Eigenlob stinkt nicht – es macht nachweislich glücklicher!

Warum wir uns nicht selbst loben

Beim Thema Selbstkritik sind die meisten Menschen echte Profis. Sie wissen genau über ihre Schwächen und Unzulänglichkeiten bescheid. Weniger klar sehen viele von uns ihre Stärken und Liebenswürdigkeiten. Es gibt viele Gründe, warum es so schwer fällt, uns selbst wertzuschätzen. z.B.

  • Vielleicht, weil wir als Kind mehr kritisiert als gelobt wurden
  • Vielleicht, weil man uns damals immer wieder sagte – Eigenlob stinkt oder Bescheidenheit ist Tugend
  • Vielleicht, weil du dich nach positiver Bestätigung anderer sehnst und keineswegs als arrogant wahrgenommen werden willst
  • Vielleicht, weil du schon viele Jahre mit dem Glaubenssatz – ich bin nicht gut genug – lebst

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So wirkt Lob

Aber lass uns von den möglichen Hürden erstmals zu den Vorteilen von Eigenlob kommen. Bestimmt kennst du dieses Gefühl, wenn dich jemand ausgiebig und aufrichtig für etwas lobt. Du wirst plötzlich mental zwei Köpfe größer, spürst Selbstvertrauen, gehst positiv durch den Tag und nimmst dir dann auch möglich folgende Kritik weniger zu Herzen.

Wie ist das möglich? Ganz einfach. Wenn wir ehrliches Lob oder ein Kompliment erhalten, produziert unser Körper Glücksgefühle wie Oxytocin, das zwischen Menschen für Verbundenheit sorgt, sowie Dopamin und Serotonin. Wir fühlen uns gut, richtig, wertvoll und stark.

Kurzum: Lob macht uns resilienter, selbstbewusster und glücklicher.

Das Problem mit dem Fremdlob

Das Problem ist, wenn wir dieses Lob immer nur im Außen erhalten, werden wir es genau dort weiterhin suchen. Nein – wir werden sogar unbewusst danach lechzen, denn wir sehnen uns nach diesen tiefen Glücksgefühlen.

Also beginnen wir, meist unbewusst, Dinge zu tun, die dazu führen, dass wir möglicherweise noch mehr Lob und Anerkennung erhalten. Oft tun wir dieses Dinge schon so lange, dass uns gar nicht mehr bewusst ist, aus welcher Intention heraus sie entstanden sind. Hierzu einige Beispiele:

  • Es anderen immer recht machen
  • Der Helfer oder Retter für alle sein
  • Immer etwas leisten
  • Über unsere Grenzen gehen
  • Es zulassen, dass jemand unsere Grenzen überschreitet
  • Uns verbiegen
  • Stets nach besser, größer, mehr streben

Wer eine oder mehrere dieser Verhaltensweisen an den Tag legt, bekommt vielleicht hier und da bei Höchstleistungen noch Lob, aber der Effekt der ausgeschütteten Glücksgefühle hebt sich mit dem Druck und der Anstrengung, die zur Ausschüttung des Stresshormons Cortisol führt, wieder auf.

Eigenlob erlernen

Das heißt, ein möglicher erster Schritt heraus aus diesem selbst sabotierenden Verhaltensmuster ist es, dir selbst das Lob zu schenken, das du dir von anderen wünscht. Ich gebe zu, das ist nicht einfach, weil sich viele bedauerlicherweise weniger ernst nehmen, als sie es bei ihren Mitmenschen tun. Aber alleine diese Annahme zeigt schon, dass eine Selbstvertrauenssteigerung mehr als notwendig ist.

Daher habe ich dir heute ein gezieltes Lobprogramm mitgebracht.

Die Sehnsucht hinter unserer Sucht nach Anerkennung

Bevor wir loslegen, sollte dir die Tiefgründigkeit von Lobsehnsucht bewusst werden. Wir sprechen viel mehr von einer tiefen Sehnsucht in jedem von uns, die gestillt werden möchte. Ein ehrliches und gut bedachtes Kompliment oder Wort des Lobes wird von unserem Unterbewusstsein wie folgt übersetzt:

  • Ich sehe dich
  • Ich achte dich
  • Ich höre dich
  • Du bist wichtig (für mich/andere)
  • Ich interessiere mich für dich
  • Ich mag dich
  • Ich schätze dich

Und diese Sätze sind, wie du wahrscheinlich beim Durchlesen schon bemerkt hast, Seelennahrung. Kein Wunder, denn Anerkennung ist eine der grundlegensten Sprachen der Liebe und Liebe ist kein Luxus – jeder von uns braucht sie um langfristig mental gesund zu bleiben.

Lob-Mantra

Nutze die oben angeführten Sätze und übersetze sie in Ich-Form. Also: Ich sehe mich, Ich bin wichtig… usw.

Kreiere daraus drei einfache Sätze deiner Wohl, die du dir am besten jeden Abend vor dem Schlafengehen vorsagst. Um die Wirkung zu verstärken, füge noch individuelles Lob hinzu. Also sag dir selbst, was du heute gut gemacht hast oder worauf du stolz bist.

Du kannst diese einfache Übung in Gedanken machen oder auch schriftlich.

Aber macht zu viel Lob nicht arrogant?

Nein, das geschieht in der Regel nicht. Natürlich gibt es Menschen, die sich gerne selbst überschätzen und deren Eigenliebe übertrieben ist. Aber alleine, dass du hier bist und dies liest, zeigt mir, dass du keiner von ihnen bist.

Um auf Nummer Sicher zu gehen, kannst du dir die folgende Faustregel merken. Zu viel Lob besteht dann, wenn du dir 100% deiner Lobworte selbst zukommen lässt. Eine Dosis an gesunden Eigenlob ist 60/40. 60% deiner Anerkennung solltest du dir selbst und 40% anderen zukommen lassen.

Auch interessant:  Wie dir Selbstliebe hilft, Dinge nicht mehr so persönlich zu nehmen

Lob sollte ehrlich und individuell

Wichtig beim Lob dir selbst gegenüber und natürlich auch an andere, ist seine Wahrhaftigkeit. Merkmale für ehrliches Lob sind:

  • Persönliche Ansprache (Martina, das hast wirklich hervorragend gemacht heute…)
  • Das Lob bezieht sich auf eine Sache, die dem Lobempfänger etwas bedeutet (Ich habe mir dein Gedicht in Ruhe durchgelesen und war so berührt davon. Ich finde es einfach zauberhaft!)
  • Schriftliches Lob zeugt davon, dass der Lobgeber es besonders ernst meint und sich für das Lobgeschenk Zeit genommen hat.

Lob-Training

Abschließend habe ich dir noch ein einwöchiges Lob-Programm mitgebacht, das nicht nur dir, sondern auch deinen Mitmenschen richtig gut tun wird. Ich wünsche dir ganz viel Freude beim Ausprobieren.

Tag 1: Beschreite deinen heutigen Tag besonders achtsam. Halte in deinem Job bzw. Alltag Ausschau nach mindestens einer Person, der du heute ein ehrlich gemeintes Kompliment machen machst.

Tag 2: Lobe alle Menschen, die in deinem Haushalt wohnen. Bevor du morgens das Haus verlässt, schreibst du für jeden ein Post-it und klebst es an einem Platz, an dem er/sie es abends bestimmt findet. (Du lebst alleine? Dann schreib Freunden eine Whats-App!)

Tag 3: Heute bist du dran. Schreib mindestens 5 Dinge, auf je ein Post-it für die du dich loben möchtest. Es muss nichts sein, was du heute oder gestern getan hast. Es kann generelles Lob sein. z.B. Ich bin eine kreative und talentierte Köchin. Ich bin eine sehr einfühlsame und wunderbare Seele. Ich bin wahrlich eine gute Freundin…

Klebe die Post-its anschließend auf die Innenseite deines Kleiderschranks damit du sie täglich siehst.

Tag 4: Lobe deine Eltern (oder andere wichtige Bezugspersonen) Überlege dir, wofür sie Lob verdient haben und sage ihnen beim nächsten Treffen, was du an ihnen schätzt oder bewunderst. Oder du schreibst ihnen einen Brief.

Tag 5: Wie viele Post-its bzw. Lobworte hast du an deine Lieben verschenkt? Die selbe Anzahl an Lobworte lässt du heute auch dir selbst zukommen. Was hast du im Verlauf der Woche schon alles gut gemacht? Schreib es auf!

Tag 6: Königsdisziplin – heute verteilst du Lob auf der Straße, im Supermarkt oder im Cafe. Achte auf deine Mitmenschen und wenn dir etwas Positives auffällt, so wage den Versuch und sag z.b. ihr Lächeln ist wirklich bezaubernd oder ich möchte ihnen nur sagen sie haben eine tolle Ausstrahlung. Ich weiß es kostet Mut, aber es belohnt dich und den anderen mit einer großen Portion Glücksgefühle.

Tag 7: Lobe deinen Körper für alles, was er seit Anbeginn für dich tut. Glaub mir, er hört immer zu. z.B. Danke, dass du so stark bist. Ich mag meine geschickten Hände. Ich finde meine Augen, Beine etc. besonders hübsch, strahlend etc.

Viel Freude beim Ausprobieren!

Herzlich, deine Melanie

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10 Kommentare

  1. Einen Versuch ist es wert, aber ich glaube nicht, dass ich das schaffe, ich bin im Grunde ein sehr introvertierter Typ.
    Liebe Grüße
    Sigrid

    • Liebe Sigrid!
      Einen Versuch ist es wert – du sagst es! Du kannst dir ja zwei oder drei der Übungen raussuchen, die für dich machbar sind. Bestimmt fällt dir das Loben dann schon bald immer leichter.
      lieben Gruß Melanie

  2. Was für ein spannender Post und Deine Eigenlob-Idee gefällt mir auch sehr gut! Am besten gefällt mir der Tipp, dass Lob individuell sein muss, damit es angenommen werden kann. Wer „richtig“ lobt, nimmt sich auch Zeit für einen Menschen und das ist in meinen Augen das eigentliche Kompliment.
    Vielen Dank und ich freue mich schon auf deinen nächsten Beitrag!

    • Liebe Christine!
      Das hast du wunderschön erläutert. Die Zeit, die Mühe und die Gedanken, die man sich macht, wenn man jemanden ehrliche Wertschätzung schenkt, kommt beim Gegenüber auch an.
      Herzliche Grüße Melanie

  3. Ich mach das schon so ähnlich seit vielen Jahren. Der Frau an der Kassa sagen, was für tolle Fingernägel sie hat zum Beispiel… Meinem Sohn einfach mal so sagen, dass er ein toller Bub ist.
    Mich selbst lobe ich erst regelmäßig seit Anfang des Jahres. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich zu mir selbst sage „Oh bin ich blöd!“. Dann körrigiere ich mich und sage gleich hinterher“ Bei, bin ich nicht. Nur etwas verteilt, weil ich so viel um die Ohren habe. Toll, wie ich das alles gemanagt krieg!“
    Ein ehrliches Lob nimmt vielem die Spitze. Wer gelobt wird, wird friedlicher. Ich konnte schon manch einen Aufgeregten „runter holen“, indem ich Verständnis zeigte und ihn lobte. Das macht mich in meinem Job sehr beliebt. Und auch Kritik verpacken ich so, dass jeder Kritisierte sein Gesicht wahren kann.

    • Liebe Jeanine!
      Danke für deine tollen Praxistipps. Tatsächlich ist der innere Kritiker schon so geübt, dass wir ihn manchmal gar nicht bemerken. Bewusstes Eigenlob hier und da ist wohl die beste Lösung hierfür.
      Auch dein Kritikansatz gefällt mir sehr gut. Ich handle diesbezüglich sehr ähnlich.
      Herzlichen Gruß

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