Parentifizierung: Wenn dir deine Kindheit geraubt wurde

Wenn du nicht Kind sein durftest

„Ich musste viel zu früh erwachsen werden!“ Diesen Satz hört man oft von Menschen, die als Kind einer Parentifizierung ausgesetzt wurden. Aber was bedeutet das eigentlich genau?

Parentifizierung entsteht, wenn ein Kind in die Rolle eines Elternteils gedrängt wird, z.B. es muss Aufgaben übernehmen, die seinem Alter nicht entsprechen. Oder es wird in Themen der Eltern involviert, denen es nicht gewachsen ist. Oder aber, es wird als Partnerersatz von einem der beiden Elternteile genutzt. Kurzum: Dem Kind wird das Kind-sein genommen. Es bekommt nicht den entsprechenden Rahmen, um seine kindlichen Bedürfnisse nach Sorglosigkeit und Spontanität zu leben.

Brutal gesagt, ist Parentifizierung der Raub der Kindheit.

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Welche Arten von Parentifizierung gibt es?

Man unterscheidet zwischen der Instrumentellen und der Emotionalen.

Die instrumentelle Parentifizierung: Hier muss das Kind nicht altersgerechte Aufgaben übernehmen. Eine 7-jährige muss z.B. 5 Stunden auf ihre 3-jährige Schwester aufpassen. Eine 8-jährige muss mehrmals wöchentlich selbst kochen. Oder ein 10-jähriger muss für seinen 5-jährigen Bruder baden.

Die emotionale Parentifizierung: Hier wird dem Kind emotional die Kindheit genommen, indem es z.B. in Streitigkeiten der Eltern involviert wird oder ein Elternteil versucht, es in gewissen Belangen als Partnerersatz zu missbrauchen, z.B. indem er dem Kind nicht kindgerechte Themen anvertraut. Außerdem parentifiziert das Kind, wenn ein Elternteil z.B. krankheitsbedingt immer schwach ist. Es schlüpft dann in die Rolle des Starken – also in die Elternrolle.

Auswirkungen von Parentifizierung

Parentifizierung gelingt nur aus einem einzigen Grund – das Kind lässt es mit sich machen. Das Kind erfüllt die überfordernden Erwartungen der Eltern, weil es auf seine Liebe und Gunst angewiesen ist. Ein Kind würde so ziemlich alles für die Liebe seiner Eltern tun.

Dadurch entsteht aber ein ständiger Erwartungsdruck, der im Kopf des Kindes ungefähr so klingt:  Ich muss das schaffen, damit Mama und Papa mich lieben. Ich muss stark sein, damit sie mich weiter loben. Ich darf ja keinen Fehler machen, damit sie mich nicht ablehnen.

Diese und ähnliche Sätze prägen sich tief ins Unterbewusstsein ein. Ist das Kind dann selbst erwachsen, leidet es häufig unter einem oder mehreren der folgenden Symptome:

Elternteil folgt Kind
  • Perfektionismus, ständig hohe Erwartungen an sich selbst
  • Unfähigkeit, sich helfen zu lassen
  • Bindungsstörungen aus Angst wieder soviel Verantwortung übernehmen zu müssen
  • Depressionen und Angststörungen
  • Versagens- und Verlustängste
  • Gefahr, Parentifizierung an die eigenen Kinder weiterzugeben
  • Mangel an Unbeschwertheit und Leichtigkeit

Immer zu viel Verantwortung

Zudem entsteht ein ungesundes Verhältnis zum Thema Verantwortung. Auch hier gibt es zwei Szenarien:

  1. Weil man zu früh Verantwortung übernehmen musste, ist es möglich, dass man diese im Erwachsenenleben gänzlich ablehnt. Man tut sich daher schwer damit, tiefe Beziehungen einzugehen und drückt sich gerne vor großen Entscheidungen – vor allem jenen, die mit Verantwortung einhergehen (z.B. Familie gründen, Hochzeit…). Unbewusst wird so versucht, die Freiheit und Leichtigkeit, die man als Kind verpasst hat, nachzuholen.
  2. Weil man schon als Kind gelernt hat Verantwortung für alles und jenes zu übernehmen, tut man es auch im Erwachsenenleben weiterhin. Manche Menschen entwickeln sogar ein Helfersyndrom. Weil man jede offene Verantwortung an sich nimmt, entsteht sehr oft Stress und Überforderung.

Auflösungsmöglichkeiten – erste Ideen

Parentifizierung führt also dazu, dass unser verletztes inneres Kind auch im Erwachsenenalter noch immer gekränkt und negativ konditioniert ist. Die innere Kind Heilungsarbeit kann in diesem Fall sehr wirkungsvoll sein. Heute möchte ich dir erste Ideen mitgeben, wie innere Kind Heilung für von Parentifizierung Betroffene aussieht:

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1. Eine gute Beziehung zu dir selbst aufbauen

Das Um und Auf ist es, die Beziehung zu dir selbst zu stärken – oder anders gesagt, die Antennen für deine eigenen Bedürfnisse auszufahren, anstatt immer nur die der anderen zu erfüllen. Lerne dich aktiv kennen, lerne Selbstliebe und Selbstfürsorge. Impulse und Praxistipps dazu gibt es in meinen Podcasts, Blogs und auf Instagram jede Menge.

2. Die Verantwortung zurückgeben

Eine Visualisierung kann dir dabei helfen, die Verantwortung von der du viel zu früh, viel zu viel tragen musstest, emotional abzulegen. Schließe hierfür deine Augen und stell dir vor, wie du einen schweren Stein zurück an deine Mutter, deinen Vater oder an beide übergibst. Sag dabei „Ich bin das Kind und ihr seid die Eltern. Das hier ist eure Verantwortung.“

Diese Visualisierung kannst du alleinstehend machen und wiederholen oder auch in eine Meditation einbauen.

3. Hol deine Kindheit nach

Ja, ich gebe zu, das klingt verrückt, aber im Kleinen ist es tatsächlich möglich und wichtig. Du hast als Kind zu wenig Leichtigkeit, Sorglosigkeit und womöglich auch kindliche Freude erlebt. Diese 3 Wege gibt es um das nachzuholen:

Kindheit nachholen mit Achterbahn-Fahren
  • Versuche dir Auszeiten zu schaffen und tue dann das, was du bereits als Kind gerne gemacht hast. z.B. basteln, zeichnen, im Wald sein, reiten, Minigolf spielen…
  • Sorge dafür, dass du Verantwortung abgibst. Übe dich darin, um Hilfe zu bitten, sodass dir mehr Zeit für Unbeschwertheit und Leichtigkeit bleibt. Zum Beispiel: Bitte deinen Partner darum, dass er sich um die nächste Urlaubsplanung oder um die Wäsche kümmert.
  • Erlebe die Sorglosigkeit deiner Kindheit nach. Für unser Unterbewusstsein ist es einerlei, ob wir etwas real erleben oder es uns nur vorstellen. Das heißt, wenn wir uns selbst als sorgloses Kind vor unserem inneren Auge visualisieren, wie wir über Wiesen laufen, mit der Achterbahn fahren, in Pfützen springen und dabei ganz Kind sind, so holen wir emotional das nach, was wir damals vermisst habe.

Heile deine Kindheit

Natürlich können wir mit einer Methode nicht über Nacht unser inneres Kind heilen. Dieser Weg ist ein Prozess, der einige Erkenntnisse, Tools und vor allem Geduld benötigt. Wenn du bereit bist, deinem inneren Kind bis in die Tiefe zu begegnen, um all die Muster, die dir das Leben schwer machen, endlich loszulassen, begleite ich dich gerne bei diesem Weg. In meinem 7-Wochen Befreie dein inneres Kind Programm in der Variante „nur für mich“ oder Innerer-Kind-Mentor bekommst du neben unzähligen Tools auch eine klare Anleitung zu deiner inneren Kind Heilung, die dein Leben im Hier und Jetzt verändern wird. Mehr Infos dazu erfährst du hier.

Herzlich, deine Melanie

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