Abgrenzung von der Familie und den Eltern

Abgrenzung von der Familie und den Eltern

„Du warst schon fünf Tage nicht zu Besuch. Sind dir deine alten Eltern jetzt etwa egal! Wenn du kommst, zieh dir bitte was Anständiges an und nicht wieder diesen schwarzen Fetzen, sonst denken die Nachbarn noch, du bist auf der schiefen Bahn gelandet.“

So oder so ähnlich können sich verletzte Grenzen durch die Eltern oder andere Mitglieder der Ursprungsfamilie anhören. Und obwohl man dabei oft laut schreien möchte, folgt oft nur ein klägliches „Ja okay.“ Grenzen setzen im Bereich der Familie und vor allem gegenüber der eigenen Eltern ist eine Königsdisziplin auf dem Weg der Selbstliebe, die viele von uns noch nicht beherrschen.

Im heutigen Beitrag möchte ich dir erklären, warum es besonders schwer ist, der Ursprungsfamilie und vor allem den Eltern gegenüber, Grenzen zu setzen. Zum Start lass uns mal schauen, wie es bei dir rund um das Thema Abgrenzung zur Ursprungsfamilie steht.

Diesen Blogbeitrag gibt es auch als Podcast auf Spotify, I-Tunes, Deezer oder direkt hier:

Finde heraus, ob du ausreichend Grenzen gesetzt hast

Eine Frau blickt traurig wegen ihrer Abgrenzung, die sie nicht schafft

Es ist bestätigt, dass Menschen, die sich nicht oder zu wenig von der Ursprungsfamilie abgrenzen, Schwierigkeiten damit haben, ihr Leben nach ihren eigenen Werten und Wünschen zu erschaffen. Langfristig entsteht dadurch ein ungelebtes Leben – ein Leben, das Großteils nur dazu da war, um andere zufrieden zu stellen.

Lass uns nun gemeinsam herausfinden, ob du dich bereits ausreichend von deiner Ursprungsfamilie abgegrenzt hast. Merke dir dafür die Anzahl der folgenden Merkmale, die auf dich zutreffen:

  • Ich denke bei wichtigen Entscheidungen immer darüber nach, was meine Eltern dazu sagen.
  • Ich habe oft ein schlechtes Gewissen meinen Eltern bzw. meiner Ursprungsfamilie gegenüber.
  • Ich wage es nicht, meinen Eltern zu widersprechen.
  • Wenn ich Zeit mit meinen Eltern verbringe, schlüpfe ich wieder ganz in die Rolle des Kindes.
  • Ich denke oft: Ich bin es meinen Eltern schuldig.
  • Ich besuche meine Eltern bzw. meine Familie oft aus reinem Pflichtgefühl.
  • Ich bin ängstlich und beklemmt, wenn ich etwas tue, was meine Eltern nicht gutheißen.
  • Ich versuche es meinen Eltern so gut wie möglich recht zu machen
  • Ich schaffe es selten bis nie meinen Eltern Grenzen aufzuzeigen.

Treffen zwei oder mehr der Aussagen auf dich zu, so ist es an der Zeit, dich von den Erwartungen deiner Eltern und deiner Ursprungsfamilie zu entfernen. Aber wie gelingt es nun genau, Grenzen innerhalb der Familie zu setzen?

Hindernisse beim Abgrenzen von Eltern und Familie

Aber warum tun wir uns gerade den Eltern und der Ursprungsfamilie gegenüber so schwer, Grenzen zu setzen? Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben – die zwei Hauptfaktoren möchte ich dir nun aufzeigen.

1. Ich schulde ihnen etwas

Meist bewegt uns das Gefühl, dass wir unseren Eltern, Großeltern und manchmal auch Geschwistern etwas schulden. Schließlich haben sie uns großgezogen. Wir verdanken ihnen unser Leben und Überleben. Ohne sie wären wir heute nicht hier.

Das verführt uns dazu, unbewusst zu glauben, wir müssten etwas zurückgeben. Zu jemandem, dem man noch etwas schuldet, kann man schließlich verdammt schwer Nein sagen.

Aber Achtung: Deine Eltern haben sich dazu entschieden, dich auf diese Welt zu setzen. Es war eine freie Entscheidung. Es gab keinen Vertrag, der festhielt, dass du ihnen genau so viel zurückgeben musst wie sie dir gegeben haben. Zudem hast du ihnen bereits sehr viel gegeben. Du hast ihnen Wunsch von neuem Leben erfüllt. Ihr Leben mit deinem Sein als Kind tagtäglich bereichert. Sie zu einer Familie gemacht. Sie Liebe spüren lassen und vieles mehr.

Du schuldest deinen Eltern demnach überhaupt nichts. Der Wunsch, seine Eltern glücklich zu machen allerdings, ist völlig legitim. Diesen hegen wir bei allen Menschen, die wir lieben. Aber langfristig wirst du deine Eltern niemals mit nicht gesetzten Grenzen und einem Ja zu allem, was sie erwarten, glücklich machen. Womit du sie wirklich glücklich machst, ist aus dem Leben, das sie dir geschenkt haben, das Beste zu machen oder anders gesagt, dich selbst glücklich zu machen.

Nichts macht wirklich liebevolle Eltern glücklicher, als dass sie dich glücklich sehen. Natürlich werden sie dennoch rebellieren, wenn du von Jetzt auf sofort Grenzen setzt, aber in der Regel halten sich diese Ausbrüche nicht lange. Und wenn doch, ist das ein möglicher Indikator dafür, dass deine Eltern für dich mehr toxisch als gut sind und der Schritt der Abgrenzung umso wichtiger ist.

2. Angst vor Ablehnung

Wenn wir versuchen, uns unseren Eltern, Großeltern oder älteren Geschwister gegenüber abzugrenzen, so kann das zu unbewussten Extremängsten oder sogar Panik führen. Warum? Als wir auf diese Welt kamen, war unser Überleben von diesen Personen abhängig. Hätten sie uns nicht gewickelt, gefüttert und gepflegt, wären wir dem Tod geweiht gewesen. Wir waren also stets auf ihre Gunst angewiesen.

Auch interessant:  Gefangen in der Vergangenheit: Das Rückspiegelsyndrom

Dieses Gefühl hat sich meist so tief eingeprägt, dass sie auch heute, wann immer wir es wagen, zu widersprechen oder Grenzen zu setzen, Angst davor haben, abgelehnt zu werden.

Wichtig ist, dass wir uns bewusst machen, dass eine Ablehnung im Hier und Jetzt keine tödlichen Folgen hat. Wir haben uns abgenabelt, unser Überleben ist nicht mehr von der Gunst unserer Ursprungsfamilie abhängig. Wir sind selbst in der Lage zu überleben.

So brachial das klingt – es ist wesentlich, dass unser gesamtes Bewusstsein diese Botschaft aufnimmt, bevor wir damit beginnen, gesunden Grenzen unserer Familie gegenüber zu setzen.

Grenzen setzen in der Praxis

Zuerst möchte ich dir meinen Schritt für Schritt Guide zum Grenzensetzen empfehlen. Hier sind alle wesentlichen Schritte und Wordings bereits aufgelistet.

Zusätzlich möchte ich dir noch ein paar Tipps im Umgang beim Grenzensetzen mit der Familie geben.

Klare Grenzen definieren

Nimm dir die Zeit und finde heraus, wie viel Nähe zu deinen Eltern und deiner Ursprungsfamilie dir gut tut. Frag dich:

Wenn du niemanden gegenüber verpflichtet wärst und frei von Schuld und Angst….

wie oft würdest du deine Familie oder deine Eltern dann gerne sehen?

was würdest du mit ihnen teilen? Was nicht mehr?

wo würdest du sie mitreden lassen und wo nicht mehr?

wozu würdest du Ja und wozu Nein sagen?

was würdest du nicht mehr mit dir machen lassen?

Notiere all deine Erkenntnisse schriftlich und erkenne sie als deine Grenzen für die Zukunft in Umgang mit deiner Familie an. Formuliere daraus im Idealfall klare Sätze wie z.B.

  • Ich akzeptiere nicht mehr, dass sich meine Mutter in die Erziehung meiner Tochter einmischt.
  • Für mich reicht es aus, wenn ich meine Eltern alle 3 Wochen sehe.
  • Ich akzeptiere nicht mehr, dass mein Vater in diesem Ton mit dir spricht.
  • Ich werde zukünftig meine Beziehungsprobleme nicht mehr mit meiner Mutter teilen.
  • Ich akzeptiere nicht, dass sich meine Schwester in meine Urlaubspläne einmischt. Usw.

Nur, wenn du selbst in dir klare Grenzen gezogen hast, kannst du diese auch im Außen setzen. Dieser Schritt ist also wesentlich.

Nächste Schritte

Mache dir anschließend, wie bereits erwähnt, immer wieder bewusst, dass du deinen Eltern nichts schuldest. Du bist ein Geschenk für diese Welt. Du warst und bist ein großes Geschenk für deine Eltern. Maximal schuldest du ihnen ein Leben, das dich glücklich macht.

Eine junge Frau neben ihrer Mutter, von der sie sich nicht abgrenzen kann

Orientiere dich anschließend an den Schritten meines Abgrenzungsguides. Hier findest du eine Schritt-für Schritt Anleitung zum Grenzensetzen.

Wesentlich für das Grenzensetzen ist außerdem ein gesundes und stabiles Selbstwertgefühl. Umso niedriger unser Selbstwert, desto schwerer fällt es uns, Grenzen so setzen. Ich würde sogar sagen, dass gesunde Grenzen ganz automatisch gesetzt werden, wenn du dir deines Wertes bewusst ist.

Noch mehr dazu

Wenn du noch tiefer in das Thema Selbstwert, Grenzen setzen und dir ein erfülltes Leben erschaffen eintauchen möchtest, dann sieh dir gerne meinen Selbstliebe-Lehrgang in der Variante „mir zuliebe“ oder „Selbstliebe-Trainer“ an. Mehr als 3000 Menschen konnten mit meinem 9 Wochen Programm, das ich persönlich begleite, schon den Sprung in einer freieres und erfüllteres Leben erreichen.

Herzlich, deine Melanie

Schon gesehen?

* Werbung

Newsletter kostenlos abonnieren

Abonniere den Honigperlen-Newsletter und erhalte in regelmäßigen Abständen kostenlose Impulse für ein erfüllteres Leben.

Schließe dich 59.257 Abonnenten an!

Name(erforderlich)
Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
Teilen mit