Warum wir unsere Haare oft besser behandeln als unsere Seele! Psychotherapie

Balsam für die Seele – Psychotherapie, Coachings und mehr 

Ich war gerade am Weg zu meiner Therapeutin als mir Sabrina, eine Kollegin, über den Weg lief. Wir plauderten ein paar Minuten, bis sie mich schließlich fragte, was ich noch vorhabe. Als ich ihr erklärte, dass ich gerade auf dem Weg zu meiner Psychotherapeutin bin, nahm unser Gespräch eine eigenartige Wende. Sabrina wusste daraufhin nichts zu sagen und schaute beklemmt auf den Boden. Ich spürte, dass ihr meine Offenbarung, die für mich selbstverständlich war, unangenehm war und wechselte das Thema. Dennoch überraschte mich ihre Reaktion und ich kam ins Grübel:

Gibt es noch immer so viele Vorurteile über die Psychotherapie?
Und wieso ist es selbstverständlich, dass wir Haarpflege verwenden während Seelenbalsam noch immer ein Luxus ist?

Vorurteile und Einwände – Psychotherapie und Coaching

  • Nur geistig Kranke benötigen eine Psychotherapie.
  • Nur Menschen, die nicht alleine mit ihren Problemen fertig werden, gehen zum Therapeuten, Paar- oder Einzelcoach.
  • Psychotherapeuten oder auch Coaches beeinflussen bzw. manipulieren
  • Es gibt Menschen, die sind viel schlimmer dran (z.B. Kriegsopfer, Misshandelte etc.) Diese Menschen brauchen wirklich eine Therapie. Für einen Gesunden ist es Luxus.
  • Ein Therapeut oder ein Coach kann nicht beim Problem helfen, da reden alleine nicht zur Lösung führt.

Woher kommen die vielen Vorurteile?

Meiner Meinung nach handelt es sich dabei oftmals um die Angst vor dem Unbekannten. In der menschlichen Geschichte wurde alles, was unverstanden war als „dämonisch“ bezeichnet. Während man beim Körper in der Regel weiß, wie er auf Medizin, Nahrung oder Sport reagiert, verhält sich das bei unserer Seele und ihrer Ausdrucksform den Gefühlen oftmals komplex.

Wer sich selbst, seine Gefühle, Gedanken und Handlungen in Folge nicht versteht, fühlt sich ihnen hilflos ausgesetzt. Um die Kontrolle wieder zurück zu erlangen, wird dieser Teil vom eigenen Selbst dann oft verdrängt.

Bewusstsein schaffen

Bevor wir nun zur Aufklärung und den Pro-Argumenten für die Psychotherapie bzw. Coachings kommen, möchte ich ein paar Fragen mitgeben, die mir persönlich zu mehr Bewusstsein für die Bedürfnisse meines Geistes und meiner Seele verhalfen.

  • Wie oft im Jahr gehst du zum Friseur? Gönnst du dir ab und an auch mal eine Haarkur oder andere teurere Produkte? Was gibst du durchschnittlich bei einem Friseurbesuch aus?
  • Kurzum: Wie gut behandelst du deine Haare?
Und nun der Umkehrschluss:
  • Wie gut behandelst du deine Seele?
  • Wie oft bekommst sie einen Balsam oder eine erleichternde Kur, indem du Verworrenes besprichst oder dir Lasten von der Seele redest?

Vorurteile auflösen

Zurück zu den Vorurteilen und möglichen Einwänden.

1. Nur seelisch Kranke und schwache Menschen benötigen eine Psychotherapie

Jeder von uns hat eine Vergangenheit, die sein Denken, seine Verhaltensmuster und Gefühle prägt. Wer sich nicht mit sich selbst, seinen Mustern und Handlungsweisen auseinander setzt, findet häufig keinen Umgang damit. Er ist Opfer seiner Psyche, die mit ihm scheinbar macht, was sie will. Wer sich selbst kennt und weiß, warum er bestimmte Glaubenssätze und Verhaltensformen hat, nimmt das Zepter in die Hand und kann sich bewusst für oder gegen das angelernte Verhalten und Denken entscheiden.

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2. Therapeuten und Coaches beeinflussen oder manipulieren

Aus meiner Sicht ähnelt sich hier die Rolle von Coach und Therapeut. Sie sind beide Wegbegleiter, die durch unterschiedliche Werkzeuge, wie beispielsweise Fragen, dazu verhelfen, dass der Klient eine neue Sicht oder Lösungsperspektive erlangt. Sie beeinflussen demnach nicht, sondern verhelfen dem Klienten für gewöhnlich zu mehr Bewusstsein und Selbstbestimmtheit.

Die Werkzeuge von Coaches und Therapeuten aber unterscheiden sich maßgeblich. Ein psychisch kranker Mensch ist auf jedem Fall bei einem Psychotherapeuten richtig, während eine gesunder Mensch durchaus auch einen Coach als Wegbegleiter wählen kann.

3. Für Traumatisierte und Kranke ist eine Therapie okay, für Gesunde ist es Luxus.

Tatsächlich ist eine Psychotherapie oder eine professionelle Begleitung für Menschen in Not wesentlicher als für einen geistig Gesunden. Aber nachdem wir grundsätzlich nicht für das Wohl der anderen verantwortlich sind und es nur marginal beeinflussen können, hat diese Tatsache wenig Relevanz.

Denk an den Friseur, die teuren Hautcremes oder das Bio Gemüse, das du dir leistet. Auch das ist Luxus, den sich viele nicht leisten können. Die Frage lautet also:

  • Möchte ich meiner Seele einen ähnlichen Luxus, wie meinem Körper gönnen?
  • Oder vielleicht sogar: Bin ich es mir wert?
4. Reden führt zu keiner Lösung

Ich glaube, dass Menschen, die das behaupten, noch nie die Erfahrung eines völlig achtsamen Gespräches, bei dem einzig die eigenen Anliegen, Gefühle und Gedanken im Mittelpunkt stehen, gemacht haben. In einem geschützten Raum mit einer neutralen Person, die sich jeglicher Bewertung entzieht und die Emotionen  einfach nur wahrnimmt, passiert oftmals Erstaunliches.

Resümee

Frau streckt Arme in die LuftEs ist ein Gefühl von Freiheit, das man wahrnimmt, wenn man all die Rollen des Alltags, die oftmals mit Zwängen und Druck verbunden sind, einfach vor der Tür lässt. Wahrer Balsam für unsere oftmals so belastete Seele.

Eine Therapie ist außerdem ein Nährboden für Erkenntnisse, die endlich an die Oberfläche dringen und wahrgenommen werden möchten. Und es ist auch ein klares Ja – zu einem achtsamen Umgang mit uns selbst.

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17 Kommentare

  1. Ich kann diese Worte nur bestätigen.und egal was es kosten würde,ich würde trotzdem jede Woche hingehen zu meiner therapeutin,denn nichts kann mein leben luxuriöser machen,als mein Wohlbefinden und Gesundheit!

  2. Therapie hilft dabei, Muster zu durchbrechen und sein Leben wieder selbstbestimmt gestalten zu können… du triffst es auf den Punkt und ich bin sehr dankbar, so eine Unterstützung in Anspruch nehmen zu können… Wie Sabine schon geschrieben hat: Nichts ist wichtiger als ein gesunder Körper und ein gesunder Geist….

  3. Danke Melanie! Ich kann dich nur unterstützen, in dem was du schreibst. Beinahe ein bisschen, wären es meine eigenen Worte! <3

  4. Wortgeflumselkritzelkram
    Wortgeflumselkritzelkram

    Ich kann deinem Beitrag nur voll und ganz zustimmen. Vor allem darf eine Psychotherapie kein Tabuthema sein!

  5. Danke, man kann es gar nicht oft genug betonen, dass eine Psychotherapie eine wundervolle Erfahrung ist! Als Ergänzung hier noch ein Artikel von mir: http://www.pan-praxis.de/2014/03/was-passiert-in-der-psychotherapie/
    Liebe Grüße von
    Sandra

  6. Hi, du hast es super beschrieben, ich denke auch, das viele Menschen einfach Angst vor dem Unbekannten haben und daher so reagieren. Ich denke allerdings, wenn man sich selbst was Wert ist, will man sich doch selbst, seine Gefühle, Ängste bis in die Tiefe kennenlernen um so sich selbst lieben zu lernen und somit mit sich authentisch leben zu können. Ich bin der Meinung, dass 80% unserer Gesellschaft Theraphie nicht schaden könnte, es ist immer wieder erschütternd für mich wieviele herumlaufen, die es bitter nötig haben, auf der einen Seite ein Schein Leben führen und auf der anderen Seite sich permanent mit Alk, schneller Liebe und sonstigem den Kopf wegbomben, nur weil sie sich nicht spüren, aber alles verachten was eigentlich helfen könnte. Solche Menschen tun mir sehr leid. Da bin ich lieber authentisch, von Kopf bis Fuss, mit einer wunderbaren Gefühlswelt die ich auch zuerst lernen musste zu verstehen und dabei hilft eben ein Therapheut. Danke für den Beitrag!

    • Sehr schön von dir aufgegriffen! Genau das ist sie – unsere Psycho – Gedanken, Gefühle…. und ihre Welt – einfach wunderbar!

  7. Danke, dass du so ein wichtiges Thema aufgreifst! Ich hoffe, dass es in Zukunft genauso „normal“ sein wird, zu einem Therapueten zu gehen, wie zum Hausarzt. Dem Thema Öffentlichkeit zu geben, hilft da auf jeden Fall sehr!

  8. Ich denke ja schon lange, dass ich eigentlich eine Therapie bräuchte. Aber da haben wir es schon, “brauchen“. Dann denke ich, ich schaffe das auch allein. Dann, dass es ja auch schließlich teuer ist. Und wer weiß, an wen ich da gerate, ob die/der auch wirklich gut ist. Und wie könnte ich das wohl zwischen Arbeit und Kindergarten gut unterbringen?
    Bedarf wäre da, aber so richtig rangetraut hab ich mich noch nicht… vielleicht ein Ziel für 2017

    • Liebe Mireya! Natürlich schafft man es auch alleine – aber WIE ist die Frage!
      Sieh es einfach als einstündige Wellnesseinheit mit langfristig positiven Effekten, die bleiben. Ich wünsche dir für 2017 viel Erfolg bei der Umsetzung 🙂

  9. Toller Beitrag meine Liebe. Wenn ich es mir leisten könnte würde ich jede Woche hin. Denn eins steht fest, wenn man den perfekten Therapeuten für die h gefunden hat ist das was wunderschönes. Leider gibt es noch immer viel zu wenig Kassenplätze. Schade. Ich bin der Meinung viel mehr Menschen würden eine Therapie gebrauchen können, es würde ihnen einfach eine gehörige Last abgenommen werden. Meine Therapeutin arbeitet mit mir im hier und jetzt. Sie zeigt mir Lösungsansätze auf und lässt mir vieles bewusster werden. Das alles mit Mustern aus der Kindheit zu tun hat liegt ja sowieso auf der Hand. Aber arbeiten kann ich nur im jetzt daran. Sie hilft mit sehr meine hohen Erwartungen an mich selbst etwas zu zügeln. Haha
    Jedenfalls danke nochmal für deinen ehrlichen Beitrag. Das mag ich

    • Danke dir für dein offenes Statement Nici!
      lg und einen guten Rutsch ins Neue Jahr

  10. Liebe Melanie,
    ich bin durch Zufall auf deinen Blog geraten und begeistert
    Also ich habe auch eine Therapie gemacht und muss sagen: ich bin in vielen Dingen soooo tiefenentspannt und sehr selbstbewusst geworden.
    Klar, manches ändert sich nicht, oder vielleicht nicht so schnell, aber ich habe sehr davon profitiert und stehe mitten im Leben.
    Ich kann auch verstehen, wenn sich manche nicht trauen, eine Therapie anzugehen, weil sie vielleicht Angst haben, zuviel von sich zu offenbaren … das hatte ich auch, und habe deswegen lange gewartet… aber jeder kann sein Tempo selbstbestimmen und man wird zu nichts gezwungen. Daher rate ich jedem der zweifelt, den Mut aufzubringen.
    Das war eine von den besten Entscheidungen meines Lebens. Würde jeder Mensch eine Therapie machen, gäbe es weniger Gewalt und Kriege – da bin ich mir ganz sicher !!!
    Also ein frohes neues Jahr euch allen und ganz viel Mut für die, die sich nicht „trauen“ 🙂

    • Liebe Penny – herzlichen Dank für dein motivierendes Kommentar!
      Mit soviel Offenheit und Begeisterung bist du bestimmt für viele der ideale Mutmacher. Freue mich, dass du zu mir gefunden hast und natürlich auch über weitere sonnige Kommentare zur gegebenen Zeit.
      Herzliche Grüße
      Melanie

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