Meine Schwester ist anders – Schockdiagnose Down Syndrom

Meine Schwester ist anders – aber wundervoll

Eva, Mutter und Bloggerin bei Lachmensch.de erläutert uns heute ihre Gedanken und Erfahrungen zum Thema Down Syndrom. Im Mittelpunkt dabei steht Evas 17-jährige Schwester Susanne, die zwar anders aber wundervoll ist. Die Liebe zu Ihrer Schewster bewegt Eva dazu für mehr Aufklärung sorgen zu wollen. Ich wünsche euch viele inspirierende Gedanken durch diesen Beitrag, der mich sehr berührt hat. Eure Melanie

Susanne Down SyndromMein Name ist Eva und ich erzähle euch von meiner Schwester, die ich über alles liebe. Sie hat das Down Syndrom. Grundsätzlich kann man nicht von DEM Menschen mit Trisomie 21/Down Syndrom sprechen. Diese Menschen sind genauso individuell und haben verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten, die ihr Leben prägen. Sie haben 47 Chromosomen anstatt, wie ich oder du, nur 46 Chromosomen. Meiner Meinung nach ist das, das einzige was sie von Normalos unterscheidet. Natürlich, viele brauchen Frühförderungen oder eine extra Betreuung, aber gibt es nicht auch unter Nicht-Down-Syndrom-Menschen, Leute, die eine gewisse Förderung oder Unterstützung brauchen?

Die meisten Downy-Menschen gehen zur Schule und erlernen einen Beruf. Es gibt sogar Downys, die studieren. Sie haben Beziehungen, Freundschaften und Lebensträume. Eben genau wie wir.

Trotzdem ist ein deutlicher Rückgang an Geburten bei Down Syndrom Diagnosen festzustellen. Die vorgeburtlichen Schwangerschaftsuntersuchungen wie z.B Pränataldiagnostik, werden immer mehr in Anspruch genommen. Das deutsche Down Syndrom Infocenter schätzt die Abbruchrate auf über 90 Prozent. Das stellt sofort das Lebensrecht von Menschen mit Down Syndrom zur Diskussion.

Meine Frage: Wieso haben diese Menschen kein Lebensrecht? Und haben wir das Recht dies zu entscheiden?

Wenn man der Natur freien Lauf lässt, arbeitet sie gegen die Gleichheit. Deshalb möchte Ich euch von meiner Schwester Susanne erzählen. Ich wüsste nicht, warum ihr meine Mama das Recht zu Leben hätte absprechen sollen. Ganz abgesehen davon, dass das gar nicht möglich gewesen wäre. Meine Mama hat nämlich keine Untersuchung machen lassen. Susanne hat sich ganz heimlich einfach eingeschlichen.

Mädchen mit Down SyndromSusanne ist 17 Jahre hat mittellanges, braunes Haar, liebt Musik, ihr eigenes Zimmer und möchte bald ausziehen. Sie hat einen Freund, macht Mädelsabende mit ihrer Freundin Paula und singt gerne vor Publikum. Sie hat Humor und oft ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich mit Mama streitet. Sie ist seit Juli Tante und das macht sie sehr stolz. Wenn ich sie zu mir einlade, gehen wir ins Kino und backen Pizza. Abends im Bett erzählt sie noch von ihrer Schulwoche. Sie geht zur Schule, macht Praktika und darf in ca. zwei Jahren arbeiten. Im Moment möchte sie gerne ausziehen und in einer Mädchen-WG wohnen. Sie will ihr eigenes, selbstständiges Leben führen. Arbeiten, sich mit Freunden treffen, einkaufen gehen, kochen und leben.

Auch interessant:  Journaling Anleitung: Wie du mit 10 Minuten täglich erstaunlich schnell dein Leben veränderst

Eine Frage, die mich sehr beschäftigt ist: Wieso werden immer noch so viele Downys abgetrieben?

  • Ist es die Angst vor dem Ungewissen?
  • Ist es weil die eigenen Vorstellungen und Erwartungen an das Kind nicht erfüllt werden?
  • Oder ist es die Ungewissheit, ob ein Leben mit einem behinderten Kind überhaupt zu möglich ist?

Ein behindertes Kind darf, rechtlich gesehen, bis kurz vor der Geburt abgetrieben werden, was dazu führt, dass noch immer 90% der Babys mit Down Syndrom abgetrieben werden. Ein rundum fertiges Baby wird einfach ausgelöscht, weil es nicht den Vorstellungen der Eltern entspricht. An dieser Stelle bitte ich euch alle – euch diesen Gedanken zu Herzen zu nehmen.

Ich bin der Meinung man sollte sich nicht darauf konzentrieren, was das Kind nicht können wird, sondern den Fokus darauf leben, was es können und lernen wird. Und das ist, mit der richtigen Förderung und Unterstützung, eine Menge.

Ihr seht ich kann meine Emotionen bei diesem Thema nicht ganz unter Kontrolle halten. Wenn ich Susanne so ansehe und wir uns über den Tag und ihre Vorstellungen von ihrer Zukunft unterhalten, bin ich glücklich. Ich bin glücklich, dass sie das Recht hat zu leben und es, soweit das möglich ist, nach ihren Vorstellungen gestalten kann.

Im Moment ist sie in der Pubertät und wie bei jedem anderen Kind werden endlose Diskussionen darüber geführt, was heute in die Schule angezogen wird oder, ob sie nun beim Spaziergang mitgehen muss oder nicht. Sie ist wie jedes andere Mädchen, nur eben mit einem Chromosom mehr. Sie ist eine Bereicherung für die ganze Familie, weil sie uns immer wieder zeigt, welche Werte wirklich wichtig sind: Liebe, Ehrlichkeit, Unvoreingenommenheit, Familie und Freundlichkeit. Ich danke ihr dafür.

Susanne Eva und ihre Geschwister
Susanne, Eva und ihre Brüder

Ob sie weiß, dass sie behindert ist? (oh wie ich dieses Wort hasse) Ob sie, weiß, dass sie anders ist, als der Durchschnittsbürger? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich jedem, dem ich begegne klar machen möchte, dassanders sein“ nichts Schlechtes ist. Es ist mutig und wertvoll anders zu sein und macht eine Gesellschaft bunt. Und brauchen wir nicht alle viel mehr Farbe in unserem Leben?

Auch interessant:  Honigperlen: Warum dein Leben süßer ist als du denkst

Alles Liebe Eure Eva

PS.: Hier gibt es noch einen wundervollen Kurzfilm von Eva über ihre Schwester und andere Downys: „Ich bin genau wie du“. 

PS.: Lust auf weitere Beiträge zum Thema Lebensfreude und Mentaltraining?

3 Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben. Vor allem der Punkt mit den Schwangerschaftsabbrüchen ist berührend.

    Menschen mit Down Syndrom werden leider unterschätzt und frühzeitig abgestempelt. Der Neurobiologe Gerald Hüther fragte einst Pädagogen auf einem Kongress, was in den letzten Jahrzehnten deren größte pädagogische Leistung war. Diese antworteten, dass die größte Herausforderung das Vorurteil gegenüber Menschen mit Down Syndrom neu zu definieren, da derartige Vorurteile ja auch in einer selbsterfüllenden Prophezeiung enden können.

    Heute machen viele ihre Matura und studieren – wie du schreibst. Andere haben ihr Studium sogar schon abgeschlossen.

    Danke für diesen Beitrag.

    liebe Grüße,

    Mario

    http://www.mental-blog.com – Mehr Raum für die Welt des menschlichen Geistes

  2. Liebe Eva!
    Das ist ein sehr interessanter Beitrag. Ich kenne einige Menschen mit Down Syndrom und muss sagen, dass diese sehr herzlich und lebensfroh sind. Anders aber wunderbar gefällt mir daher sehr gut.
    herzlichen Gruß

Schreibe einen Kommentar