Ich begleite Menschen in den Tod – Isabels Geschichte

Sterbebegleitung – Isabels Berufung

Isabel ist 28 Jahre jung und hat noch viele Lebensjahre vor sich. Dennoch findet man sie häufig dort, wo das Leben sich gerade zu Ende neigt. Sie ist spirituelle Lebensberaterin und hat es sich zur Aufgabe gemacht Menschen bei ihrem Weg in den Tod ganzheitlich zu begleiten. Während viele die Gedanken an den Tod meiden, hat sie die Begleitung dessen zu ihrer Berufung gemacht. Darüber wollte ich mehr erfahren und habe Isabel daher interviewt.

Liebe Isabel! Du kommst einem für unsere Gesellschaft sehr wichtigen Beruf nach. Du begleitest Sterbende. Was hat dich dazu bewegt diesen Beruf auszuüben?

Ich hatte schon immer einen sehr natürlichen Umgang mit dem Thema Sterben. Das liegt auch daran, dass in meiner Familie sehr offen mit dem Thema umgegangen wurde.

Bereits in der Schulzeit war für mich klar, dass ich einen sozialen Beruf ausüben möchte. Und so machte ich die Ausbildung zur Altenfachbetreuerin. Das Lebensende meiner Mitmenschen gehörte also schon immer zu meinem Beruf, welchen ich als großes Geschenk empfinde.

Was mir allerdings mit der Zeit fehlte, war die ganzheitliche Betrachtung des Menschen. Dazu zählt der Körper aber auch Seele und Geist. Also entschied ich mich für den Weg der spirituellen Lebens- Sterbe- und Trauerbegleitung.

Als zweifache Mama bist du zuhause von „Leben pur“ umgeben. Wie verträgt sich dein Beruf mit deinem Privatleben?

Mein Beruf ist für mich gleichzeitig meine Berufung. Und das bedeutet, dass ich meine Tätigkeit nach erledigter Dienstzeit eben nicht wie ein Kleid einfach ablege. Nein, ich würde meinen es handelt sich dabei um eine grundlegende Einstellung, die mir ein bewusstes Leben ermöglicht.

Die Menschen sind es, die das Sterben bewerten, dabei begegnet uns das Thema Vergänglichkeit jeden Tag in vielen Formen mal größer mal kleiner. Auch meinen Kindern versuche ich das zu vermitteln, indem ich ihnen aufzeige, dass das Leben facettenreich ist und auch mal stürmische oder traurige Zeiten dabei sein können.

Mein Sohn hat vor kurzem sein Lieblingskuscheltier verloren und trauert sehr darum. In solchen Situationen ist es wichtig dem Kind seine Trauer nicht abzusprechen oder diese klein zu machen. Er darf und soll sie ausleben.

Viele Menschen nehmen die Gedanken an die Arbeit mit nachhause? Wie verhält sich das bei dir? Grenzt du dich ab und wenn ja wie?

Abgrenzen ist für mich das falsche Wort, denn ich möchte in meiner Arbeit keine Mauern aufbauen, sondern mit ganzem und offenem Herzen begleiten können.

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Ich bin aber stets bemüht bei mir zu bleiben und meinen Fokus nach innen zu richten. Denn, wenn ich ganz bei mir bin, passiert es nicht, dass ich in die Themen anderer hinein gerate oder mit jemandem mitleide. Das ermöglicht mir ein offenes und herzverbundenes Begleiten ohne für andere Last tragen zu müssen.

Außerdem mache ich nach jeder längeren Begleitung ein kleines Ritual mit dem ich das Erlebte für mich reflektiere, loslasse und mich für Neues öffne.

Der Tod ist für viele der Inbegriff für das Ende. Was bedeutete der Tod für dich?

Der Tod ist für mich, wie die Geburt auch, ein Übergang in eine andere Welt. Das spüre ich vor allem während meiner Arbeit ganz deutlich.

Was sind die positiven Seiten an deinem Beruf?

Das Positive an meinem Beruf ist, dass ich dadurch sehr bewusst lebe und mich nach meinen Gefühlen orientiere. Außerdem nehme ich die Dinge nicht mehr für selbstverständlich, sondern bin dankbar und erfreue mich an ihnen.

Wundervoll ist es auch mit anzusehen, wenn trauernde Menschen in den dunkelsten Stunden ihres Lebens, die größten Geschenke für sich erkennen.

Was möchtest du deinen Mitmenschen mitgeben oder ans Herz legen?

Ich möchte die Menschen dazu motivieren, sich mit der eigenen Vergänglichkeit auseinanderzusetzen. Sich mit sich selbst und ihrer Umwelt auszusöhnen, denn dadurch geben sie ihrem Leben eine ganz neue Qualität, die für den inneren Wachstum enorm wichtig ist.

Und das allerwichtigste, LIEBE DEIN LEBEN und gehe deinen Weg!

Ich bedanke mich bei Isabel für ihre inspirierenden Worte. Mehr über Isabels Berufung erfahrt ihr hier: www.lebenskunst-isabel.at

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9 Kommentare

  1. Vielen Dank für den Einblick, da ich auch schon sehr oft mit dem Thema Tod zu tun hatte, weiß ich um die lieben Menschen, die einem helfen, alles zu verstehen, zu bewerkstelligen…. Hut ab und vielen Dank für diese tolle Arbeit!
    Schön,wenn es Menschen gibt, die sich dazu berufen fühlen und es leichter machen.
    Danke. <3

  2. Eine wirklich bewundernswerte und weise junge Frau!

  3. Liebe Melanie,
    ein sehr interessantes Interview, das du da mit dieser bewundernswerten, tollen Frau gemacht hast! Das Thema Tod ist wirklich sehr wichtig.
    LG, Veronika

  4. Liebe Isabel!
    Ich freue mich dass es Menschen wie dich gibt die andere in einer Situation begleiten wo es so unendlich wichtig ist jemanden an seiner Seite zu haben.
    Du bist sehr jung und hast generell eine tolle Einstellung auch um nicht mit zu leiden.
    Alles liebe weiterhin wünscht dir
    Gerti

    • Liebe Gerti!
      Herzlichen Dank für dein Kommentar. Da stimme ich ganz mit dir überein. Auch hier nochmal ein herzliches Dankeschön an dich für deine Inputs an mich.
      Lieben Gruß

  5. Einfach nur toll wenn man das kann und tut und danke auch für diesen wunderbaren Eintrag. Soviel Wahrheit steckt in ihm und ja, alles ist vergänglich und das tut mir persönlich am meisten weh.

    • Danke auch hier für deine ehrlichen Worte Sandra!
      Mir ergeht es ähnlich. Die Vergänglichkeit ist ein Thema, das oftmals mit Schmerz verbunden wird. Umso toller finde ich Isabels Arbeit sowie ihre Einstellung dazu.
      Lieben Gruß Melanie

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