Deine Wurzeln: Warum es wichtig ist, zu wissen, woher du kommst

Wieso in der Vergangenheit kramen?

Schließlich findet das Leben im Hier und Jetzt statt. Zig Bücher, Psychologen und Mentaltrainer bestätigen, dass Achtsamkeit in der Gegenwart eine der größten Glücksquellen ist. Und auch ich schließe mich dieser Meinung an. Aber ein Blick in den Rückspiegel, vor allem dorthin, wo deine Geschichte einst begann, ist dennoch überaus hilfreich.

Das Bewusstsein über unsere Wurzeln und deren Auswirkungen in der Gegenwart kann uns vor wiederkehrenden Problemen und Selbstzweifeln befreien. Studien belegen außerdem, dass Menschen, die ihren Ursprung kennen und verstehen selbstbewusster und lebensfroher sind.

Woher kommst du?

Die meisten Menschen antworten auf diese Frage mit der Nennung ihres Geburtsortes. Tatsächlich spielt dieser, wenn es um unsere Wurzeln geht eine Rolle. Aber vor allem ist unsere Ursprungsfamilie wesentlich für das Verständnis unserer Wurzeln. Damit einhergehend ebenso relevant sind die sozialen Verhältnisse in denen wir lebten. Zum Beispiel:

  • Bildungsmöglichkeiten
  • finanzielle Situation (Armut, Wohlstand)
  • das persönliche Umfeld (bzw. das soziale Netzwerk der Eltern)
  • Überzeugungen und Erwartungen von Schlüsselpersonen (Eltern, Großeltern, Lehrer…)
  • Angelernte Gesetze, wie beispielsweise „über Gefühle spricht man nicht“ – „Geld ist schmutzig“ oder „ein Indianer kennt keinen Schmerz.“
  • Religion und Kultur
  • Gelehrte Werte (Familie, Bindungsfähigkeit, Ehrgeiz, Verantwortungsbewusstsein, Offenheit, Selbstwert etc.)

Warum deine Wurzeln für eine großartige Lebensbiografie wichtig sind

Wer seine Vergangenheit und seine Wurzeln kennt, wird sich sehr schnell darüber im Klaren, warum er ist, wie er ist und wieso er gewisse Eigenheiten, Charakterzüge oder Glaubensmuster hat. Und genau dieses Wissen ist wesentlich für unseren gesamten Lebensweg. Denn wer nicht weiß, woher er kommt, tut sich schwer damit zu erkennen, wohin er will.

Wenn wir unseren Ursprung nicht kennen, fühlt sich das Leben oft wie ein Rätsel ohne Lösung an. Man hat das Gefühl im Dunkeln zu tappen und es fehlt einem an Klarheit, was die eigenen Lebensziele betrifft. Kurzum könnte man sagen: Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann sie hinter sich lassen und im vollen Bewusstsein neue Wege gehen.

Ein Leben ohne Wurzeln – die endlose Suche

Wie wichtig unser Ursprung ist, erkennen wir anhand von Findelkindern. Wurde ein Kind zur Adoption frei gegeben und erfährt es später davon, so beginnt an diesem Punkt meist die große Suche nach den eigenen Wurzeln. Manche suchen Jahrzehnte ihres Lebens nach ihren leiblichen Eltern. Und das, obwohl diese Findelkinder allen Grund dazu hätten wütend auf ihre Erzeuger zu sein. Aber der Drang, zu erfahren, woher sie kommen, ist größer. Warum?

Sie wollen wissen, wieso ihre Eltern sie nicht wollten. Sie brauchen Antworten um quälende Glaubenssätze wie – ich war nicht gut, schön oder liebenswert genug – endlich auflösen zu können und anschließend ihr Leben frei von emotionalen Lasten zu gestalten.

Und auch, wenn viele von uns glücklicherweise keine Findelkinder sind, brauchen wir alle diese Antworten. Denn bei fasten jedem von uns sind in der Kindheit schadhafte Überzeugungen entstanden. Damals wagten wir nicht an ihnen zu zweifeln. Nein, wir konnten es nicht. Wir waren nicht stark genug. Heute sind wir erwachsen und können uns mit einem Blick in die Vergangenheit viele Fragen, die uns sonst ein Leben lang plagen, beantworten.

Ein Blick in die Vergangenheit kann stark machen

Es gibt einen weiteren Grund, wieso der Blick zurück, wesentlich ist. Negative Erfahrungen erwecken häufig Stärken und Fähigkeiten in uns, die wir ohne unsere Wurzeln niemals entdeckt hätten.

Dazu fällt mir die Geschichte von Janic ein, der in einer Großfamilie mit acht Kindern aufwuchs. Finanziell hatte die Familie immer zu kämpfen, weswegen hart gearbeitet wurde und wenig Zeit für die Bedürfnisse der einzelnen Kinder blieb. Im Mittelpunkt stand Janic daher als Sandwich Kind, so gut wie nie. Weder genoss er die Gunst des Nesthäkchens noch war er jemals der Erste, der ein neues Lebenskapitel aufschlug. Um Aufmerksamkeit musste er daher ständig kämpfen.

Auch interessant:  Alleinsein - Entdecke deine innere Glücksquelle!

Diese schwierigen Bedingungen entfachten in Janic einen außergewöhnlichen Ehrgeiz und Kampfgeist. Er war es gewohnt an sich selbst zu glauben auch wenn niemand sonst an ihn glaubte. Durch diese Lebenseinstellung baute sich Janic schließlich sein Traumleben auf.

Heute ist er Manager bei einem etablierten Konzern und leitet mehr als 200 Mitarbeiter. Auch den Traum vom eigenen Haus und einer glücklichen Familie hat er sich erfüllt. In seiner Ehefrau hat er einen Menschen gefunden, der ihn genau so sieht, wie er ist. Widerstandsfähig, lebensfroh, erfolgreich und liebenswert. „Ohne meine Wurzeln wäre ich niemals so weit gekommen,“ sagt Janic heute.

Eine schwierige Vergangenheit?

Vielleicht verbergen auch deine Wurzeln die ein oder andere Schwierigkeit, die du dir gerne erspart hättest. Aber womöglich hast du genau durch diese bestimmte Fähigkeiten erlernt oder Charakterzüge entwickelt. Wage einen Blick in den Rückspiegel und erfahre mehr über deine Herkunft, um anschließend gestärkt, mit neuem Mut und mehr Klarheit in deine Zukunft schreiten zu können.

Mach‘ dir deine Wurzeln bewusst

Die folgenden Fragen können dich dabei unterstützen dich besser mit deinen Wurzeln zu identifizieren, Altlasten zu verstehen, endlich loszulassen und neue Erkenntnisse für deine Zukunft zu gewinnen.

  • Stell dir vor, deine Eltern hätten dich bewusst als ihr Kind ausgesucht? Welche Gründe könnte es dafür geben?
  • Wer sind deine Eltern? Was mochtest/magst und schätzt du an ihnen? Was nicht?
  • Wo ähnelst du deinen Eltern? Oder deinen Geschwistern? Und ist das gut oder nicht?
  • Welche Fehler haben deine Eltern gemacht, die du keinesfalls wiederholen möchtest? Was willst du ganz bewusst anders machen als sie?
  • Welche Überzeugungen hat deine Ursprungsfamilie dir mitgegeben? Welche davon sind hilfreich und welche eher schadhaft?
  • In welchen Bereichen haben dich deine Wurzeln am meisten geprägt?
  • Wofür bist du deinen Wurzeln, deiner Herkunft und deiner Ursprungsfamilie dankbar?
  • Welche Fähigkeiten und Eigenschaften hat deine Kindheit bzw. deine Ursprungsfamilie in dir erweckt?

Habe stets ein offenes Ohr für deine Vergangenheit, ein Auge für deine Zukunft und ein Lächeln für den Augenblick. Alles Liebe, deine Melanie

* Werbung

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Twitter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

9 Kommentare

  1. Ich kenne diese Idee von wegen die Kinder hätten sich die Eltern ausgesucht auch umgekehrt. Ich wurde einmal vor langen Jahren gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, ich hätte mir meine Eltern ausgesucht. Ich habe spontan bejaht.

    Was das Verhältnis zu den Eltern betrifft bzw. ob man etwas so machen möchte – oder auch nicht, wie es die eigenen Eltern gemacht haben: Ich habe als junge Erwachsene meiner Mutter vieles nachgetragen, nicht verstanden, Wut auf sie. Aber irgendwann einmal – auch dank eines Buches von Louise Hay (Wahre Kraft kommt von innen) – bin ich drauf gekommen, dass sie ihr Bestes gegeben hat. Manchmal war sie eben überfordert oder wusste es nicht besser. Seither geht es mir besser und wir haben eine wunderbare, respektvolle Freundschaft aufbauen können.

    Bei meinen eigenen Kindern habe ich mir die Frage, ob ich es so machen möchte wie sie – oder eben nicht – nie gestellt. Dafür habe ich mich immer wieder selber dabei ertappt, es nachzumachen und war erstaunt, wie tief die Muster sitzen. So gesehen ist die Frage ohnehin, inwiefern es eine bewusste Entscheidung ist, es den Eltern nachzumachen.

    • Liebe Gisela!
      Zu verstehen woher man kommt und welche Muster man durch seine Wurzeln auferlegt bekam, soll natürlich nicht im geringsten etwas mit Schuldzuweisung an die Eltern zu tun haben. Denn, dass unsere Eltern, wie auch wir als Eltern immer versuchen das Beste zu geben, steht außer Frage. Wir alle können nur aus unserem eigenen selbst handeln.
      Dennoch macht die bewusste Reflexion seiner selbst mit seinen Wurzeln Sinn. Und sei es auch nur, um bewusst zu entscheiden: Ja, ich mache dieses oder jenes genauso, wie meine Eltern. Weil ich es will!
      lieben Gruß und danke für deine interessanten Anregungen.

  2. Ich denke dabei oft an den Ausspruch „es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit“. Erst wenn wir uns mit unserer Vergangenheit versöhnen, sind wir frei für den Weg in unsere Zukunft. Das ist oft unglaublich schwer und doch so wichtig. Danke für diesen Impuls.

    • Lieber Jean-Christoph!
      Danke auch für deinen Impuls! „Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit,“ ist eines der lehrreichsten Bücher, die ich je gelesen habe. Danke für den Reminder. Ich werde es wieder einmal auspacken.
      liebe Grüße Melanie

  3. Hallo Melanie,

    ich bin erst seit kurzem Leser deiner Beiträge.
    Der erste Beitrag war „Wie gehts Dir? Notlüge.“ Er sprach mir aus der Seele.
    Auch dieser Beitrag ist gut und wichtig!
    Vorgestern war ich bei meiner 88jährigen Oma. Im Gespräch sagte sie irgendwann „Ja ja das Leben ist schwer.“ Genau diesen Mist habe als Kind eingeimpft bekommen. Toller Glaubenssatz ne?
    Ein weiterer toller Glaubenssatz bzw. eine stille, gesellschaftliche Vereinbarungen ist „Männer dürfen nicht weinen, müssen hart sein.“ Und was sehen wir heute auf den Straßen umher laufen? Männer egal welchen Alters mit traurigem, versteinertem oder wütendem Gesicht – es ist das innere Kind welches wir dort sehen, welches früh sein Herz verschlossen hat und nie weinen durfte. Zum ko****! Verzeih mir diesen Ausdruck aber dieses Thema bewegt mich sehr.
    Lieben Gruß
    M.A.

    • Lieber Mario!
      Erstmals herzlichen Dank für deine Offenheit. Mit deinem Erlebten, so glaube ich sprichst du vielen Menschen aus der Seele. Leider sind in der Kindheit angeeignete Glaubenssätze viel mehr als nur kleine Störenfriede. Sie steuern unser Leben und verweigern uns oftmals die Chance auf wahres Glück.
      Dennoch verstehe ich es als Geschenk, dass immer mehr Menschen – sowie auch du – sich bewusst damit auseinander setzen. Denn das, so glaube ich, ist die einzige Möglichkeit hinderliche Überzeugungen aufzuspüren und Schritt für Schritt loszulassen.

    • Liebe Melanie,
      bis auf das Weglassen des kleinen Buchstaben „s“ am Ende meines Namens, stimme ich dir in Allem zu. Tatsächlich gibt es neben Mario, Marion, Marius auch noch andere Möglichkeiten. 😉

      Lieben Gruß

    • Danke fürs aufmerksam machen. Ging aus deiner E-Mail Adresse nicht ganz hervor – wo dein Vorname endet und dein Nachname anfängt. Jetzt weiß ich bescheid Marios 🙂

    • Vielen Dank Melanie. So lange ich denken kann sorgt mein Vorname für Verwirrung. Die Menschen glauben einfach nicht das er richtig sein kann, ist er aber und das ist gut so.

      Lieben Gruß
      Marios

Schreibe einen Kommentar