Warum es gut ist, verletzlich zu sein!

Verletzlich statt stark

„Was dich nicht umbringt, macht dich stärker.“ Diesen Spruch hörte ich im Verlauf meines Lebens sehr oft. Zu oft! Als mir meine Mentorin diesen neulich wieder auftischte, kam mir die Erkenntnis: „Weißt du, dass ich stark bin, habe ich schon oft genug bewiesen. Noch stärker möchte ich gar nicht werden, sonst bin ich irgendwann gar nicht mehr verletzlich.“

Meine Mentorin schaute verdutzt drein. „Aber das wäre doch gut,“ sagte sie. „Nein, das wäre es nicht,“ widersprach ich spontan. „Jeder Mensch ist verletzlich. Und diejenigen, die es scheinbar nicht sind, spielen großes Theater.“

Ich bin und bleibe verletzlich

Meine spontane Erkenntnis arbeitete daraufhin noch einige Tage in mir. Ich befasste mich mit meiner Verletzlichkeit und traf folgenden Entschluss: Ja, ich möchte verletzlich sein, auch wenn ich dabei das Risiko eingehe, enttäuscht oder abgelehnt zu werden. Ich entscheide mich ganz bewusst für dieses authentische Leben voller Höhen und Tiefen.

Wieso ich mich dazu entschieden habe und warum auch du deiner Verletzlichkeit Raum geben solltest, darauf möchte ich heute eingehen.

Vermeidungsstrategie – Wir wollen nicht verletzlich sein!

Obwohl wir alle von Natur aus, sowohl körperlich, wie auch seelisch verletzlich sind, versuchen wir es zu vermeiden diese scheinbare Schwäche zu leben. Niemand von uns möchte verletzt werden.

  • In Sachen Liebe warten wir daher gerne darauf bis der andere den ersten Schritt tut, damit wir ja keine Zurückweisung ertragen müssen.
  • Wenn wir Hilfe oder Zuspruch benötigen, sagen wir das nicht, weil wir wissen ein „nein“ würde uns unseren Stolz kosten.
  • Wenn es um prioritäre Fragen für unser Leben geht, vermeiden wir es, diese zu stellen, weil wir ahnen die Antwort darauf könnte zu einer Enttäuschung führen.

Verletzt zu werden tut weh. Daher ist die oben beschriebene Strategie, Situationen und Verhaltensweisen, die zu Verletzung führen könnten, zu vermeiden, weit verbreitet. Aber genau diese Strategie ist oftmals dafür verantwortlich, dass wir uns leer, machtlos oder unglücklich fühlen.

Warum es gut ist, verletzlich zu sein

  • Verletzlichkeit ist die Bereitschaft aufrichtig zu sich selbst zu sein. Nur so ist es möglich ein authentisches Leben zu führen.
  • Verletzlichkeit bedeutet seine Sehnsüchte und Wünsche trotz der Angst vor Enttäuschung oder Kränkung zu verfolgen. Das Risiko verletzt zu werden, einzugehen und im Gegenzug dazu die Chance auf Erfüllung im Leben zu erhalten.
  • Verletzlichkeit bringt Ehrlichkeit und Hingabe mit sich. Wer verletzlich ist, gewährt anderen einen Blick in sein Inneres. Nur so können tiefgreifenden und ehrliche Beziehungen entstehen.
  • Verletzlichkeit bedeutet auch seiner Kränkung Ausdruck zu verleihen. Den Schmerz also nicht in sich hineinzufressen. Durch das Ausleben der Gefühle, kann der Schmerz entweichen und innere Blockaden können sich lösen.
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Sei verletzlich – 3 Anregungen

1. Ein starker Selbstwert hilft bei Verletzungen

Jede Art von Verletzung oder Kränkung greift unseren Selbstwert an. Werden wir abgelehnt, so beginnen wir fast immer an uns selbst und unserem Wert zu zweifeln. Menschen, deren Selbstwertgefühl sehr stark ist, erholen sich von solch einem Rückschlag meist schnell.

Oftmals hilft ihnen dabei die Metaebene, sprich die Betrachtung der schmerzhaften Situation von Außen. Sie stellen dabei häufig fest, dass die entstandene Kränkungen viel mehr mit der Situation desjenigen, der sie verletzt hat, als mit ihnen selbst zu tun hat. Diese Erkenntnis führt zu Erleichterung und ebnet den Weg zurück zur Selbstliebe. (Selbstliebe-Rezepte findest du hier)

2. Lebe deine Verletzung aus

Wie eingangs bereits erläutert, führt das Verdrängen des Schmerzes zu inneren Blockaden. Diese begleiten uns nicht selten ein Leben lang. Obwohl die Verletzung dann bereits Jahre zurück liegt, werden wir die schmerzhafte Erinnerung einfach nicht los. Im Worst-Case kann das sogar zu körperlichen Symptomen führen.

Deshalb ist es ratsam, dass wir die Verletzung ausleben. Eine mentale Anleitung, die dich dabei unterstützen kann, findest du hier: Endlich abschließen! Eine weitere Möglichkeit seiner Verletzung Raum zu geben, ist das Gespräch mit Vertrauenspersonen. Nicht umsonst heißt es, geteiltes Leid ist halbes Leid.

3. Verletzlich zu sein, ist eine Stärke

Sich verletzlich zu zeigen, ist immer ein Risiko. Aber wenn wir dieses Risiko nicht eingehen, dann bleiben uns viele wunderbare Chancen und Möglichkeiten im Leben verwehrt. Derjenige, der sich also einer Situation aussetzt, in der er verletzt werden könnte, zeigt jede Menge Mut. Und deshalb ist Verletzlichkeit eine Stärke, die uns manchmal voller Wucht auf den Boden knallt, aber uns oftmals auch die glücklichsten Momente unseres Lebens beschert.

„Unmöglich,“ sagt die Angst. „Zu viel Risiko,“ sagt deine Erfahrung. „Sinnlos,“ sagt dein Zweifel. „Versuchs

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5 Kommentare

  1. Guten Morgen,

    vielen Dank für diesen tollen und ehrlichen Beitrag! Ich bin hochsensibel und besonders verletzlich. Bisher hab ich immer versucht, das zu unterdrücken. Aber du hast Recht. Ich sollte es ausleben und so zu mir selbst stehen. Ehrlich sein und zeigen, dass mir manches eben nicht egal ist und mich auch mal verletzt. Warum soll ich mich an alle anderen anpassen und mich selbst damit zurückstellen? Ich hab genauso Bedürfnisse wie jeder andere auch. Und ich bin wertvoll, so wie ich bin.

    Liebe Grüße
    Denise

    • Liebe Denise!
      Danke auch für deine Ehrlichkeit. Das klingt nach einem guten Plan in Richtung Selbstfürsorge. Alles Liebe, deine Melanie

  2. Liebe Melanie,
    vielen Dank für deinen tollen Beitrag über Verletzlichkeit. Ja, ich ertappe mich auch dabei, nicht erkennen zu geben, wenn ich verletzt wurde. Ich mache es dann mit mir aus und distanziere mich von der Person, die vermeintlich verletzt. Dabei hat sie es vielleicht nicht absichtlich getan. Auf der anderen Seite, kann ich nicht in jeder Situation darauf eingehen, weil die Zeit gerade nicht passt. Das wäre mir dann zu anstrengend.
    Herzlich Grüße aus Berlin

  3. Hallo Melanie, das war genau das wie mit meiner Verletzlichkeit- verdrängen – zurückziehen gemacht habe. Das ist ein Weg anders damit umzugehen.

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