Ein magisches Heilmittel für deine Seele – Vergebung

Die größten Missverständnisse beim Thema Vergebung

Weil es beim Thema Vergebung oft so viele Missverständnisse gibt, möchte ich gleich zu Beginn damit aufräumen.

  • Vergeben bedeutet nicht, dass wir demjenigen, der uns verletzt hat, Güte erweisen, sondern, es ist eine Entscheidung zu unserem eigenem Wohle – eine Entscheidung für unseren inneren Frieden.
  • Vergeben sollten wir also vor allem uns selbst zuliebe. Denn nicht derjenige, dem wir nicht vergeben, spürt den Groll, sondern wir selbst fühlen den Schmerz, der uns zugefügt wurde und die Wut über die Ungerechtigkeit immer wieder.
  • Vergebung ist keine Schwäche, sondern eine Stärke und ein Akt der Selbstliebe.

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Vergebung ist das neu entdeckte Heilmittel der Seele

Tatsächlich gibt es sogar Forschungsberichte, die die schmerzlindernde Wirkung von Vergebungsritualen bestätigen. Aber warum ist Selbst- oder Fremdvergebung so heilsam?

Bildlich kann man sich das Vergeben so vorstellen, als würde man einen Stachel, der sich seit Jahren in unsere Haut gebohrt hat, lösen. Nur so kann die Wunde, die uns zugefügt wurde, heilen. Wenn du den Stachel aber nicht durch den Akt der Vergebung rausziehst, so wird er dich vermutlich dein Leben lang schmerzen.

Solange wir also die Wut, den Groll und die schmerzhaften Gedanken nicht loslassen, verletzten sie uns immer und immer wieder. Ja genau, nicht den Schuldigen verletzen unsere hasserfüllten und negativen Gedanken, sondern einzig und alleine uns selbst.

Vergebung braucht Zeit

Wenn du dich für Vergebung entscheidest und somit den Stachel rausziehst, so kann deine Wunde zu heilen beginnen. Vielleicht hinterlässt der Stachel eine Narbe, die danach natürlich auch ab und an noch weh tut, aber kein Vergleich mit dem Stachel, der uns immer und immer wieder erneut verletzt hat.

Wenn wir vergeben, lösen wir auch die Blockade unserer Lebensenergie. Das Chi kann wieder fließen. Und tatsächlich können sich dadurch auch körperliche Leiden minimieren oder lösen.

Aber wie vergibt man nun?

Viele denken, der Akt der Vergebung findet in der Seele oder in unserem Gefühlkörper statt. Ganz nach dem Motto, wir können erst vergeben, wenn wir uns danach fühlen. Aber so ist es nicht.

Vergebung ist vielmehr eine rationelle Entscheidung, die man zum Beispiel durch die Visualisierung eines Dialogs mit dem „Schuldigen“ herbeiführen kann. In etwa so: „Okay, ich vergebe dir. Nicht, weil ich gutheiße, was du getan hast, sondern einzig allein deshalb, weil ich Frieden verdiene. Ich lasse diese Erfahrung mit dir ziehen – ein für alle Mal.“

Meist aber braucht der Akt der Vergebung, gerade, wenn es um eine große Sache geht, doch etwas mehr Aufmerksamkeit. Deshalb gibt es am Ende des Beitrages auch gleich noch zwei Rituale für die Praxis, die die Wirkung des Vergebungsaktes verstärken. Vorab gilt es aber noch etwas sehr Wichtiges zu verstehen.

Nur durch Selbstvergebung kannst du auch anderen vergeben

Vergebung für mehr Freude

„Wieso soll ich mir denn selbst vergeben? Ich war das Opfer und nicht der Täter,“ sagen viele an dieser Stelle. Ja, das stimmt vermutlich, aber meist existiert da ein kleiner Anteil in uns, der uns weismachen möchte, dass wir selbst einen Teil der Schuld tragen. Lass es mich mit einem Beispiel erklären:

Marita kann ihrer ersten Liebe, von der sie betrogen wurde, einfach nicht vergeben. Sie gibt ihm die Schuld an allem Leid, das in den letzten Jahren in Hinblick auf die Liebe ertragen musste. Sie leidet ständig unter Eifersucht und Verlustangst. Worauf sie ihren Blick aber vielleicht weniger richtet, ist, dass sie gegen die junge Frau, die sie damals war, ebenso einen Groll hegt. „Wie konnte ich nur so dumm sein und einfach blind vertrauen. Wie konnte ich weitermachen, obwohl ich schon längst wusste, was los war? Warum habe ich mir das bloß gefallen lassen? Usw.“

Daher empfiehlt es sich, dass wir tief in uns hineinblicken und ehrlich zu uns selbst sind. Gibt es da etwas, an dem wir glauben, Schuld zu sein oder zumindest eine Teilschuld zu tragen? Dann sollte auch diese durch Selbstvergebung losgelassen werden. Aber Achtung: Das bedeutet nicht, dass wir die Schuld für etwas, was uns angetan wurde, auf uns nehmen. Nein, wir lösen nur den unbewussten Anteil, der dies tut, in uns auf.

Selbstvergebung durch Selbstmitgefühl

Menschen, die sich selbst nicht vergeben können, erleben die Vergangenheit im Inneren immer und immer wieder und versuchen irrsinniger Weise diese in ihren Gedanken zu verändern. Das ist natürlich nicht möglich, also bleibt das unangenehme Gefühl, nicht in Frieden mit sich zu sein.

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Selbstvergebung kann nur durch Annahme und Selbstmitgefühl stattfinden. Mach dir also bewusst, egal, was du getan hast, du hattest einen Grund dafür, oder eben noch nicht die Möglichkeiten oder Fähigkeiten, die du heute hast, um es anders zu machen. Jeder Richter bezieht bei seinem Urteil die mildernden Umstände mit ein, tue du das auch.

Lass mich dir ein Beispiel bringen, was es bedeutet, wenn du dein früheres Ich verurteilst. Gehe in deine Vergangenheit zurück bis in deine Kindheit als du circa ein Jahr alt warst. Dieses einjährige Kind, machte einfach in seine Hosen. „Das ist wirklich unerhört. Wie kann man so etwas Abstoßendes tun? Hat dieses Kind denn gar keinen Anstand?“ Du merkst schon, so mit einem Einjährigen zu reden, dessen Wahrnehmung und Fähigkeiten noch beschränkt sind, ist Schwachsinn. Zwar warst du vor drei, fünf oder zehn Jahren kein Baby mehr, aber deine Fähigkeiten und dein Erfahrungswissen waren im Vergleich zu heute, genau wie beim Einjährigen, noch nicht so ausgereift wie heute. Aber genau wie der Einjährige hast du damals auch dein Bestes gegeben.

Praxisschritte der Vergebung

  • Werde dir darüber bewusst, wo in deinem Leben es etwas zu vergeben gibt. Dir selbst und anderen gegenüber.
  • Triff die Entscheidung, dir selbst und anderen zu vergeben. Tue es dir zuliebe!
  • Vergebungsritual: Ein kraftvolles Ritual für den Vergebungsakt prägt sich besser in unser Bewusst- und Unterbewusstsein ein ist daher oft ein Heilungsbeschleuniger.
  • Hab liebevolle Geduld! Nichts, was Jahre in uns gefangen war und an uns genagt hat, kann sich von heute auf morgen auflösen. Bleib also deiner Entscheidung treu, auch dann, wenn die schmerzhaften Gedanken wiederkommen. Sag ihnen, dass sie nicht mehr willkommen sind oder nutze eine Affirmation. Zum Beispiel: Ich bin im Frieden mit dir und mir.

Vergebungsritual

Vergebung Brief schreiben

Mein Lieblingsritual in Bezug auf die Vergebung ist ein Brief an mein früheres Ich oder/und an den „Täter oder Schuldigen.“

Brief an mich selbst: Mit liebevollen Verständnis versetze ich mich dabei in mein früheres Ich hinein und verstehe, dass es damals sein Bestes getan hat, auch wenn es in die Hosen ging – genau wie beim Einjährigen. In meinem Brief sage ich das meinem früheren Ich und wertschätze es für seine Versuche und seine Stärke. Ich sage ihm außerdem, dass es gut ist, so wie es ist und dass ich ihm aus vollstem Herzen vergebe.

Brief an den Schuldigen: Ich richte meine Worte sachlich und kurz an den Schuldigen. Ich sage ihm, dass ich seine Tat nach wie vor nicht gutheiße, aber ich nun beschlossen habe, zu vergeben. Mir selbst zuliebe. Je nachdem, ob es mir ein Bedürfnis ist oder nicht, lasse ich ihm auch noch ein letztes Mal all meine schmerzhaften Gedanken und meinen Groll im Bezug auf das, was er getan hat, da. Ich beschließe den Brief mit dem Satz – ich vergebe dir.

Beide Briefe kann man wahlweise danach verbrennen und so das Ritual abschließen.

Ich wünsche dir liebevolle Geduld und heilsame Vergebung!

Herzlich, deine Melanie

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