Wenn du zu sehr liebst

Warum es dir schlecht geht, wenn du zu sehr liebst

Liebe! Das schönste Gefühl, das es gibt. Kann man wirklich zu viel davon fühlen? Genau genommen nicht, wenn es sich um eine gesunde und ausgeglichene Liebe handelt. Das Gefühl, zu sehr zu lieben, haben aber vor allem Menschen, die dadurch Schmerz erfahren. Dahinter steckt meist ein Zuviel von Liebe im Sinne von – man nimmt einen anderen Menschen wichtiger als sich selbst, betet ihn in gewisser Weise an, macht ihn zum Lebensmittelpunkt, versucht ihm alles recht zu machen, gibt sich dabei womöglich sogar selbst auf oder erkennt kaum noch die Grenzen zwischen ihm und sich selbst.

In diesem Fall ist zu viel Liebe auf jeden Fall ungesund, kann zu depressiven Verstimmungen, Ängsten, selbst sabotierenden Handlungen, zum Gefühl, nicht gut genug oder gar wertlos zu sein und natürlich zu einem stetig leeren inneren Liebestank führen – vor allem, wenn wir nach dem Fass voller Liebe, die wir selbst schenken, immer nur einen klitzekleinen Tropfen davon zurück bekommen.

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10 Anzeichen, dass du zu sehr liebst

Aber zurück zum Anfang. Vermutest du, dass du zu sehr liebst? Dann gehe die folgenden Anzeichen durch und schau, wie viele auf dich zutreffen:

Menschen, die zu sehr lieben, …

  • neigen dazu, ihre eigenen Hobbies und Leidenschaften aufzugeben und sich ihrem Partner oder Angebeteten anzupassen.
  • fühlten sich ohne Partner schnell einsam und verbringen daher am liebsten die gesamte Freizeit mit ihm.
  • leiden unter Verlustangst im Bezug auf ihren Partner.
  • beschönigen negative Eigenschaften ihres Partners.
  • lassen sich aus Angst vor Konflikten und Verlust vom Partner oft schlecht behandeln oder herab würdigen.
  • fühlen sich trotz Partner oft einsam und nicht ausreichend geliebt.
  • verlernen oder vergessen auf ihre eigenen Bedürfnisse und fokussieren sich auf die des Partners.
  • fühlen sich nicht besonders wertvoll.
  • fühlen sich nur dann gut, wenn der Partner ihnen seine Aufmerksamkeit, Zärtlichkeiten oder Komplimente schenkt.
  • haben das Gefühl, ständig um die Liebe des Partners kämpfen zu müssen.
  • haben ein Problem damit, wenn der Partner etwas ohne ihn oder gar mit anderen Menschen gemeinsam macht.

Hast du dich in zwei, drei oder sogar mehreren Aussagen wiedergefunden? Dann bist du bei diesem Blogbeitrag genau richtig. Lass uns schauen, was dahintersteckt und wie es dazu kam, dass du zu sehr liebst.

Warum du zu sehr liebst

Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat dir in deiner Kindheit, oder zumindest in einem bestimmten Abschnitt davon, Liebe gefehlt. Wir alle – allen voran Kinder – brauchen Liebe, damit wir uns wohlfühlen und gesund entwickeln können. Lange Zeit hast du dich vielleicht danach gesehnt, endlich so sehr geliebt zu werden, wie du es brauchst.

Und irgendwann kam schließlich der erste Prinz oder die Prinzessin. Dein leerer Liebestank hat sich im Null-Komma-Nichts aufgefüllt. „Ach ist das schön,“ hast du gedacht. All der Schmerz, wie beispielsweise das Gefühl, Liebe gar nicht zu verdienen, nicht gut oder schön genug zu sein, für niemanden wirklich wichtig zu sein, und Ähnliches verschwanden plötzlich.

Du befandst dich also in der Phase der Verliebtheit. Aus diversen Studien weiß man, dass diese Phase ein wunderschöner, rauschähnlicher Zustand ist. Du kannst es dir so vorstellen, dass dein innerer Liebestank so voll wie nie zuvor ist und dich daher so gut wie nie zuvor fühlst. Du dachtest unbewusst – damit ist all der Schmerz von früher endlich Geschichte.

Aber leider halten wir Menschen diesen rauschartigen Zustand der Verliebtheit nicht lange aus. Er verlangt uns zu viel Energie ab. Also kommen wir wieder in den Normalmodus. Hier beginnt meines Erachtens die „echte“ Partnerschaft, für die wir uns immer wieder neu entscheiden und an der wir auch aktiv arbeiten müssen.

Für dich war vermutlich genau dieser Zeitpunkt eine Rückkehr zum altbekannten Schmerz. Plötzlich waren sie wieder da – die unangenehmen Gefühle, der Schmerz, vielleicht doch nicht gut und liebenswert genug zu sein – den du bereits aus deiner Vergangenheit kennst. Alles in dir hat rebelliert. Um den Zustand der Verliebtheit, die sich so heilsam angefühlt hat, wieder herzustellen, hast du begonnen, noch mehr zu lieben. Natürlich unbewusst! 90% unserer Entscheidungen passieren unbewusst.

Die Ursache

Bestimmt gibt es noch einige weitere Faktoren, die uns zu dazu anstiften, zu sehr zu lieben, aber der Kern liegt sehr oft in der Kindheit begraben, wo wir vermutlich eine Zeit lang Schmerz statt Liebe serviert bekamen. Schon damals wurde durch den Mangel an Zuneigung und Bestätigung unser innerer Liebestank leer. Mit diesem leeren Liebestank gehst du nun in die Welt hinaus und suchst nach Menschen, die ihn endlich auffüllen.

Auswege, wenn du zu sehr liebst

Aber wie du schon bemerkt hast, funktioniert das nicht besonders gut. Gerade du, der/die du besonders viel Liebe brauchst, bekommst scheinbar immer am wenigsten davon ab. Soviel vorab: Es gibt Auswege, einer davon ist, zu lernen deinen Liebestank selbst aufzufüllen. Hier kannst du mehr dazu lesen – Wie du durch Selbstliebe dein erfüllte Partnerschaft erschaffst.

Außerdem helfen dir die folgenden 4 Praxistipps um die Spirale des „zu sehr lieben“ zu verlassen und so deine Partnerschaft, aber auch dein Selbstwertgefühl positiv zu beeinflussen.

1.) Deinen Fokus verteilen

Wenn du zu sehr liebst, passiert es schnell, dass du alles, das außerhalb von deiner Partnerschaft liegt, vernachlässigst – wie zum Beispiel Freunde, After-Work-Treffen mit Kollegen, Verwandte und Co. Ein wichtiger Schritt ist daher, dass du wieder beginnst, wahrzunehmen, dass es außer deinem Partner auch noch andere wichtige Menschen gibt, die dich gerne in ihrem Leben haben möchten.

Spaß mit Freunden

Womöglich hast du dich bei ihnen schon lange nicht gemeldet – dann beginne damit, deine alten Freundschaften wieder zu reaktivieren. Oder geh auf die Suche nach neuen Kontakten, die dein Leben bereichern. Du kannst z.B. an Kursen teilnehmen, mal mit einem anderen Kollegen Mittagessen gehen oder bei einer Nachbarin anklingeln. Es gibt immer Wege, neue Menschen in sein Leben einzuladen. Weitere Tipps findest du hier: So ziehst du neue Menschen, die dich glücklich machen, in dein Leben

Auch interessant:  Du musst nichts leisten, um geliebt zu werden

2.) Mach öfter ein Date mit dir selbst

Womöglich klingt das für dich schrecklich, weil du es nicht magst, ohne deinen Partner oder alleine zu sein. Aber genau dann ist dieser Punkt für dich enorm wichtig. Du wünscht dir Aufmerksamkeit von deinem Partner, damit du dich besser fühlst – aber du selbst schenkst sie dir nicht. Dabei ist deine eigene Aufmerksamkeit und Zuneigung genauso heilsam wie die anderer Menschen. Es braucht nur ein bisschen Übung.

Du fragst dich, was du mit dir alleine machen sollst? Am besten unterhaltest du dich mit dir selbst und lernst dich so näher kennen. Ja, das meine ich ernst. Zum Beispiel, indem du dich und dein Leben reflektierst. Frag dich nach deinen wahren Herzenswünschen und deinen Bedürfnissen. Frag dich, was dir wirklich wichtig ist im Leben. Frag dich, welche Abenteuer und Erlebnisse du noch genießen möchtest. Frag dich, welche Eigenschaften an dir du magst und welche nicht. Frag dich wie dein perfekter Tag aussieht. Usw.

Aber für den Anfang genügt es auch, einfach mal etwas mit dir alleine zu unternehmen oder dir ein neues Hobby zuzulegen, das nur dir gehört und nichts mit deinem Partner zu tun hat, oder ein Buch zu lesen, in dem es nur um dich und ein Wohlbefinden geht. Buchtipp: Es ist ein Geschenk, dass es dich gibt (SPIEGEL-Bestseller)

3. Glaubenssätze auflösen, die deine Liebessucht fördern

Oft sind es negative innere Glaubenssätze, die dazu führen, dass wir im Außen so sehr nach der Liebe suchen, die den Schmerz, die diese Sätze auslösen, stillen sollen. Stell es dir so vor, als würde dich immer jemand begleiten, der dir ständig Sätze wie – du bist nichts wert, du hast nichts Besseres verdient, so blöd kannst nur du sein, dich kann man nicht lieben usw. – an den Kopf wirft.

Mit jedem Satz frisst dieser miese Begleiter deinen inneren Liebstank immer leerer und leerer. Dein Hunger nach Liebe wird immer größer. Also schaust du dich schnell im Außen um – siehst deinen Partner und versuchst, durch verschiedene Interventionen wie z.B. klammern, ihm alles recht machen, dich anpassen usw. dir die fehlende Liebe von ihm zu holen.

Leider führt dieses Verhalten oft zum kompletten Gegenteil, nämlich dazu, dass dein Partner immer weniger und weniger Liebe verteilt. Dahinter steckt ein psychologisches Phänomen. Hier liest du mehr dazu: Warum andere dich schlecht behandeln, wenn du zu lieb bist.

Zudem ist dein Partner nicht dein Retter. Du musst die Wurzel am Kern anpacken und dich mit deinen inneren Glaubenssätzen beschäftigen und sie auflösen. Zum Blog: Glaubenssatzwunden heilen in 3 Schritten

4. Dich selbst lieben lernen

Frau schaut in den Spiegel

Wenn du lernst, dich selbst zu lieben, ist dein Bedarf nach ständiger Anerkennung durch Aufmerksamkeit und Liebe von deinem Partner niedriger. Der Kampf nach Liebe hat dann endlich ein Ende. Das führt dann oft dazu, dass dein Partner sich weniger unter Druck gesetzt fühlt, dich als wertvoller und selbstbewusster wahrnimmt und dir dann plötzlich, obwohl du es gar nicht mehr in so großem Ausmaß brauchst, all die Liebe schenkt, die du dir immer gewünscht hast. Manchmal wird einem durch Selbstliebe aber auch bewusst, was nicht mehr zu einem passt und man schafft es, mit Zuversicht und Selbstvertrauen neue Wege zu gehen.

Selbstliebe ist also der Masterausweg, wenn du zu sehr liebst und dadurch längst unglücklich geworden bist. Falls du tiefer in dieses Thema eintauchen möchtest, dann schau dir gerne mein Herzensprojekt – den Selbstliebe-Lehrgang (Variante – Selbstliebe-Trainer oder mir zuliebe) an. Mehr als 1900 Menschen haben durch das 9 Wochen Programm bereits den Sprung in einer befreites und erfüllteres Leben geschafft.

Von ganzem Herzen, deine Melanie

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