Wie ich meine Verlustangst los wurde

Verlustangst – die Urangst der Menschheit

Da war es wieder, das schreckliche Gefühl, das mich vereinnahmte und mir suggerierte es ginge um Leben und Tod. Mein Verstand wusste, dass es sich bloß um einen Streit mit meinem Partner handelte, der soeben wutentbrannt aus der Wohnung gerannt war. Und dennoch stieg Panik in mir empor.

Mein Atem war unruhig, meine Hände zittrig und Tränen rannten mir über die Wangen. Ich wusste, dass ich überreagierte und trotzdem hatte ich keine Chance gegen die in mir ausgelösten Emotionen. Die Verlustangst war einfach zu stark.

Verlustangst – wir alle haben sie

Verlustängste sind uns allen aus den Bereichen Job, Familie, Freundschaft oder Partnerschaft bekannt. Bei einigen sind sie stärker ausgeprägt als bei anderen. Die eigene Vergangenheit spielt bei der Verlustangst eine große Rolle. So oder so – Verlustängste sind unangenehm, manchmal sogar qualvoll, kratzen an unserem Selbstwert und hindern uns daran anderen zu vertrauen. Woher unsere Verlustangst kommt, wie man diese erkennt, mindert oder sogar auflöst, darum geht es im heutigen Beitrag.

Woher kommt die Verlustangst?

Wenn wir das Licht dieser Welt erblicken, sind wir hilflos und alleine nicht überlebensfähig. Wir sind angewiesen auf unsere Eltern, auf ihre Anwesenheit und ihre Liebe. Nur durch ihre Bemühungen können wir überleben. Würden sie uns verlassen, so würden wir sterben. Das ist der Grund, warum Verlustängste enorm stark sind und oftmals auch noch im Erwachsenenalter existenzbedrohend erscheinen.

Jeder von uns macht in Bezug auf Verluste seine Erfahrungen. Findet ein traumatisches Erlebnis bereits in der Kindheit statt, ist das in der Regel ein Grund für eine überdurchschnittlich ausgeprägte Angst. Beispiele: die Trennung der Eltern, Vernachlässigung oder der Tod einer wichtigen Bezugsperson.

Aber auch partnerschaftliche Trennungen sind häufig ein Dünger für Verlustängste. Vor allem, wenn man selbst der Verlassene ist und die Trennung überraschend kam, bleibt die große Angst davor, dieses Trauma nochmal zu erleben oft dauerhaft.

Verlustangst ohne Grund

Menschen mit großen Verlustängsten reagieren in Situationen, die nur annähernd mit der Gefahr einer Trennung einher gehen, stark über. Sie haben Angst den Partner, den Job, ihr Ansehen oder die Zuneigung eines guten Freundes zu verlieren, obwohl es dafür oft keine rationalen Anzeichen gibt.

Weitere Symptome von Verlustangst

Außerdem erkennt man Verlustängste auch an folgenden Symptomen:

  • Übermäßiges Klammern
  • Geringer Selbstwert: Die Angst suggeriert – ich bin es nicht wert, dass jemand bei mir bliebt.
  • Kontrollzwang: Durch Kontrolle erhofft sich der Betroffene die Gefahr des Verlustes frühzeitig zu erkennen.
  • Die Fähigkeit anderen vertrauen zu können, nimmt ab.
  • Pessimismus: Dieser dient als Selbstschutz. Der Betroffene geht von einem Horrorszenario aus, damit er im Falle des Verlustes auf den Schmerz vorbereitet ist.
  • Bindungsangst: Aus Angst vor einer schmerzvollen Enttäuschung entwickeln manche Menschen Bindungsängste.

Verlust- und Bindungsangst – Hand in Hand

Verlustängste gehen oftmals mit Bindungsängsten einher. Der Betroffene schützt sich unbewusst vor Verletzungen und Enttäuschungen, indem er erst gar keine Bindung eingeht. Diese Auswirkung der Verlustangst ist besonders bitter. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Jahrelang wünschte ich mir sehnsüchtig einen Partner. Nachdem ich bereits mehrmals die schmerzhafte Erfahrung einer Ablehnung gemacht hatte, schwor ich mir, mich zukünftig davor zu schützen. Und so kam es, dass ich mich immer dann, wenn mir jemand zu nahe kam, sehr rasch wieder zurückzog. Unbemerkt hatte sich zu meiner Verlustangst eine Bindungsangst hinzugesellt.

Glücklicherweise konnte ich diese Angst mittels mentalem Training in den letzten Jahren zur Gänze auflösen. Dadurch hat sich nicht nur meine Lebensqualität, sondern auch mein Selbstwert enorm gesteigert.

Wie habe ich es geschafft meine Verlustangst los zu werden?

1. Erkennen und aufarbeiten

Im ersten Schritt fand ich heraus, wo die Wurzel meiner Verlustangst begraben lag. Ich machte mir all jene Situationen in meinem Leben, die diese Angst bestärkt hatten, bewusst. Anschließend trennte ich meine Emotionen von meinem Verstand, indem ich mir klar machte, dass sich vergangene Erlebnisse nicht in der Gegenwart wiederholen müssen. Für diese Aufarbeitung nahm ich auch professionelle Hilfe in Anspruch.

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2. Verlustangst durch Mentaltraining durchbrechen

Immer dann, wenn ich bemerkte, dass sich meine Gedanken in Bezug auf meine Urangst überschlugen, bremste ich diese aus und leitete sie um. Zum Beispiel: Ich dachte:„Lass dich bloß nicht auf den ein, der lässt dich ja eh wieder im Regen stehen und du trauerst ihm dann Jahre nach.“

Ich bemerkte mein Gedankenmuster und dachte bewusst anders: „Ja, es besteht die Möglichkeit, dass er mich enttäuscht, aber es besteht auch die Möglichkeit, dass ich mit ihm glücklich werde. So oder so, ich werde überleben, denn ich liebe mich selbst und werde immer für mich da sein.“

3. Selbstwert stärken – zum Beispiel mit Affirmationen

Verlustängste kratzen an unserem Selbstwert, weil sie uns suggerieren, dass wir es nicht wert sind, dass jemand bei uns bleibt. Gegen diese Überzeugung helfen positive Affirmationen. Folgende Sätze, die du dir laut oder im Gedanken mehrmals täglich sagst, können den Selbstwert wieder stärken: Ich bin einzigartig und wertvoll – Ich bin eine Bereicherung für meine Mitmenschen – Ich bin es wert geliebt zu werden.

4. Verlustangst durch Selbstbildänderung auflösen

Unser Selbstwert geht vor allem mit dem Bild, das wir von uns selbst haben, einher. Hat man also von sich selbst eine eher bescheidene Meinung, so entsteht der Glaube daran, es nicht wert zu sein, bedingungslos gemocht zu werden. Unser Selbstbild können wir mit folgenden Fragen, die man sich idealerweise über mehrere Wochen immer wieder stellt, aufwerten.

  • Warum bin ich liebenswert?
  • Was schätzen oder lieben meine Mitmenschen an mir?
  • Was mag oder schätze ich selbst an mir?

Verlustangst adieu – endlich frei

Durch die richtigen Methoden und Continuation wurde ich meine Verlustangst zur Gänze los. Seither ist bedingungslose Selbstliebe zu meinem Begleiter geworden und beschert mir unabhängiges Glück. Vermutlich bist auch du schon auf deinem Weg in die Selbstliebe-Freiheit. Ich wünsche dir dafür die richtigen Impulse, bereichernde Erkenntnisse und liebevolle Geduld.

Deine Melanie

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24 Kommentare

  1. Meine Liebe,
    Vielen Dank für deine Worte:-)
    Ich liege seit ein paar Tagen mit Grippe im Bett und hatte viel Zeit Innenschau zu betreiben. Seit gestern weiß ich, warum ich solche Angst habe verlassen zu werden. Meine geliebte Oma ist, obwohl sie schwer krank war, für mich mehr als plötzlich gestorben als ich 8 war. Ich durfte mich nicht verabschieden, wie das halt früher so war. Jetzt erschien mir die Kleine im Bad meiner Oma völlig verzweifelt auf dem Boden sitzend und herzzerreißend weinend mit einem ihrer Kopftücher in der Hand. Sie saß da quasi seit 40 Jahren. Jetzt ist sie bei mir:-)
    Das ist wunderbar. Meine Gefühlswelt hat dich ganz deutlich gebessert seitdem. Ich bin sehr, sehr dankbar.
    Lg. Iris
    P.S.: hast Du evtl eine schöne Herzöffnungsmeditation?

    • Liebe Iris!
      Herzlichen Dank, dass du deine Erfahrung mit uns teilst.
      Ich selbst habe ebenso gute Erfolge damit – mein inneres Kind zu besuchen und mit meinem heutig starken Erwachsenenselbst in die Arme zu nehmen. Eine konkrete Herzöffnungsmediation habe ich nicht. Allerdings befinden sich am Blog zwei Artikeln zum Thema inneres Kind, die hilfreich sein könnten.
      lieben Gruß

  2. Mir geht es nicht darum irgend was los zu werden: Ich umarme meine Angst. Ich bin da, ich verstehe. Ich schaue hin. An diesen Methoden übe ich mich.

    Ich verstehe dich, Angst. Du bist nicht ohne Grund gekommen. Dafür nehme ich mir Zeit. Da gehe ich ganz in mich hinein. Die Zeit braucht man, die Zeit nehme ich mir.

    • Liebe Doris!
      Das ist ein sehr bereicherndes Kommentar. Ja vor der Angst weglaufen oder sie zu bekämpfen bringt wenig. Das „Loswerden“ in der Headline wurde erst durchs Hinsehen, Erkennen, Annehmen und Verstehen möglich.
      Danke für deine hilfreichen Impluse, lg Melanie

  3. Hallo Melanie,

    super spannendes Thema, wunderbar geschrieben. Ich freue mich schon auf dein Buch.

    LG Mila

  4. Hallo Melanie!

    Ich denke, Verlustängste werden durch wirklich mangelndes Vertrauen in der Kindheit geschürt. Überhaupt obliegt, meiner Erfahrung nach, die Angst dem sehr stark vernachlässigtem Selbstvertrauen – durch welche Erlebnisse und Erfahrungen sie auch immer ausgelöst wurden. Auch denke ich, dass hier mehrere aufeinander folgende Traumen passiert sein müssen.
    Das Gefühl, dieses gesunde Urvertrauen zu erlangen ist zum großen Teil ausschlaggebend, um im Ewachsenensein geerdet zu sein und ein gesundes Angstgefühl leben zu können.

    „Das innere Kind“ war und ist für mich noch immer eine sehr wertvolle, wirksame Therapie.

    Es ist für mich immer wieder sehr inspirierend deine Blogs zu lesen. Danke!!!

    Liebe Grüße
    Susanne

    • Liebe Susanne!
      Ganz lieben dank für dein hilfreiches und inspirierendes Kommentar. Es ist immer wieder schön deine bereichernden Perspektiven zu erfahren. Alles Liebe und bis bald
      deine Melanie

  5. Hallo, ich bin Susanne, ich habe große Verlustängste. Ich verstehe nicht ganz die Selbstliebe. Wenn man z.b.von einen Freund zurückgewiesen wird,dann ist es kein Drama,weil man sich selbst liebt,dadurch das man sagt ich bin wertvoll weil..,mich schätzen viele aus dem und dem Grund…,das ist mir bewusst, und trotzdem liege ich Viel im Bett,weil ich nicht weiß was ich tun soll,ich igle mich ein,erst wenn mein Mann ein paar Tage zu Hause ist und er mit mir was macht.Ich War es gewohnt immer zu zweit etwas zu machen,alleine kann ich es nicht.

    • Liebe Susanne!
      Vorerst vielen Dank für deine Offenheit. Den Wunsch der Zweisamkeit, den haben wir wohl alle – und das ist völlig normal. Aber bestimmt hast du auch schon öfter davon gelesen, wie wichtig es ist auch mit sich alleine glücklich zu sein. Ich konnte genau das sehr lange nicht. Diverse Bücher, sowie Selbstreflektion haben dazu geführt, dass ich lernte aus der Zeit mit mir alleine zu schöpfen. Mittlerweile liebe ich es Stunden oder sogar Tage alleine zu verbringe. Ich bin davon überzeugt, dass jeder das Glück im Alleinsein finden kann. Hierzu kann ich dir vorerst meinen Artikel: Alleinsein – die Glücksquelle – empfehlen.
      Alles Liebe auf deinem Weg. Möge das Gefühl der Einsamkeit sich schon bald in erfülltes Alleinsein wandeln.

  6. Liebe Melanie,

    ich drück dich! Einen ganz wunderbaren Beitrag hast du geschrieben – und bei dem Satz, in welchem du deine alten Gedankenmuster umleitest zur Selbstliebe, habe ich Gänsehaut bekommen 🙂
    Du zeigst anderen auf, dass es einen Weg gibt – und zwar den zu sich selbst. Ich finde das sehr mutig und auch bestärkend.

    Danke für deine herzensweisenden Worte und alles Liebe,
    Julia

    • Liebe Julia!
      Ich dank DIR – für dein wunderschönes Feedback, das mich wiederum sehr rührt. Das schönste Kompliment, dass man mir machen kann ist, dass ich andere Menschen mit meinen Texten erreiche.
      Herzliche Gruß Melanie

  7. Hallo Melanie,

    vielen Dank für diesen hilfreichen Artikel zur Verlustangst in einer Beziehung. Ich selbst hatte eine lange Zeit in meiner Beziehung diese Ängst und ständig das Gefühl dass mein Partner mich verlassen würde. Was mir damals sehr geholfen hat, waren die positiven Affirmationen wie du sie beschrieben hast. Das kann ich wirklich nur jedem empfehlen der diese Probleme hat.

    Liebe Grüße
    Melanie

    • Liebe Melanie!
      Herzlichen Dank fÜr dein Kommentar und deinen Tipp! Ich wünsche dir weiterhin alles Liebe.

  8. Ich denke mal jeder kennt diese Form von Angst und es ist nicht immer leicht damit umzugehen. Ablenkung ist ein ganz gutes Mittel um entgegenzusteuern. Man sollte einfach mal etwas mit Freunden unternehmen. Das vielleicht regelmäßig.
    Mit besten Grüßen,
    Berna

  9. Lieben Dank, dass du deine Erfahrung mit uns geteilt hast. Ich habe mich leider sehr gut in all dem wiederfinden können. Hast du noch einen Tipp bezüglich der professionellen Hilfe zur Auflösung der Gedankenmuster? Welche Therapieform könnte da am ehesten passen? Ich versuche seit Jahren meine Verlustangst alleine zu lösen. Ich habe sie bereits erkannt, weiß woher sie kommt und bin dabei sie anzunehmen. Dennoch habe ich das Gefühl, ich komme nicht weiter.
    Lieben Dank für deine Antwort.
    Laura

    • Liebe Laura!
      Danke für dein Feedback. Im Bezug auf Therapieform fragst du am besten einen Therapeuten. Ich kann mir vorstellen, dass kognitive Verhaltenstherapie weiterhelfen könnte.
      Ich selbst arbeite gerne mit der Methode von Katie Byron – the Work. Die hat mir diesbezüglich in den letzten Jahren noch ein ganz schönes Stück weitergeholfen.
      Ich denke aber auch mein Buch gibt einiges für das Thema her. Zwar eher in Richtung Selbstwertgefühl – aber ich glaube, dass genau das sehr hilfreich sein kann.

      Herzlich, Melanie

  10. Hallo,
    Ich wollte gern mal wissen was Vernachlässigung mit Verlustangst zu tun hat. Ich kann es mir leider absolut nicht herleiten. Es ist ja kein wirkliches verlassen, der Mensch ist ja Trotz allem noch da, physisch. Wie hängt also verlustangst mit Vernachlässigung ist der Kindheit zusammen?
    lieben Dank schon mal für die Antwort

    • Sieh dir bitte meinen aktuellen Beitrag an „Warum wir alle Angst davor haben, verlassen zu werden“ Ich denke du findest darin die Antwort, lg

  11. Ich danke Ihnen für den interessanten Artikel. Dieser Artikel gibt vielen Menschen, die dasselbe Problem haben, eine super Hilfestellung.
    Mit besten Grüßen
    Daniela

  12. Liebe Melanie

    Dein Buch Honigperlen hat mir sehr viel Kraft gegeben. Ich war selber fast zwei Jahre chronisch krank. Deine Positivität ist ansteckend und macht Mut. Vielen Dank 🙂

    Liebe Grüsse
    Ella

    • Ach wie schön liebe Ela!
      Das freut mich sehr. Danke für dein Feedback.
      Deine Melanie

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