Inspiration – wahre Geschichte: Im Angesicht des Todes

Eine ungewöhnliche Begegnung, die zum Leben auffordert!

Ich betrat das Wartezimmer der Ordination. Für gewöhnlich bin ich hier alleine und sammle meine Gedanken, damit mich diese bei der anschließenden Therapie nicht vereinnahmen. An diesem Tag aber hatte ich keine Gelegenheit dazu. Eine junge Frau saß bereits im Warteraum und empfing mich mit einem herzlichen Lächeln. „Ich bin Nadine und wer bist du“, fragte mich die Fremde ohne ein Wort des Grußes. Überrascht von ihrer Frage zögerte ich einige Sekunden, bevor ich höflich antwortete.

Neugierig betrachtete ich die Fremde anschließend aus dem Augenwinkel. Sie trug ein Tuch um ihren Kopf, so dass ich nicht erkennen konnte, ob sie langes, kurzes oder gar kein Haar hatte. „Willst du meine Glatze sehen,“ fragte sie plötzlich lachend, als ob sie meine Gedanken hätte lesen können. Beschämt schüttelte ich den Kopf. Nun aber war ich neugierig geworden. Ich wollte mehr über die fremde, so voller Lebensfreude strahlende, Frau wissen.

Nadine erzählte mir daraufhin von ihrem beharrlichen Lebensweg. Davon, dass sie in ihrem jungen Leben gerade zum zweiten Mal gegen den Krebs ankämpft, aber sie nun keine Angst mehr vor ihm habe. Leben wollte sie trotzdem, aber eben nicht mehr mit der „blöden“ Angst, die sie die letzten Jahre permanent begleitet hatte.

Ich konnte ihre Worte nicht vergessen!

Ihre Offenheit lud mich ein nachzufragen. Wie schafft man es bloß mit solch einem Schicksal fertig zu werden, weiter zu kämpfen und dabei trotzdem zu lachen? Ihre Antworten haben mich tief in der Seele berührt. Immer wieder hörte ich auch Tage nach diesem Gespräch ihre sanfte Stimme und ihre inspirierenden Worte.

Als ich Nadine nun vor zwei Wochen zufällig im Warteraum wieder traf, fragte ich sie, ob ich ihre Worte in die Welt hinaus tragen dürfe. Sie stimmte zu! Und weil ich auch heute noch, fünf Monate nach unserer ersten Begegnung, von ihren Aussagen zehre, möchte ich diese mit euch teilen.

Der Wille zum Leben – Nadines Worte

Die Krankheit ist nicht mein Schicksal. Was in meinem Leben zum Schicksal wird, das bestimme noch immer ich. Vielleicht kann ich mir nicht aussuchen, wie alt ich werde, aber so lange ich auf dieser Erde bin, kann ich selbst wählen, wer ich bin und wie und mit wem ich meine wertvolle Zeit verbringe.

Ich bin nicht meine Krankheit, aber meine Krankheit ist ein Teil von mir. Ohne sie wäre ich nicht die, die ich heute bin. Vermutlich würde ich an der Oberfläche leben, wertvolle Lebenszeit vergeuden, mich selbst noch immer ablehnen und ständig nach Gründen suchen, die mir das Recht geben unzufrieden zu sein. Mein Weg hat mich geprägt. Ich nutze den Tag, ich lache, wenn die Sonne scheint, ich tanze im Regen und sogar einen Paragleitflug habe ich im letzten Jahr unternommen. Hätte mir meine Krankheit nicht gezeigt, dass das Leben vergänglich ist, wäre ich nicht der bewusste Mensch, der ich heute bin.

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Wer einmal wochenlang an Schläuchen hängt, das Bett nicht verlassen kann, sich vor Schmerzen krümmt, tagelang kaum etwas im Magen behält und keine Kraft zum Sprechen hat, der weiß das Geschenk eines gesunden Körpers besser zu schätzen. Immer dann, wenn es mir besser geht, spaziere ich durch die Wiesen und genieße jeden Schritt. Ich kann gehen – yuhuu! Ich kann sehen – yuhuu! Ich kann schreien – yuhuu! Ich kann einschlafen, weil mein Körper nicht schmerzt – yuhuu! Ganz gesund bin ich nicht aber trotzdem dankbar für all die Dinge, die mein Körper mir wieder ermöglicht!

Das Leben ist ein Geschenk

Natürlich berührten mich Nadines Worte auch deshalb ganz besonders, weil auch ich einen langen Weg der Krankheit ging. Keinesfalls will ich die Art meiner Krankheit mit der ihren vergleichen. Dennoch kann ich ihre Gedanken und Ansätze nachvollziehen und auch bestätigen. Gleichzeitig weiß ich, dass eine solche Einstellung nicht einfach vom Himmel fällt, sondern mit der Überwindung vieler schmerzhafter Erfahrungen, dem unbändigen Willen zum Leben und jeder Menge Gedankenarbeit verbunden ist.

Ich bewundere Nadine für ihre Kraft und ihren Optimismus und hoffe, dass ihre Worte für viele Menschen eine Quelle der Inspiration sind. Voller Liebe und Dankbarkeit – eure Melanie

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11 Kommentare

  1. Danke für diesen unglaublich, berührenden und lehrreichen Text. Tausend Danke, dass du es in die Welt trägst…LG Doris

    • Liebe Doris!
      Danke dir fürs Lesen… Es freut mich sehr, dass dich Nadines Worte ebenso berühren.
      Herzlichen Gruß und einen schönen Sonntag!

  2. Herzlichen Dank liebe Melanie für das teilen des sehr bewegenden Text!
    Welch eine Kraft steckt doch im Menschen, die leider manchmal erst durch eine schwere Krankheit oder einen Schicksalsschlag spürbar wird.
    Ich wünsche mir auch ohne dies zu meiner Kraft und Lebensfreude zukommen.
    Meinst du das ist möglich?
    Ich wünsche Nadine und dir Gesundheit Freude und einen schönen Sonntag
    Herzliche Grüsse Martina

  3. Berührende Worte einer bewundernswerten und tapferen jungen Frau.
    Liebe Grüße
    Sigrid

  4. Ein ganz wunderbarer Eintrag und wahre Worte. Wenn nur mehr Menschen das für sich verinnerlichen könnten, wäre das schön und der Friede im Herzen des Jeden.

    • Liebe Sandra!
      Vielen Dank für deine Zeilen. Ja, es wäre wundervoll, wenn wir diese Weisheiten immer in uns tragen könnten. Leider ist der Mensch vergesslich. Aber er hat auch die Macht seiner eigenen Gedanken, welche man immer wieder bewusst fokussieren kann.
      Herzlichen Gruß

    • Genauso sehe ich es auch und umso schöner ist es, dass dies ein Teil meiner Arbeit ist.

  5. Liebe Melanie,
    zuallererst: Ich mag deinen Blog auch sehr und musste dir hier einfach schreiben. Es freut mich sehr, dass du mir gefolgt bist und mir diesen lieben Kommentar bei mir hinterlassen hast. Ich freue mich auf deinen Besuch und grüße dich lieb.

    Sandra.

  6. Hallo Melanie. Wenn ich diese Zeilen lese ist mir wieder einmal bewußt, was wirklich wichtig ist im Leben. Ich bemühe mich zwar nichts als selbstverständlich zu nehmen, doch man vergißt es halt immer wieder! Was wird nicht alles bejammert und beklagt! Da kann man sich ein Beispiel nehmen, an dieser jungen Frau! Und welches Glück man hat, wenn man gesund ist.Lg. Gabi

  7. Wow was für wunderschöne berührende Worte.
    Ich hatte eben beim Lesen Gänsehaut….
    Wahnsinn wie stark diese Frau ist, von ihrem Willen und ihrer Stärke sollten sich sehr viele eine Scheibe abschneiden. 🙂
    So etwas macht einen erst wieder bewusst wie glücklich man sich schätzen kann wenn man gesund ist. 🙂
    Liebe Grüße Tamara

    • Hallo Tamara!
      Das sehe ich genauso. Mir machte es aber auch bewusst, das Krankheit nicht immer gleich Leid ist. Sie macht auch darauf aufmerksam, was der Körper trotzdem noch leistet. Welche Freuden es dennoch im eigenen Leben gibt.
      herzlichen Gruß
      Melanie

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