Warum uns Menschen, die wir lieben, verletzen

Warum wir unsere Liebsten verletzten – und umgekehrt!

Frau traurig - einander verletzenIst es dir schon einmal aufgefallen? Gekränkt fühlen wir uns immer durch Handlungen oder Worte von Menschen, die uns nahe stehen, die wir mögen oder gar lieben. Oder durch jene, auf die wir bewundernd aufsehen. Nur sie können uns scheinbar verletzen.

Beispiele:

  • Wenn die Kellnerin mit genervter Stimme unsere Bestellung aufnimmt, bekommt sie zwar kein Trinkgeld, aber ihr Verhalten führt zu keiner Verletzung. Aber wenn der Partner einen ähnlichen Ton anschlägt, so entsteht oft rasch das Gefühl etwas falsch gemacht zu haben oder gar minderwertig zu sein.
  • Wenn der neue Praktikant nicht sonderlich viel von uns hält, mag uns das vielleicht ärgern, aber es kränkt uns nicht so wie wenn der Vorgesetze unsere Arbeit kritisiert.
  • Wenn ein entfernter Bekannter über uns lästert, freut uns das zwar nicht, aber im Vergleich dazu, wenn die beste Freundin das tut, ist es eine Lappalie.

Im heutigen Beitrag möchte ich aufzeigen, warum uns gerade diejenigen am meisten verletzen, die wir lieben oder ehren. Und umgekehrt! Das Verständnis darüber hilft dabei, sich weniger oft gekränkt zu fühlen und statt andere zu verletzen lieber bei der Versorgung ihrer Wunden und Narben zu helfen.

1. Weil der andere weiß, dass wir ihn lieben

Wir behandeln unsere Liebsten schlechter als andere Menschen. Zumindest was die Kommunikation im Alltag betrifft. Warum ich das weiß? Ich habe mich lange Zeit selbst beobachtet und schockierende Feststellungen gemacht. Zum Beispiel: Nachdem ich ein paar unfreundliche Töne gegenüber meinem Partner ausgestoßen hatte, um meiner miesen Laune Ausdruck zu verleihen, nahm ich vergnügt den Anruf einer Bekannten entgegen. „Du bist noch immer so ein Sonnenschein,“ sagte sie am Ende des Gespräches. Wenig verwunderlich, denn im Gegensatz zu meinem Partner, der das Donnerwetter abbekam, präsentierte ich ihr meine Schokoladenseite. Und mit diesem Verhalten bin ich leider kein Unikat.

Aber warum agieren wir häufig so? Wir sind davon überzeugt, dass uns nahe stehende Menschen so gut kennen, dass wir glauben, sie wüssten auch, wenn wir unfreundlich sind, dass wir sie über alles lieben. Ein schroffes Wort oder eine kleine Beleidigung wird doch daran nichts ändern oder sie gar verletzen! Oder vielleicht doch?

Mach die Probe auf Exempel. Wie geht es dir, wenn dein Partner oder ein anderer nahe stehender Mensch sich über dich lustig macht, dich beleidigt oder laut wird? Vielleicht geht es dir wie mir und du fühlst dich dadurch schlecht, bist verletzt oder beginnst an der Liebes des anderen zu zweifeln. Dann ist es höchste Zeit dieses Verhalten ganz bewusst zu verändern.

2. Weil wir es zulassen

Einen Menschen, den man kaum kennt, behandelt man in den seltensten Fällen schlecht. Der Grund dafür ist unter anderem, dass man nicht weiß wie er reagiert. Ärger möchten wir keinen haben – also sind wir lieber nett und höflich. Bei den eigenen Eltern, Kindern, dem Partner, dem besten Freund oder dem Mitbewohner ist das anders. Unbewusst haben wir ihre Grenzen bereits ausgelotet.

Eine Frau hat Angst zu verletzen und verletzt zu werdenZum Beispiel: Wenn wir die grenzüberschreitenden Worte unseres Partners beim letzten Streit einfach hingenommen haben, wird dasselbe beim nächsten Wutanfall wieder passieren. Wenn der Typ, an den wir unser Herz verloren haben, uns beim letzten Mal einfach versetzt hat und wir das wortlos hingenommen haben, werden noch viele weitere Ablehnungen von seiner Seite folgen.

Hier ist es wichtig Grenzen zu setzen, indem man wagt aus der „ich-bin-so-lieb-und-unkompliziert-Rolle“ auszubrechen.

3. Weil sie unser Spiegel sind

Bei nahe stehenden Menschen gilt außerdem das Spiegelgesetz. Wir sind ihr und sie sind unser Spiegel. Damit ist gemeint, dass sie genau den Teil unserer Selbst spiegeln, der uns am meisten verletzt oder den wir am meisten ablehnen. Dadurch ist es wenig verwunderlich, dass der Ehemann oder die Tochter es schaffen einen derart auf die Palme zu bringen, wie sonst niemand.

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Im Laufe der Jahre habe ich diese Spiegelfunktion wahrlich aus Geschenk verstehen gelernt. Ich konnte dadurch viele meiner alten Wunden heilen und mir immer öfter Dinge erlauben, die ich mir mein halbes Leben lang verboten hatte. Mehr über den Spiegeleffekt bzw. darüber, warum dich bestimmte Menschen so sehr triggern, kannst du in diesem Beitrag erfahren.

4. Weil Verletze verletzen

Wenn uns ein nahe stehender Mensch kränkt, dauert es meist nicht lange bis wir zurückschlagen. Oft geschieht das bereits im Gefecht des Streites. „Du kannst nicht einmal mir zu Liebe normal sein. Immer lässt du die Prinzessin raushängen,“ brüllt er wutentbrannt. „Du bist wirklich das Letzte – sowie du drauf bist, wundert es mich nicht, dass du keinen einzigen, echten Freund hast,“ schreit sie.

Autsch! Das tut weh und zwar auf beiden Seiten. Verletzte Menschen verletzen, weil eine Kränkung Stress auslöst und dieser Stress will abgebaut werden. Nicht immer folgt gleich im Streit die Retourkutsche. Manchmal sammeln sich die Verletzungen auch an, bevor die große Bombe dann häufig zur Überraschung des anderen platzt.

Mehr Bewusstsein, um weniger zu verletzen

Der Einblick in diese Hintergründe gibt uns die Möglichkeit unser Verhalten zu verändern. Ein kritischer Blick auf sich selbst lohnt sich. Denn wer andere weniger verletzt, wird in der Regel auch selbst seltener verletzt. Empathie lautet die Zauberformel dabei. Auch wenn der Partner gerade brüllt und man ihm selbstbewusst zeigt, dass das nicht in Ordnung ist, kann man versuchen sich in seine Lage zu versetzen.

  • Was ärgert, verletzt oder quält ihn so sehr?
  • Welcher wunde Punkt wurde getroffen?
  • Was will er in Wirklichkeit damit zum Ausdruck bringen?
  • Handelt es sich vielleicht einfach, um einen Schrei nach mehr Liebe, Anerkennung und Aufmerksamkeit?

Mehr Selbstwertgefühl, um weniger verletzt zu werden

Wenn es um Menschen geht, auf die wir aufsehen, die wir bewundern oder auf eine gewisse Weise vielleicht sogar verehren, entsteht nämlich sehr rasch ein Hoch-Tief-Gefälle. Derjenige, der bewundert wird, schaut auf denjenigen, der bewundert herab. Und genauso behandelt er ihn in der Regel auch. Die einzige Möglichkeit dies zu verändern, ist es einen Ausgleich zu schaffen. Eine selbstbewusste Körperhaltung, ein gestärktes Selbstwertgefühl, eine laute klare Stimme und die bewusste Entscheidung, dass man sich ab sofort nicht mehr von oben herab behandeln lässt, hilft. Mehr dazu!

Im Umgang mit Verletzung und Kränkung wünsche ich dir viel Geduld, Achtsamkeit und Liebe. Deine Melanie

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