Das falsche Selbst: Leidest du unter Überanpassung?

Weißt du noch, wer du wirklich bist?

Flüstert dir deine innere Stimme oder dein Unterbewusstsein auch manchmal den einen oder anderen der folgenden Sätze zu?

  • Ich muss lieb und höflich sein.
  • Ich darf ja nicht negativ auffallen.
  • Andere sollen nicht schlecht über mich denken oder sprechen.
  • Ich muss unkompliziert sein, damit ich für andere angenehm bin.
  • Ich darf mich nicht wehren.
  • Ich sollte lieber still sein.
  • Ich muss bescheiden sein.
  • Ich muss mich anpassen.

Falls eine oder mehrere dieser Aussagen auf dich zutreffen, so besteht die Wahrscheinlichkeit, dass du die Schutzstrategie Überanpassung lebst. Meist geht diese mit Harmoniestreben und Verlustängsten einher.

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Weitere Anzeichen für Überanpassung

Weitere Signale können sein, dass du dich schnell unterordnest, bei dominanten Menschen sicher fühlst, deine Wünsche und Bedürfnisse hinten anstellst, schlecht Grenzen setzen kannst, konfliktscheu bist und dazu tendierst, dich unbewusst anzubiedern, um zu gefallen. 

Eine oder gar mehrere dieser Verhaltensweisen führen langfristig dazu, dass du dein wahres Selbst unter Konditionierungen und Anpassung vergräbst. Aber genug der Problem-Wälzerei. Lass uns sehen, warum du dir dieses leider selbstsabotierende Verhalten angewöhnt hast, wieso du es loslassen solltest und wie du das schaffen kannst.

Überanpassung ist eine Überlebensstrategie

Als wir noch Kinder waren, war unser Überleben, vor allem auch unser emotionales, abhängig von der Liebe unserer Bezugspersonen. Wenn man als Kind stark gemaßregelt wurde oder mit Sätzen wie „Sei still, brav und fleißig,“ stets dazu aufgefordert wurde, anders zu sein als man war, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man sich die Überanspassungs-Strategie schon damals aneignete.

Warum? Hätten wir immer ein Verhalten an den Tag gelegt, das von unseren Bezugspersonen zu 100% abgelehnt wurde, so fühlten wir uns auch selbst abgelehnt und dadurch getrennt von der so lebensnotwendigen Zuneigung unserer Vertrauenspersonen.

Kurzum: Der Grund für Überanpassung ist heute, so wie früher, die Angst vor Ablehnung.

Wozu führt Überanpassung im Erwachsenenalter?

Überanpassung wird vor allem in Beziehung, egal welcher Art, schnell zum Problem. Wenn sich beispielsweise Caro und Peter kennenlernen und Caro von Anfang an danach strebt, so zu sein, wie es für Peter am attraktivsten und angenehmsten ist – so verliebt sich Peter natürlich auch in diese liebe, immer brave, hilfsbereite und nette Caro.

Weil Caro sich aber fortwährend verstellt und das irgendwann anstrengend wird, beginnt sie folgende Gedanken zu hegen: „Wenn ich Peter sage, dass ich Skifahren eigentlich hasse, dass ich gar nicht so positiv bin, wie ich immer tue, dann wird er mich für schwach, unattraktiv und bedürftig halten. Wenn ich ihm sage, dass ich nicht fünf Mal in der Woche Fleisch essen möchte, dann wird er mich für kompliziert halten und mich ablehnen. Oder mich gar verlassen.“

Also unterlässt Caro es aus Angst vor Ablehnung lieber. Weil Caro nun die ganze Zeit eine Rolle spielt, beginnt Peter, diese Rolle zu lieben. „Das bin nicht ich,“ sagt Caros Unterbewusstsein und sie fühlt sich trotz Partnerschaft oft ungeliebt und einsam.

Gefahr bei Überanpassung

Sich ungeliebt zu fühlen, ist eigentlich schon Schmerz genug. Aber bei der Ausgleichsstrategie Überanpassung entstehen noch weitere Gefahren für den Betroffenen:

  • Da die eigenen Bedürfnisse und die Wertschätzung des wahren Selbst nicht stattfinden, fühlst du dich oft ausgenutzt und ausgelaugt.
  • Da du denkst, du bist auf diesen Menschen angewiesen, blendest du alles Negative aus und wirst so zum perfekten Opfer von narzisstischen Personen.
  • Du ziehst Menschen, die dich entwerten, förmlich an. Dein Selbstwert sinkt in den Boden. Ein ständiges Gefühl, wert- oder nutzlos zu sein, liegt schwer auf deinem Herzen.
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Ständige Entwertung, schlechte Behandlung und zu wenig Aufmerksamkeit führen zu Gefühlen wie Wut, Ärger oder gar Hass. Das führt dann zum Beispiel in Caros Fall dazu, dass sie die Gefühle runterschluckt, da sie davon ausgeht, dass wenn sie die Gefühle auslebt, Ablehnung die Folge sein wird. Ungelebte Gefühle verschwinden aber nicht, sondern werden zu einer seelischen oder gar körperlichen Last. Im Worstcase führt das zu Krankheit.

4 Lösungsansätze

Ich denke, wir haben verstanden und erkannt, warum es wichtig ist, die Überanpassung endlich loszulassen. Aber wie gelingt das?

1. Kommuniziere regelmäßig mit deinem wahren Selbst

Gerade am Anfang kann das anstrengend sein, weil du vielleicht gar nicht mehr weißt, wie dein wahres Selbst wirklich ist. Die folgenden Fragen können helfen:

Wenn mich die Menschen, egal was ich mache, bejubeln würden…

  • was würde ich dann tun?
  • welche Wünsche würde ich mir erfüllen?
  • welche Charaktereigenschaften leben?
  • Und was würde ich bestimmt nicht mehr tun?

2. Entlarve die Überanpassung

Frag dich offen und ehrlich: Was tue ich nur aus Angst vor Konflikten und Ablehnung? Notiere deine Antworten und ergänze sie, wenn dir im Alltag bewusst wird, dass du gerade etwas nur wegen deines Harmoniestrebens oder der Angst vor Ablehnung tust.

3. Lerne Grenzen zu setzen

In diesem Blogbeitrag bzw. Podcast gibt es viele praktische Tipps dazu.

4. Stärke dein Selbstwertgefühl

Wenn du unter Überanpassung leidest, dann versuchst du dir von anderen eine Bestätigung zu holen, die lautet – ich bin gut und wertvoll, so, wie ich bin. Das tust du vor allem deshalb, weil du dich selbst nicht für wertvoll empfindest. Aber auch in dir liegt die Fähigkeit, dich selbst wertschätzen und lieben zu lernen. Ein starker Selbstwert ist unser mentales Immunsystem, das uns vor Überanpassung, Harmoniesucht und Verlustangst schützt.

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Herzlich, deine Melanie

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