Immer wieder dasselbe Problem? Wie du es durch einen Perspektivenwechsel lösen kannst

Eine Situation vier Perspektiven

Clara: „Als ich Peter vor ein paar Wochen bei unserem Betriebsausflug näher kennen lernte, funkte es sofort zwischen uns. Peter sandte von Anfang an eindeutige Signale aus und auch ich konnte mich nur schwer zurück halten.“

Peter: „Als ich beim Betriebsausflug notgedrungen am Tisch unserer Buchhalterinnen landete, war ich anfangs gar nicht begeistert. Clara und Sandra aber involvierten mich schließlich in eine angenehme Unterhaltung. Als sich die Veranstaltung auflöste, spazierte ich mit Sandra noch eine ganze Weile durch die Gassen und wir unterhielten uns über Gott und die Welt. Nun hoffe ich sie bald wieder zu treffen.“

Sandra: „Clara und ich hatten beim Betriebsausflug einmal wieder richtig Spaß. Nicht zuletzt weil der charmante Peter uns Gesellschaft leistete. Natürlich trumpfte Clara dabei wieder mit ihrem tollen Lachen und ihrem Selbstbewusstsein auf. Ich vermute zwischen den beiden bahnt sich etwas an.“

Dirk: „Ein Betriebsausflug dient dazu den Zusammenhalt im Team zu stärken. Dass Peter sich seinem Team einfach abgewandt hat, um anschließend den Buchhalterinnen schöne Augen zu machen, finde ich respektlos.“

Millionen an Wahrheiten – Eine Frage der Perspektive

„Ich sehe was, was du nicht siehst!“ Ein bekanntes Spiel mit dem Kinder gerne die Langeweile vertreiben, zeigt uns, dass wir in jedem Moment mit einer Vielzahl an Informationen konfrontiert sind. Nur einen Bruchteil davon nehmen wir bewusst wahr. Und so kommt es dann häufig vor, dass wir eine Situation gemeinsam erleben, aber wir diese völlig unterschiedlich wahrnehmen. Das Beispiel von Clara, Peter, Sandra und Dirk beschreibt dieses Phänomen in der Praxis.

Oft blicken wir dann aus unserer Perspektive heraus auf die Welt und verstehen nicht, warum andere Menschen bestimmte Dinge sehen, Meinungen haben oder behaupten sie würden die Wahrheit sagen, obwohl wir davon überzeugt sind, dass sie lügen. Die Folge davon sind Konflikte, Missverständnisse oder Streitereien.

Warum sehe ich die Welt anders als du?

Was zu uns durchdringt, sprich welche Wahrheit wir sehen, bestimmt unser Filter. Dieser setzt sich aus bisher Erlebtem, unseren Überzeugungen und Prägungen, sowie unseren persönlichen Bedürfnissen zusammen.

Zusätzlich spielt die Fähigkeit der Empathie eine wesentliche Rolle. Empathische Menschen können sich rasch in andere hineinversetzen und die Welt aus ihren Augen betrachten. Dadurch gelangen sie zu erweiterten Perspektiven und erkennen so schnell, dass es verschiedene Aspekte einer Situation und somit keine einzig wahre Wahrheit gibt.

Die Perspektive wechseln – Das bringt´s

Warum es sich lohnt die Vielfalt der Wahrheit entdecken zu lernen, erläutere ich in den folgenden Punkten:

  • Wer regelmäßig die Perspektive wechselt, ist in der Lage zwischenmenschliche Probleme rascher und harmonischer zu lösen. Anstatt dass er das Problem nur aus der eigenen Spielfeldhälfte betrachtet und sein Gegenüber dadurch unausweichlich zum Gegner wird, wechselt er das Spielfeld um sich neben seinen Konfliktpartner zu stellen. Kurzum: Durch einen Perspektivenwechsel machen wir potentielle Gegner, wie beispielsweise den Partner bei einem Streit, zum Teamkollegen.
  • Wer die Perspektive wechseln kann, ist ehrlicher zu sich selbst. Er gesteht sich Fehler ein, wächst an ihnen und entwickelt sich dadurch stetig weiter. In der Regel nehmen wir solche Menschen als besonders feinfühlig und sozial kompetent wahr.
  • Die Fähigkeit verschiedene Perspektiven einzunehmen, unterstützt auch im Umgang mit Verletzungen und Kränkungen. Das Erlebte kann schneller angenommen, verziehen oder abgeschlossen werden, weil die Beweggründe des anderen verstanden und somit offene Fragen beantwortet werden. Außerdem führt ein Perspektivenwechsel häufig dazu, dass wir Dinge nicht mehr so persönlich nehmen.
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Methode: Die heilsame Kraft des Perspektivenwechsels

Die folgende Übung kann dich dabei unterstützen Konflikte zu lösen, Verletzungen zu heilen oder neue Ideen für chronische Probleme zu generieren. Am besten wählst du dazu eine der folgenden Situationen:

Ein zwischenmenschliches Problem bzw. einen Konflikt, den du unlängst hattest bzw. noch hast. Oder eine Meinung, die du nicht nachvollziehen kannst. Oder eine Situation, in der du dich ungerecht behandelt, gekränkt oder verletzt gefühlt hast.

  • Nimm ein Blatt Papier zur Hand und male einen Kreis für jede Person, die in der von dir bestimmten Situation eine Rolle spielt, auf. Plus einen großen Kreis über euch.
  • Ein Kreis steht für deine Perspektive, jeweils einer für deinen bzw. deine Konfliktpartner und der große Kreis darüber für die neutrale Perspektive. Beschrifte die Kreise demnach.
  • Beginne mit deiner Perspektive. Welche Gedanken und Überzeugungen dominieren sie?
  • Nun stell dir vor, du bist eine neutrale Person. Nimm dazu die Perspektive über euch, sprich die Metaebene, ein. Was siehst du von hier aus? Was ist in der Situation passiert? Wie kam es zum Konflikt? Versuche nicht zu werten und alle Konfliktparteien gleichermaßen fair zu beobachten.
  • Anschließend begibst du dich in die Perspektive deines/r Konfliktpartner/s und versuchst nach zu spüren, was ihn/sie zu seiner/ihrer Wahrheit geführt hat. Welche Erfahrungen, welche Gedanken und Argumente? Stell dir vor du bist er/sie und frage dich auch, wie er/sie dich aus seiner/ihrer Perspektive aus wahrnimmt bzw. wahrnehmen.

Output: Perspektive wechseln

Eine neue Perspektive führt fast immer zu „neuen“ bzw. anderen Antworten als bisher. Dadurch können selbst chronische Probleme leichter gelöst werden. Außerdem führt sie auch zu mehr Verständnis, was in Bezug auf Vergangenes oft heilsame Gefühle mit sich bringt. Zusätzlich liefert sie Hinweise für innovative Lösungen oder dafür, wie du ein zielführendes Gespräch mit deinem Konfliktpartner führen kannst.

Die Fähigkeit des Perspektivenwechsels automatisiert sich durch die Wiederholung der Übung. Nach einigen Malen wirst du bemerken, dass diese Fähigkeit auch im Alltag ein hilfreiche Begleiter ist.

Viel Erfolg beim Ausprobieren, deine Melanie

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Ein Kommentar

  1. Ein klasse Artikel! Ein häufig schwieriges Thema, weil sich jedermann/frau gerne auf den Schlipps getreten fühlt, wenn mann ihn auf seine einseitige Betrachtung einer Angelegenheit anspricht – sehr einfach und charmant erläutert, so dass der Leser es auf Anhieb annehmen kann. Gute Leistung!

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