Warum dein inneres Kind in deinem Partner seine Eltern sucht und findet

Dein inneres Kind will in der erwachsenen Beziehung Heilung finden

Im Verlauf unseres Lebens begegnen wir vielen Menschen. Einige davon werden zu Freunden, Liebhabern oder zu Lebenspartnern. Natürlich gibt es viele Gründe, die bei der Wahl unserer Herzensmenschen eine Rolle spielen, aber einer der zentralsten ist unser inneres Kind, das insbesondere bei der Wahl des Lebenspartners, sehr oft den Ton angibt.

Um diesen Mechanismus zu erläutern, ist es wesentlich zu verstehen, dass unser Unterbewusstsein unser Leben lang darauf drängt, die schmerzhaften Erfahrungen, die wir als Kind nicht verarbeiten konnten, nochmal zu erleben. Und zwar nicht, damit wir wieder stolpern und erneut unsere Wunden lecken, sondern um endlich zu einem Happy End zu finden. Das innere Kind erlebt unsere erwachsene Partnerschaft wie damals die Beziehung zu Mutter und Vater. Kein Wunder, schließlich stand uns seit ihnen noch nie jemand so nahe wie unser Lebenspartner. All das, was das Kind damals nicht erhalten hat und all das, was damals schief lief, erhofft es sich nun erfahren zu dürfen.

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Das innere Kind sucht nach Mama und Papa

So kommt es, dass unser inneres Kind bei der Wahl unseres Lebenspartners ein nicht zu unterschätzendes Mitspracherecht hat. Es will ja schließlich die Beziehung zu den Eltern heilen und das geht nur, wenn die Eltern in irgendeiner Form anwesend sind. Daher fühlt es sich zu Menschen, die der Mutter oder dem Vater ähneln, stark hingezogen.

Inneres Kind träumt von Harmonie

Es gibt aber auch Ausnahmen. Wenn wir das Verhalten unserer Eltern rationell stark ablehnen, dann geschieht es häufig, dass wir mit Hochdruck einen Partner suchen, der das genaue Gegenteil unserer Eltern verkörpert. Aber auch dann sind wir nicht davor gefeit, dass sich der Partner nach der ersten Verliebtheitsphase plötzlich, was sein Verhalten betrifft, doch in eines unserer Elternteile verwandelt.

Anzeichen, wenn das innere Kind die Partnerwahl trifft

Um das Ganze greifbarer zu machen, möchte ich dir anhand von ein paar Beispielen erläutern, was es bedeutet, wenn das innere Kind unseren Partner mit auswählt. Vielleicht kommt dir eines dieser Anzeichen bekannt vor:

  • Wir geraten immer wieder an Partner, die ähnlich untreu, hart, kühl oder cholerisch sind wie es unser Vater oder unsere Mutter waren.
  • Wir erleben in unserer Beziehung die Ehe unserer Eltern nach. Dabei verwandelt sich der Partner in seinem Verhalten in eines unserer Elternteile und wir nehmen beinahe automatisch das des anderen Elternteils ein. Auch, wenn wir niemals so werden wollten.
  • Wir übernehmen immer wieder die Verantwortung in der Partnerschaft, obwohl wir uns eigentlich fallen lassen wollten. Ein ähnliches Muster kennen wir womöglich aus der Kindheit, in der uns viel zu früh die Verantwortung für uns selbst und/oder unsere Geschwister übertragen wurde.
  • Wir wählen einen Partner, der uns mit all seiner Fürsorge und Liebe überhäuft, so aber unsere Eigenverantwortung einschränkt – ähnlich wie es Mutter oder Vater vielleicht in der Kindheit getan haben.
  • Wir werden immer wieder vom Partner unsere Wahl abgelehnt, ignoriert oder alleingelassen, ähnlich wie uns vielleicht die Mutter in der Kindheit viel zu früh emotional oder physisch alleine gelassen oder uns der Vater mit mangelnder Aufmerksamkeit bestraft hat.
  • Wir geraten an einen Partner, für den wir nie an erster Stelle stehen. Ähnlich wie in der Kindheit als der Vater oder die Mutter der kleinen Schwester oder dem großen Bruder stets mehr Aufmerksamkeit schenkte.

Diese Beispiele ließen sich noch zahlreich fortführen. Aber vermutlich hast du auch schon eine wage Ahnung davon, was dein Partner oder deine ehemaligen Lebensgefährten mit deiner Mutter oder deinem Vater gemein haben könnten.

Ist das innere Kind ein guter Ratgeber bei der Partnerwahl?

Vielleicht fragst du dich nun, ob es falsch ist, dass dein inneres Kind den Partner wählt. Oder du fragst dich wie du es dem inneren Kind ermöglichen kannst, in deiner Partnerschaft heil zu werden, damit auch du endlich frei wirst von den stetig selben Konflikten, Enttäuschungen und Kränkungen. Auf beide Fragen möchte ich dir Antworten geben.

1. Ist es richtig, dass mein inneres Kind meine Partnerwahl trifft?

Im Prinzip ja, denn das innere Kind zeigt dir so den Weg der Heilung und der führt oftmals fast immer über den Schmerz. Auf der anderen Seite kann es dir aber auch dabei helfen, zu erkennen, dass du jetzt damit aufhören darfst den Schmerz stetig zu wiederholen.  

Unser inneres Kind will den Partner verwandeln
Inneres Kind wünscht sich etwas

Eines sollte dir dabei bewusst sein. Dein inneres Kind will den auserwählten Partner, der Mama oder Papa spiegelt, verändern. Es möchte den Betrüger zum sanftmütigen, treuen Ehemann machen. Es will den Unabhängigen zum heimeligen Versorger verwandeln. Es möchte den Unnahbaren zu einem Kuschelmonster verändern. All das ist Utopie. Die Utopie eines Kindes. So sehr sich das innere Kind diese Art der Heilung und des Happy Ends auch wünscht. Sie wird nicht in Erfüllung gehen. Manchmal hilft bereits diese Erkenntnis bei der grundlegenden Partnerwahl.

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2. Du steckst längst in einer Partnerschaft – das innere Kind weist dir den Weg zur Heilung

Ist es nun aber so, dass aus Verliebtheit schon Liebe geworden ist und erst dann die Züge von Mutter und Vater im Partner erstmals zum Vorschein kamen, so ist das kein Grund, um davon zu laufen. Im Gegenteil – es ist eine Chance auf Heilung.

Dein Partner ist also ganz und gar nicht der falsche, wenn er Verhaltensweisen deiner Eltern spiegelt. Er zeigt dir dadurch, wo es deinem inneren Kind noch immer an Liebe, Trost und Annahme fehlt. Allerdings ist er nicht dafür verantwortlich dir das Happy End, auf das dein inneres Kind mit seinen Eltern hofft, zu bescheren. Das nämlich kannst du nur du, indem du hinsiehst, verstehst, fühlst und dich dem verletzen Kind annimmst. 

Schritte für den Umgang mit dem inneren Kind in der Partnerschaft

Anhand der folgenden Schritte möchte ich dir einen kleinen Leitfaden geben, der dir helfen kann, dich dem verletzen inneren Kind anzunehmen.  

1. Versuche dir bewusst zu machen, welches Verhalten, das du aus deiner Kindheit durch deine Eltern kennst, dein Partner spiegelt. Meist ist es nicht schwer dies zu erkennen, da es sich dabei um wunde Punkte, die der Partner immer wieder trifft, handelt. Reflektiere, wo du durch deinen Partner immer wieder ähnlichen Schmerz, Wut oder Kränkungen wie in deiner Kindheit erfährst.

2. Versuche das Verhalten deines Partners dem entsprechenden Elternteil zuzuordnen. Es wäre auch möglich, dass er das Verhalten einer anderen, dir in der Kindheit nahestehenden Person, spiegelt.

3. Nun schlüpfe ganz bewusst in dein Erwachsenes-Ich, nimm das innere Kind an der Hand und sag ihm klipp und klar: „Damals war damals. Heute ist heute. Er oder sie ist nicht Mama oder Papa.“

4. Wende dich dem inneren Kind erneut zu und frage es, was es braucht, um die Verletzung von damals zu heilen. Vielleicht ist es Liebe, eine Umarmung, Trost, Zuspruch… Gib dem Kind in deiner Vorstellung, was es braucht. Sei zärtlich, liebe- und verständnisvoll. Sprich mit ihm, hör ihm zu, schenk ihm all deine Aufmerksamkeit. Vertiefend empfehle ich dir eine Reise zu deinem inneren Kind. Hier findest du eine Anleitung dazu. Heile dein inneres Kind – Zum BlogbeitragPodcast Nr. 6

5. Jedes Mal, wenn sich das innere Kind bei einem Konflikt mit deinem Partner wieder zeigt, hast du die Möglichkeit ganz bewusst aus der Rolle des Kindes auszusteigen und in die Rolle des Erwachsenen zu schlüpfen. Atme dazu einmal tief durch, streichle dem Kind liebevoll über dem Kopf und sag ihm: „Das hat nichts mit dir zu tun.“ Natürlich gelingt das nicht immer und vor allem nicht sofort. Hab daher liebevolle Geduld mit dir und deinem inneren Kind.  

Positive Anteile von Mutter und Vater

Der Partner kann im Übrigen auch positive Teile von Mutter und Vater widerspiegeln. Auch hier empfiehlt es sich einmal bewusst zu reflektieren. Was an ihm oder ihr liebe ich und was liebt vielleicht mein inneres Kind? Obwohl dein inneres Kind mit seinen Wünschen immer wieder zu Vorschein kommen darf, ist es wesentlich, dass dein erwachsenen Selbst in deiner erwachsenen Liebesbeziehung den Ton angibt.

Weiterführende Podcast Blogbeiträge zu diesem Thema:

Ich wünsche dir heilsame Erkenntnisse, von Herzen, deine Melanie

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2 Kommentare

  1. Hallo Melanie,
    ich finde deine Beiträge und Potcasts ganz wunderbar und habe sie auch schon weiterempfohlen. Heute stellte ich mir allerdings folgende Frage. Wenn mein Partner mir Dinge aufzeigt die geheilt werden müssen aber mich die Dinge in meinen Werten verletzen, was heißt das am Ende für mich. Habe ich unbewusst dazu beigetragen? Macht es dann Sinn bei solch einem Menschen zu bleiben? Kurz worauf ich hinaus möchte. Meine Eltern waren keine guten Vorbilder. Meine Ma ging regelmäßig fremd, war stets neidisch auf andere, keiner konnte ihr etwas recht machen. Sie war immer am diskutieren und auch recht laut. Mein Vater war dann passiv aggressiv. Er ist angeblich mit der Schwester meiner Mutter fremdgegangen. Wie ein schlechter Film. Bei all meinen Beziehungen endete es auf Grund von anderen Frauen. Mein Ex-Mann hat mich mit meiner Cousine betrogen. Mein Exfreund schrieb meiner Schwester sehr anzügliche Nachrichten über einen langen Zeitraum. Ich wurde beide Male von meinem Partner und Teilen der Familie hintergangen und verletzt . Das war sehr schmerzhaft. Insbesondere weil mein Exfreund meine Geschichte kannte. Mein Exfreund, der damals ebenfalls sehr laut und unfaire, verfettende Dinge sagte, möchte unbedingt zurück. Ich kann einfach nicht glauben, dass ein Mensch wirklich seinen Charakter ändern kann. Auch ich habe die Erfahrung gemacht … je nach dem, auf wen ich treffe reagiere ich wie der andere Part meines Elternteils. Wie komme ich aus dem Hamsterrad und kann zukünftig gute Beziehungen leben?! Liebe Grüße Caroline

    • Liebe Caroline!
      Leider kann ich dir da kein Patentrezept für eine Lösung geben. Bewusstsein ist wie immer der erste Schritt. Das machst du schon sehr gut. Ein Impuls: Ist es möglich, dass unbewusst diesbezüglich noch Glaubenssätze in dir schlummern, die dich in genau jene Situationen führen? Wie sieht es mit der inneren Kind-Arbeit aus. Wie weit bist du da schon gekommen? Ich denke diese beiden Felder könnten dir vielleicht eine Erleichterung erschaffen. Natürlich ist das ein längerer Weg und ein Prozess.
      herzlich, deine Melanie

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