu achten und vorallem sehr präsente Menschen anders wahrzunehmen und zu „verstehen“ 🙂 Glg, Rebecca

    • Liebe Rebecca!
      Danke für dein Kommentar. Bewusstes Wahrnehmen – bei sich selbst und anderen – bewirkt alleine schon sehr viel. Denn ist es uns bewusst, so sind wir auch in der Lage zu verstehen und zu verändern.
      Lieben Gruß
      Melanie

  3. Sehr strukturierter Artikel voller richtiger Hinweise. Toll

    Leider wird der oft unbewusste Egowahn durch die Werte der Konsumgesellschaft befeuert.

    Zuhören, also eine vermeintlich passiv Tätigkeit, Bescheidenheit oder gar Demut, das passt nicht zur aktiven „Nimmersatt-Wachstumsgesellschaft“ bei aus jeder Lebensstunde das Maximum herausgepresst werden soll.

    Danke für den Artikel, der mit Bewusstsein ein kleines, honigperlengleiches Gegengewicht zu Irrwegen des Menschen erzeugt.

    • Lieber Marius!
      Herzlichen Dank für dein Feedback! „Nimmersatt“ ist wohl ein Wort, das in unserer Gesellschaft in vielen Bereichen zu trifft. Danke für die Gedankenanregung, lieben Gruß Melanie

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