Ich kaufe nichts – Die Shopping Diät

Shopping Diät – Leben ohne einkaufen

Caroline ist zweifache Mutter und eine Spezialistin, was nachhaltige Diäten betrifft. Abgesehen von ihrem Beruf, der sich ganz um das körperliche Entschlacken dreht, fastet Caroline auch, was das Shoppen betrifft. Seit einem Jahr hat sie kein Kleidungsstück mehr gekauft. Und auch sonst kauft Caroline nur ein, wenn es unumgänglich. Welcher Schicksalsschlag Caroline auf diesen minimalistischen Weg führte und wie sich ihre Lebensart mit zwei kleinen Kindern vertragt, verratet sie im Interview.

Liebe Caroline! Du behauptest selbst, dass du noch vor ein paar Jahren eine richtige „Tussi“ warst. Wie kam es dann zur Shopping Diät?

Mein Leben hat sich das erste Mal komplett umgestellt als mein erster Sohn vor vier Jahren mit einem Gendefekt auf die Welt kam. Die Ärzte haben mir damals versichert, dass ich nie wieder ein normales Leben führen werde. Unser ganzer Alltag drehte sich nur mehr um die Krankheit. Wenn man um das Überleben des eignen Kindes kämpft, werden materielle Dinge sehr nebensächlich.

Dieses Einstellung hat sich in meinem Leben dann immer weiter ausgebreitet. Und so mache ich seither die Shopping Diät. Ich möchte die Zeit mit Tätigkeiten verbringen, die mir Spaß machen und nicht, wie früher immer mehr arbeiten um mir immer mehr Dinge zu kaufen, die ich eigentlich gar nicht brauche.

Du kaufst so gut wie gar keine Güter außer gelegentlich Lebensmittel. Wie sieht das in Praxis aus? Was machst du, wenn du oder deine Kinder doch mal neue Kleidung brauchen?

Ich bin davon überzeugt, dass 90% aller Kleiderschränke so voll sind, dass man mindestens ein Jahr ohne einkaufen auskommen würde. Mit dem Einkaufen versuchen wir immer wieder kurzfristig einen inneren Mangel zu befriedigen und anderen Leuten zu gefallen.

Ich nähe vieles selbst. Dazu greife ich beispielsweise auf Kleidungsstücke zurück, die nicht mehr passen und verarbeite sie neu. Natürlich nimmt das im Durchschnitt mehr Zeit in Anspruch als ein Einkauf. Allerdings entsteht beim Tun selbst auch Freude.

Das einzige, was ich ab und an kaufen muss, sind Schuhe für meine Kinder. Da gibt es leider keine Alternativen. Außerdem dürfen sich meine Kinder natürlich zu speziellen Anlässen etwas wünschen. Ansonsten jedoch haben auch meine Kinder gelernt aus alt neu zu machen. Wir basteln Züge aus PET-Flaschen, kreieren Dekoration und haben auch schon einen Couchtisch selbst gebastelt. Die Kreativität kommt dabei nicht zu kurz.

Was hat sich in den letzten Jahren durch deine Shopping-Diät verändert? Welche Vorteile bringt diese Art der Diät mit sich?

Ich hinterfrage ganz genau was ich wirklich brauche, um glücklich zu sein. Ich lasse außer Acht, was die anderen wollen bzw. was die Medien uns vorgeben. Geld spielt seither eine weniger wichtigere Rolle in meinem Leben.

Außerdem erspare ich mir wertvolle Lebenszeit, die ich früher mit Shopping verbrachte. Das macht mich entspannter und zufriedener. Ich schätze die Dinge seither um ein Vielfaches mehr und lebe automatisch bewusster. Beispielsweise vermeide ich Plastik und versuche, wenn ich einkaufe, lediglich auf regionale Produkte zurück zugreifen.

Wie reagieren deine Familie und Freunde auf deine minimalistische Lebensart?

Wenn man ein Kind mit Behinderung hat, minimiert sich der Freundeskreis sehr schnell. Man kann nicht überall dabei sein, muss zu fixen Zeiten zu Hause sein, um die Therapien zu machen oder sagt oftmals kurzfristig wegen Krankheit ab. Viele verstehen das nicht und ich habe irgendwann aufgehört es zu erklären.

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Ähnlich ergeht es mir auch hinsichtlich meines Minimalismus. Ich habe akzeptiert, dass nicht jeder meine Beweggründe versteht und bekehre auch niemanden. Mein neues Bewusstsein hat aber auch dazu geführt, dass ich Menschen mit ähnlichen Interessen kennen gelernt habe. Und das ist schön.

Deine minimalistische Lebensweise spiegelt sich auch in deinem Beruf wieder. Du bietest Smoothie-Entschlackungskuren an. Inwiefern hilft dir das Entschlacken dabei auch mental los zu lassen?

Essen nimmt oft einen sehr großen Platz in unserem Leben ein. Die Frage, was koche ich heute? Überlegungen bezüglich gesunder Ernährung. Und die Zeit, die man für Einkäufe aufbringen muss.

Wenn ich ein paar Tage Smoothies trinke, brauche ich mir über das Essen keine Gedanken machen. Mein Kopf wird frei und der Körper darf loslassen, was er nicht mehr braucht. Zum Beispiel ein paar Kilos zu viel um die Hüften.

Das Resultat der Entschlackung hat außerdem angenehme Nebeneffekte. Das Selbstvertrauen wird wieder stärker und das Körpergefühl besser.

Außerhalb der Entschlackungszeiten gönne ich mir natürlich alles, was mir schmeckt. Auch das ist wichtig!

Welche Ideen bzw. ersten Schritte kannst du mitgeben, wenn jemand das Experiment Shopping Diät wagen möchte?

Viele kleine Schritte:

  • Nur ein Leiberl kaufen und nicht drei, weil sie gerade in Aktion sind.
  • Die zu enge Hose als Anlass nehmen sich bewusster zu ernähren und wieder Bewegung zu machen, anstatt eine neue zu kaufen.
  • Den Versuch starten einen Monat lang keine Utensilien außer Lebensmittel zu kaufen.
  • Immer öfter einfach mit den Lebensmitteln kochen, die man bereits zuhause hat, anstatt den Kühlschrankinhalt regelmäßig in den Müll zu werfen.
  • Vor jedem Kauf kurz inne halten und sich fragen: Gibt es eine Alternative ohne dabei Geld auszugeben?

Anfangs ist es eine Umstellung, aber dann macht es richtig Spaß!

Ich danke Caroline für ihre inspirierenden Antworten. Wer mehr über Caroline und ihre Entschlackung für Körper und Geist erfahren möchte, besucht sie am besten auf: www.brauchichs.at

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8 Kommentare

  1. Wirklich toll! Ich finde Caroline kann richtig stolz auf sich sein.
    Und es ist wahr. Manchmal kaufen wir ein obwohl wir gar nichts brauchen. Wenn ich dann so etwas lese merke ich das. Ich danke für die Tipps und werde den ganzen Sommer über versuchen etwas bescheidener zu leben. Das ist mein kleines Projekt 🙂
    LG Miriam

    • Liebe Miriam!

      Freut mich sehr, wenn ich dich inspirieren konnte und vielen Dank für das Kompliment… lass mich wissen, wie es dir geht mit der neuen Bescheidenheit…

      Alles Liebe caro

  2. „Ich möchte die Zeit mit Tätigkeiten verbringen, die mir Spaß machen und nicht, wie früher immer mehr arbeiten um mir immer mehr Dinge zu kaufen, die ich eigentlich gar nicht brauche.“ ist ein wirklich schöner Satz, den ich so nur unterstreichen kann.
    Seit ich minimalistischer lebe, ist mir erst bewusst geworden, wie wenig ich eigentlich im Leben brauche, und dass Gegenstände nicht alles sind. Ich finde es gut, dass immer mehr Menschen der Konsumgier den Rücken kehren und mehr über ihr eigenes Handeln und ihre Gewohnheiten nachdenken! 🙂 Beiträge wie diesen finde ich auch super inspirierend! Danke dafür!

    Liebe Grüße aus Wien,

    Jana von fraeuleinweber.com

    • Liebe Jana!
      Herzlichen Dank. Der von dir genannte Satz inspiriert mich ebenso sehr. Ich habe in den letzten Jahren gelernt, wie kostbar Zeit im Verhältnis zu Gütern sein kann. Genau diese Erkenntnis möchte ich nicht wieder missen. Sie macht das alltägliche Leben um so vieles leichter und lebenswerter.
      Herzlichen Gruß Melanie

  3. Wunderbarer Artikel. Besonders gefallen hat mir der Hinweis darauf, dass das Kaufen häufig nur eine innere Leere füllen soll.

    Eine Frage vor dem Kauf, die ich mir stets stelle ist: brauche ich das wirklich? Oder will ich es nur haben?

    Meine Schwäche sind Bücher. Auch hier hilft die Frage – und der Blick in die Bibliothek. Ich bin immer wieder erstaunt, welche fantastischen Bücher ich in der Tat dort finde.

    • Liebe Beate!
      Herzlichen Dank für deinen Kommentar. Wir haben wohl eine ähnliche Schwäche. Bei mir sind es auch die Bücher die meinen halben Hausrat einnehmen. lieben Gruß Melanie

  4. ….was für ein wundervoller Artikel. ….und er hat mich genau im richtigen Moment „erwischt“, zu einem Zeitpunkt, in dem ich sehr deutlich spüre, dass ich irgendwie nicht so weitermachen kann und will wie bisher. Mir war nur nicht so wirklich klar, WAS ich ändern muss/will/kann ….. ich werde den wohl noch öfter lesen und weiter auf mich wirken lassen, irgendwas passiert da nämlich in mir …..
    DANKE dir dafür.

    • Hallo Steffi!
      Danke dir ganz herzlich für deine persönlichen Worte. Es freut mich sich sehr, dass dich Carolines Lebensart und Weise zu Neuem inspiriert. Ich wünsche dir alles Liebe und viel Zeit für die freudvollen Dinge des Lebens.
      Melanie

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