Wenn die Seele Schnupfen hat: Umgang mit Psychosomatik, Ängsten, Depressionen & Co

Ich bekam ihn mir 30 Jahren erstmals aufgedrückt – den Stempel, auf dem groß der Wortlaut „Psychosomatik“ oder „psychisch labil“ prangte. Egal, ob ich einen Ausschlag, eine Infektion oder Magenschmerzen hatte, ab sofort war für jegliches Leid meine scheinbar abnormale Psyche verantwortlich. Erst dadurch verstand ich, wie sehr Menschen unter seelischen Schnupfen, in Form von Depressionen, Tinnitus, innerer Unruhe, psychosomatischen Erkrankungen, Angstattacken, Burnout oder anderen psychischen Erkrankungen tatsächlich leiden.

Im heutigen Beitrag möchte ich für Aufklärung sorgen, dir das Gefühl, dass du nicht alleine und schon gar nicht abnormal bist, und ein paar hilfreiche Tipps mitgeben.

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Psychische Erkrankungen sind normal!

Als wäre eine Erkrankung nicht schon belastend genug, trifft man leider noch immer häufig auf äußerst wenig Verständnis und teilweise sogar Verachtung. Aus meiner Perspektive ist das erschreckend. Es kommt einer Verleugnung unserer Psyche gleich. Jeder hat sie und bei jedem leidet sie mal. Beim einen ist es ein Schnupfen, zum Beispiel in Form von Traurigkeit, die sich nach einer Trennung breit macht und beim anderen wird dieser Schnupfen zu einer Grippe in Form von einer Depression. Ein großer Teil der verbreiteten psychischen Leiden sind nichts anderes als ein ausgeprägter, emotionaler Zustand, den jeder einmal hat. Zum Beispiel:

Frau fühlt sich allein
  • Aus Sorgen und Ängstlichkeit können Angstzustände werden
  • Aus Stress können Symptome wie innerer Tinnitus, Magenschmerzen oder ein Burn-out entstehen
  • Aus Rastlosigkeit kann innere Unruhe oder Kopfschmerz entstehen
  • Aus Traurigkeit kann Depression werden
  • Aus Perfektionismus kann ein Kontrollzwang werden

Warum also sollte jemand, der bloß ab und an einen Schnupfen bekommt, normal und jemand, der an einer ausgewachsenen Grippe leidet, abnormal sein? Der eine reagiert eben auf Außeneinflüsse sensibler aus der andere. Demnach sind wir alle abnormal, denn ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der keinen psychischen Schmerz empfindet.

8 hilfreiche Tipps für Betroffene

Was ich dir damit sagen möchte, wenn du selbst betroffen bist:

  • Du bist nicht verrückt
  • Du bist nicht weniger wert oder schlechter als jemand, der keine psychische Krankheit hat
  • Du bist nicht alleine – du bist eine/r von vielen
  • Du kannst trotzdem alles schaffen, was du möchtest

Und genau dazu möchte ich dich inspirieren und dir ein paar Tipps im Umgang mit Ängsten, Depressionen, psychosomatischen Erkrankungen und Co hier lassen. Vorab muss ich sicherheitshalber noch erwähnen, dass ich Mentaltrainerin bin und meine Tipps keineswegs einen Arzt oder einen Therapeuten ersetzen. Dennoch glaube ich, dass sie dich ein Stückchen weiterbringen auf deinem Weg.

1. Heilsame Akzeptanz

Aus Erfahrung weiß ich, dass sich psychosomatische Schmerzen oder Depressionen nicht einfach wegdenken lassen. Wenn du betroffen bist, wirst du vermutlich einige Zeit damit leben müssen. Das heißt keineswegs, dass es für immer so bleibt. Dennoch, damit diese Phase deines Lebens nicht noch anstrengender wird, ist es hilfreich, wenn du dein Symptom, so unlieb es dir aktuell ist, einfach mitnimmst oder anders gesagt akzeptierst.

Wie ich das meine? Wenn du eben immer wieder innere Unruhe, Schmerz oder Ängste empfindest, dann lass dir von ihnen nicht dein Leben verbieten. Tue die Dinge, die du schon früher gerne gemacht hast, einfach trotzdem oder probiere sogar etwas Neues aus (insofern es dir möglich ist). In etwa so: „Hallo meine Angst oder hallo mein Schmerz, da bist du ja wieder. Keine Sorge, heute beschimpfe ich dich nicht. Wenn du schon da bist und nicht gehen magst, nehme ich dich einfach mit ins Cafehaus, in den Park oder in den Urlaub.“

Dadurch beendest du den inneren Kampf in dir, der nur dazu führt, dass du noch mehr Stress produzierst und sich die Symptome in der Regel verstärken. Es kehrt langsam Frieden ein – das hilft dabei, dass sich dein ganzes System regenerieren kann. Und ja, ich weiß, das ist nicht immer einfach, aber möglich.

2. Sei dir dessen bewusst, dass nichts so bleibt, wie es jetzt ist

Außerdem darfst du hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Ich habe mir während meiner langen Schmerzphasen immer gesagt: Ich akzeptiere was heute ist, aber ich öffne mich auch für die Möglichkeit, dass sich morgen alles ändern kann.

Und genau das ist nichts als die Wahrheit. Wenn es ein Gesetz des Lebens gibt, dass immer gilt, ist es die Veränderung. Alles in und um uns herum verändert sich stetig. Egal, wie grausam, langwierig oder hartnäckig dein Symptom gerade ist, du darfst darauf vertrauen, dass es sich verändern wird.

3. Hab Geduld, es lohnt sich

Egal, ob beim Versuch zu akzeptieren oder weiteren Maßnahmen, die ich folgend noch vorstelle, eines brauchst du immer – und das ist liebevolle Geduld. Zum einen ist davon auszugehen, dass deine Krankheit über Monate oder Jahre entstanden ist, da scheint es mir schwer möglich, sie in wenigen Tagen zu besiegen. Außerdem dauert es, bis mentale Maßnahmen tatsächlich ihre körperliche Entwicklung entfalten können. Mindestens 6 Wochen, manchmal aber auch länger.

Merke dir: Alles, was du tust, wirkt, auch wenn du nicht sofort Ergebnisse bekommst.

4. Veränderung initiieren

Umso mehr wir uns verändern, desto mehr verändern sich auch die Umstände. Akzeptanz bedeutet also nicht, dass du einfach nur dasitzen und darauf warten sollst, dass alles besser wird. Nein, du darfst dich auch ganz bewusst für Veränderung öffnen und sie initiieren. Um die Umstände in deinem Leben zu verändern, benötigst du natürlich Erkenntnisse. Mir helfen dabei besonders gut Selbstgespräche. Hier einige Fragen, die Antworten liefern können.

  • Was könnte dir dein Symptom signalisieren wollen?
  • Stelle dir vor du wärst dein Symptom, was könnte sein Vorhaben sein?
  • Warum will es jetzt noch nicht verschwinden? Gibt es noch etwas zu erledigen?
  • Was möchte es dir sagen?
  • Was muss geschehen, damit du es oder es dich loslassen kann?
  • Wenn das Symptom sich bereits verabschiedet hätte, was wäre dann in deinem Leben anders? Was würdest du nicht mehr oder viel öfter tun, sagen oder denken?
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Beantworte die Fragen in Ruhe und setze dich nicht unter Druck. Du musst nicht auf alles eine Antwort finden. Wirf von Zeit zu Zeit noch einmal einen Blick darauf und ergänze sie, wenn dir etwas Neues einfällt.

5. Reden heilt

Offen über unser Leid zu sprechen hilft nachweislich dabei, damit besser umzugehen. Nicht umsonst heißt es geteiltes Leid, ist halbes Leid. Außerdem finde ich, unsere Seele hat genauso viel Aufmerksamkeit wie unser Körper verdient. Jeder sollte meines Erachtens einen Therapeuten haben, schließlich hat auch jeder einen oder gar mehrere Ärzte, die er regelmäßig besucht.

6. Selbstliebe hilft!

Durch meine Erkrankung habe ich eine wundervolle Entdeckung gemacht – nämlich den Weg der bindungslosen Selbstannahme. Selbstliebe kann zwar keine Krankheiten und Krisen wegzaubern, aber es hilft so unglaublich dabei, dass auch die schweren Phasen leichter, liebevoller und erfüllter werden. Denn wer jemanden an seiner Seite hat, der einen tröstet, bestärkt und lobt, anstatt jemanden, der an einem zweifelt, ihn runter zu macht oder sich gar für ihn zu schämt, dem geht es einfach besser. Und dieser jemand sollten in erster Linie wir selbst sein.

Frau formt Herz für Selbstliebe

Zudem bringt der Weg zur Selbstliebe viele Erkenntnisse ans Licht. Man entlarvt alte Glaubenssätze oder erkennt Muster, mit denen man sich selbst sabotierte, und vieles mehr.

Falls du mehr über Selbstliebe erfahren möchtest, schau dir gerne meinen kostenlosen 7-Tage-Schnupperkurs an oder tauche noch tiefer ein und wirf einen Blick auf mein Herzensprojekt den Selbstliebe-Lehrgang (Variante: nur dir zuliebe oder Selbstliebe-Trainer)

7. EFT – Emotional Freedom Technique

Ein weiteres Tool, das mir sehr geholfen hat, ist die EFT Klopftechnik. Hier habe ich bereits einmal über EFT-Angstbewältigung geschrieben. Des weiteren habe ich einen Selbstlernkurs dazu erstellt. Hier kommst du zum EFT Klopf-Technik-Kurs.

8. Affirmationen

Natürlich können auch Affirmationen, richtig gewählt, eine wunderbare Unterstützung sein. z.B.:

  • Es geht mir von Tag zu Tag immer besser und besser.
  • Ich öffne mich für meine Heilung.
  • Ich bin auf dem richtigen Weg – ich heile von Tag zu Tag immer mehr und mehr.

Ich hoffe, ich konnte dir den ein oder anderen Impuls mit auf deinem Weg geben. Herzlich, deine Melanie

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