Angst vor Nähe? Bindungsangst überwinden für Betroffene und Partner

Bindungsangst: Wie man die Angst vor Nähe überwindet

Jahrelang war ich der Überzeugung, ich würde an Verlustängsten leiden. Aber als ich mich mit dem Thema Bindungsangst vertraut machte, stellte ich schockiert fest, dass ich selbst es war, die verhinderte, endlich eine erfüllte Beziehung zu führen. Bindungsängste haben nämlich viele unterschiedliche Gesichter. Ein paar davon möchte ich dir im heutigen Beitrag vorstellen. Außerdem gibt es erste Tipps für Betroffene und ihre Partner.

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Woher kommt die Bindungsangst

Wenn wir an Bindungsangst denken, stellen wir uns immer einen Typen vor, der sein Leben lang Single bleibt und nichts anderes als Freiheit braucht, um glücklich zu sein. Ich glaube nicht, dass es irgendwo auf der Welt so jemanden gibt. Denn der Mensch ist nicht dazu gemacht, allein zu sein. Er braucht das Gefühl zu lieben und geliebt zu werden, um Fülle und Wohlbefinden zu verspüren.

Bei Bindungsängstlichen ist aber nun so, dass obwohl sie sich nach Liebe sehnen, sie gleichzeitig große Angst davor haben. Der Grund dafür ist meist bereits in der Kindheit zu finden. Unsere allererste große Liebe waren unsere Eltern. Allen voran die Mutter, weil sie gerade in den ersten Lebensjahren die Nr. 1 für uns war.

Wurden wir in diesen ersten Lebensjahren durch das Verhalten unserer Eltern häufig verletzt oder enttäuscht, so kann das dazu führen, dass ein Teil in uns beschließt, einen derartigen Schmerz nie wieder erleben zu wollen. Als Schutzmaßnahme eignen wir uns ein Verhalten an, das vermeidet, dass uns ein anderer je wieder so nahe kommt, wie Mama oder Papa es damals taten.

Bindungsangst – der Vermeider

Sehr oft ist uns die eigene Bindungsangst, bei der es natürlich auch unterschiedliche Schweregrade gibt, aber nicht bewusst. Wir erkennen nicht, dass unser Verhalten wieder und wieder dazu führt, dass erst gar keine Beziehung entsteht oder die entsprechende Nähe und Tiefe in der Partnerschaft ausbleibt.

Ein Beispiel aus meinem Leben: Ich war fünf Jahre lang Single und sehnte mich so sehr nach einem Partner.  Aber immer, wenn ich jemanden kennenlernte, der mich wirklich interessierte, bekam ich eine Abfuhr. Wenn ich hingegen jemanden traf, der offensichtliches Interesse an mir hatte, so empfand ich diese Person als uninteressant und wandte ihr den Rücken zu.

Durch dieses Verhalten habe ich mich unbewusst davor geschützt, eine Beziehung einzugehen. Man könnte sagen, mein inneres Kind wollte verhindern, dass ich wirklich liebe, weil es den Schmerz der Enttäuschung oder Verletzung, den es damals ertragen musste, auf keinen Fall noch einmal erleben wollte.

Weitere Symptome von Bindungsängsten

Konflikt zwischen Frau und Mann

Aber das ist nur ein mögliches Symptom, wie sich Bindungsangst zeigen kann. Zumal Bindungsangst nicht gleichzeitig bedeutet, dass die Betroffenen alleinstehend sind. Viele Bindungsgestörte befinden sich in Beziehungen, die gerade für ihre Partner eine Herausforderung mit hohem Frustpotential sind.

Hier findest du noch ein paar weitere Symptome von Bindungsängstlichen

  • Fluchtmodus – Rückzug vom Partner oder Kontraktbruch
  • Verweigerung körperlicher Nähe
  • Verweigerung mentaler Nähe, indem tiefgründige Gespräche abgeblockt werden
  • Wut, Beschuldigungen und Beleidigungen, um durch den Streit wieder eine Distanz zu erschaffen.
  • Weigerung, gemeinsame Ziele festzulegen (Familienplanung, Heirat, Urlaube, Hausbau etc.)
  • Überraschende Pläne, die den anderen nicht integrieren
  • Unfähigkeit, über die eigenen Gefühle zu sprechen
  • Plötzlicher, unerwarteter Rückzug nach ein paar Stunden oder Tagen intensiver Nähe
  • Sich überraschend trennen oder nicht mehr melden

Der Partner des Bindungsängstlichen

Anhand der obigen Symptome erkennt man rasch, dass nicht nur der Bindungsängstliche selbst, sondern vor allem auch sein Partner sehr zu leiden hat. Interessanterweise ist es aber auch so, dass Bindungsängstliche einander anziehen. Wenn ein Bindungsängstlicher auf einen anderen trifft, bedeutet das ja auch, dass ein gewisser Abstand zueinander besser eingehalten werden kann, weil beide dies meist unbewusst anstreben.

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Anders als gedacht, befriedigt das aber langfristig auch nicht, denn in Wahrheit steckt in uns allen eine große Sehnsucht nach tiefer Nähe.

Was kann der Partner des Bindungsängstlichen tun?

Zuerst sollte man sich einmal darüber bewusst werden, ob man selbst eventuell auch unter Bindungsangst leidet. Falls ja, kann genau wie beim Bindungsängstlichen selbst eine Therapie oder auch das selbstständige Lösen von Glaubensmustern helfen.

Wichtig für den Partner des Bindungsängstlichen ist auch, dass er ihn nicht zu sehr einengt. Fühlt sich der Bindungsängstliche nämlich bedrängt, so sucht er noch mehr das Weite. Das gelingt meist nur, wenn das eigene Selbstwertgefühl stark und gesund ist. Ein gesunder Selbstwert hilft uns dabei, die Ablehnung des Partners nicht persönlich zu nehmen und uns auf unsere eigenen Bedürfnisse und Träume zu fokussieren.

Die Auflösung der Bindungsangst kann immer nur der Betroffene selbst erwirken. Es empfiehlt sich daher, das Thema anzusprechen und die Bereitschaft des anderen auszuloten. Gibt es keine, so bleiben nur zwei Optionen: mit der geringen und sprunghaften Zuneigung leben lernen (hier hilft wieder ein gesunder Selbstwert) oder sich trennen.

Erste Schritte für den Bindungsängstlichen

1. Erkenntnis und Klarheit

Wie bereits erwähnt, ist der erste Schritt die Erkenntnis. Wenn du dich in einigen Zeilen dieses Beitrages wiedererkannt hast, so ist es gut möglich, dass du eine Bindungsstörung entwickelt hast. Stell dich dem Thema und reflektiere dich, am besten schriftlich.

  • Welches Verhalten, das Nähe vermeidet, legst du häufig an den Tag?
  • Wann und warum flüchtest du regelmäßig?
  • Wovor hast du am meisten Angst? Was möchtest du nie wieder erleben?
  • Hat deine Angst etwas mit dem Hier und jetzt zu tun? Ist sie jetzt wirklich berechtigt?

2. Inneres Kind und Glaubenssätze

Um deine Ängste an der Wurzel anzupacken, ist es oft notwendig, mental zurück in die Vergangenheit zu reisen. Mir persönlich gelang es durch die Arbeit mit meinem inneren Kind (das umfasst alle Prägungen und Ängste, die wir aus der Kindheit übernommen haben) meine Bindungsängste zu lösen. Dazu am Ende noch ein Tipp.

3. Nähe aushalten lernen

Frau lässt Nähe zu

So komisch es klingt, aber auch Nähe zuzulassen, kann man trainieren. Genau wie bei Muskeltraining ist das am Anfang oft anstrengend, aber es wird von Mal zu Mal leichter. Lass dich dir selbst und deinem Partner zuliebe öfter auf Nähe ein, um zu erkennen, dass deine Angst im Hier und Jetzt kaum eine Grundlage hat.

4. Schmerz vermeiden – Selbstwert stärken

Jeder Mensch hat Angst davor, dass seine Liebe enttäuscht wird und er dadurch großen Schmerz erlebt. Bei Bindungsängstlichen ist diese Angst sehr stark ausgeprägt, da es ihnen an Selbstwert fehlt. Ein Mensch, der sich nämlich selbst für liebenswert, klug und bezaubernd hält, geht kaum davon aus, dass ihn jemand nicht mehr lieben könnte. Er weiß einfach, dass er eine super Partie ist und braucht daher keine oder zumindest maßgeblich weniger Angst vor Nähe haben.

Er kann also Nähe nicht nur leichter zulassen, sondern er genießt sie auch vielfach intensiver. Dadurch führen Menschen mit einem starken Selbstwert glücklichere Beziehungen.

Selbstliebe & Selbstwert – der Weg aus der Angst

Wenn auch du dein Selbstwertgefühl stärken und diesen in der Arbeit mit deiner inneren Kindheilung finden möchtest, um dein Beziehungsglück zu steigern und Ängste loszulassen, schau dir gerne meinen meine Herzensprojekte an: Befreie dein inneren Kind – der 6 Wochen Intensiv-Kurs und der einzigartige Selbstliebe-Lehrgang – 9 Wochen, die dein Leben zum Strahlen bringen.  

Herzlich, deine Melanie

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