Vergleiche dich nicht – du bist ein Unikat!

Schöner, größer, besser… und täglich grüßt die Unzufriedenheit

Nachdem ich jahrelang ohne Fernsehen gelebt habe, schaue ich mir seit Kurzem wieder ab und an gezielt Filme und Sendungen an. Und das, was mir die Flimmerkiste da regelmäßig zwischen den Handlungssträngen präsentiert, ist wirklich erschreckend. Erschreckend perfekt! Vergleiche ich mich mit diesen Idealen, so hat das eindeutig negative Auswirkungen auf mein Selbstwertgefühl.

Vergleiche – dabei steige ich schlecht aus

In Werbung A erscheint eine angeblich 50-jährige mit babyglatter Haut, deren strahlendes Lächeln mich dermaßen blendet, dass es fast weh tut. Nach dem Slogan „Weil ich alles schaffen kann“ läuft in Werbung B eine junge Dame über den Bildschirm, die neben ihrer Tätigkeit als Mutter, Hausfrau und Sekretärin nun via Fernlehrgang auch noch ihren Uni-Abschluss nachholt.

Bild: pixabay

In Sendung C bereitet die 90-60-90 Mami das Frühstück für ihre vier Kinder vor, während sie mit der anderen Hand telefoniert und Anweisungen für das „Weltrettungsprogramm“ gibt. Und im Film D wird mir dann klar, dass ich meinen Traummann doch noch nicht gefunden habe. Schließlich gibt es da ja Jack, den Hauptdarsteller, der Bösewichte verprügelt, alten Damen über die Straße hilft, seiner Geliebten die einfühlsamsten Liebesgeständnisse macht und dabei noch drei Knöpfe seines Hemdes offen lässt, damit sein wunderbares Sixpack zum Vorschein kommt.

Wenn ich mich nach so einem Fernsehabend wieder aktiv von den Medien und anderen Vergleichsmöglichkeiten distanziere, wird mir bewusst, dass fast jede Art des Vergleichens ein Angriff auf meine Zufriedenheit ist. Denn das Vergleichen lässt zeitgleich auch immer einen Wettkampf beginnen. Wir wollen schließlich keine Verlierer sein – Nein wir wollen besser, schöner und erfolgreicher sein.

Vergleichen – der Wettkampf beginnt

Wenn der Nachbar € 2000 verdient, möchten wir € 3000, wenn die Schwägerin wirklich gut aussieht, möchten wir hervorragend aussehen, wenn wir ein Produkt, ein Buch, eine Dienstleistung etc. anbieten, möchten wir besser, professioneller und erfolgreicher als die anderen sein. Diverse Studien belegen diese und ähnliche Aussagen. Aber ist das schlimm? Ist ein gesunder Ehrgeiz nicht sogar der Schlüssel zum Erfolg? Ich meine ja und nein. Disziplin und Zielstrebigkeit sind wichtig – besser sein oder gar perfekt hingegen nicht.

Gute Gründe, warum wir Vergleiche lassen sollten

Jeder von uns ist ein Individuum und das bedeutet, dass auch seine Arbeit, seine Dienstleistungen, sein Aussehen und sein Denken einzigartig sind. Wenn wir versuchen, uns mit anderen und deren Optik, Leistungen oder Erfolgen zu vergleichen, ist das so, als würden wir Äpfel mit Birnen vergleichen.

Wir tendieren immer dazu, uns mit den scheinbar Besseren zu vergleichen. Ein Kranker vergleicht sich mit einem Gesunden und nicht mit einem Todkranken. Ein Selbstständiger vergleicht sich mit jemandem, der durch sein Gewerbe wirtschaftlichen Reichtum erzielt hat und nicht mit denen, die in Konkurs gegangen sind. Wir Frauen vergleichen uns gerne mit den Schlanken, Durchtrainierten, Supermüttern oder Karrierefrauen und nicht mit der durchschnittlichen Nachbarin. Dass wir dabei schlecht aussteigen, wundert mich nicht!

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Stolz sein statt vergleichen!

Wenn die Menschen früher mit heute vergleichen, hört man oft den Satz: Ja früher, da war alles besser“. Im Nachhinein sind Nöte oftmals vergessen und wir erinnern uns nur an die positiven Ereignisse. Diese verzerrte Wahrnehmung lässt das „Früher“ oftmals besser erscheinen als das Heute. Der einzige Vergleich, der hier positiv ausfallen kann,  ist jener, bei dem du deine Fortschritte bedenkst. Stell dir heute mal die folgenden Fragen

  • Was hast du erreicht?
  • Was kannst und weißt du heute – im Gegensatz zu früher?
  • Welche Erfahrungen haben dich stärker, reifer oder weiser gemacht?

Lieber ein Unikat statt ein Perfektionist

Wer sich ständig vergleicht, strebt Perfektion an. Abgesehen davon, dass „perfekt sein“ nicht sonderlich sympathisch ist und Perfektionisten in der Regel daher auch weniger Freunde haben, bürgt diese Bestrebung auch gleich ein zweites Hindernis. Perfektionisten sind nicht in der Lage dazu, ihre Träume zu verwirklichen. Wenn sie eine Idee haben, eine Aufgabe erledigen oder auf Partnersuche sind, so suchen sie stetig nach der perfekten Lösung. Weil diese schwer zu finden ist, verstreicht die Zeit und am Ende ihrer Tage sagen diese Menschen dann oft: „Ach hätte ich doch damals… wäre ich doch… usw“.

Vergleich

Vertrau auf deine Individualität! Es gibt Autoren deren Rechtschreibung katastrophal ist, Künstler ohne Uni-Abschluss, Models mit Lücken zwischen den Schneidezähnen, Moderatoren, die nicht akzentfrei singen können und Köche, die keine Ahnung von Grundkochrezepten haben. Und weil sie ihre Macken annehmen, dazu stehen, gar nicht erst versuchen perfekt zu sein und sich keinem Vergleich unterziehen, gewinnen diese Menschen mehr und mehr an Beliebtheit und Erfolg.

Wenn du etwas erreichen möchtest, das dir groß und schwierig erscheint – ein Projekt – deine Kreativität leben – ein Buch schreiben – ein Unternehmen gründen ect. – so lasse dich nicht von der Perfektion der Anderen beeindrucken und vergleiche dich nicht, sondern leg einfach los. Erst wenn du begonnen hast, kannst du aktiv besser und besser werden. Learning by Doing war immer schon ein Erfolgsprinzip.

Vergleiche dich nicht mit anderen – denn du bist ein Unikat! 

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19 Kommentare

    • Liebe Evi! Danke für dein Feedback – das freut mich sehr! Alles Liebe Melanie

  1. Hallo Melanie
    … ja das Selbstwertgefühl es fängt im kindesalter an.. ist eins der Dinge die man in unseren schulen weiterhin, lehren und nicht noch abgenommen bekommen sollte.

    Vielen Dank meine liebe dafür das du so offen mit diesem Thema umgehst.
    Herzliche grüße

  2. Liebe Melanie,
    du hast nicht nur den Nagel auf den Kopf getroffen sondern dem ganzen Beitrag auch noch eine witzige Note verliehen. Es hat mir Spaß gemacht deinen Beitrag zu lesen und stimme dir zu. Es ist nicht einfach sich nicht zu vergleichen, ich denke nämlich es wird uns teilweise anerzogen. Das Streben nach Perfektion und dem immer Mehr und immer Besser sein. Trotzdem sehr interessant, das es nicht nur mir manchmal so geht 😉
    Liebe Grüße Bea alias Bride Inside

    • Liebe Beatrice!
      Das freut mich sehr zu hören. Danke für dein wunderbares Feedback und deine Offenheit!

  3. Liebe Melanie,

    nichts ist so einzigartig, … wie wir selbst…. 😉

    Sich zu vergleichen führt zu einem Konkurrenzdenken, dass einen immer weiter im eigenen Hamster-Rad von Perfektionismus, Groll und Schwere rennen lässt.

    Vielen Dank für diesen humorvollen Artikel, der neue Perspektiven eröffnet.
    Lisa

    http://www.lebeleichtigkeit.de – Training & Coaching für Gefühlsarbeit

    • Liebe Lisa!
      Lieben dank für deine Ausführung. Bezüglich einzigartig – seine Beiträge zum Thema Gefühle sind etwas ganz Besonderes – ich fühle mich sehr angesprochen. lg Melanie

  4. Liebe Melanie,

    hat das nicht alles etwas mit Neid zu tun.
    Wenn wir den anderen, die 90-60-90 gönnen, den Reichtum an Geld, Gesundheit, Weisheit, Ruhe und Ausgeglichenheit und den Erfolg, den jeder für sich bestimmt und festsetzt, dann kannst du über die Werbung nur schmunzeln.

    Schau dir die Behinderten Menschen an, die vergleichen sich nicht mit einem der Gehen kann, den sein Gehirn richtig funktioniert, ( wobei was ist richtig ) , die freuen sich, wenn du Ihnen was viel Wertvolles für sie widmest. Ein Lächeln, deine Zeit und wenn es nur 1 Minute ist und Ihnen vielleicht dazu verhilfst, eine bessere Lebensqualität zu erreichen.

    Danke, für diesen Artikel.

    • Liebe Bianca!
      Ja – da hast du wohl recht. Wenn wir uns vergleichen und feststellen der andere steigt besser aus, dann ist Neid vermutlich die natürliche Folge! Ich denke aber nicht, dass es schlecht ist oder das man selbst schlecht ist, wenn das Gefühl von Neid empor steigt. Es ist doch einfach nur menschlich, dass wir in unserer Gesellschaft ab und an solche Gefühle produzieren. Sich selbst schätzen und nicht mit anderen Vergleichen – weil man eben ein Unikat ist – drängt den Neid jedoch weitestgehend aus dem Leben.
      Danke für dein Kommentar

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