Wenn Menschen immer nur von sich reden – und wie du damit umgehen kannst

Kennst du diese Situationen?

  • Du triffst dich mit einem Freund oder Bekannten und nach einer halben Stunde fällt dir auf, dass du bisher nur Publikum warst und kein einziges Mal gefragt wurdest, wie es dir geht?
  • Du erzählst etwas, was dich gerade beschäftigt, und beim ersten Atemzug unterbricht dich dein Gegenüber, um seine eigene Geschichte zu erzählen.
  • Obwohl du gerne zuhörst, wird dir am Ende von so manchen Gesprächen bewusst, dass du darin keinen Raum für deine Gedanken und Themen bekommen hast, und das macht dich irgendwie traurig.

Vielleicht hast du jetzt stumm genickt. Fast jeder von uns kennt Situationen, in denen Menschen nur von sich reden. Denn es gibt sie fast überall: Menschen, die immer den Fokus auf sich selbst zurücklenken und bei dir das Gefühl hinterlassen, dass dein Leben und deine Gedanken für sie kaum Relevanz haben.

Aber ist das wirklich so oder steckt etwas anderes hinter „Monolog-Süchtigen“? Und am wichtigsten: Wie kannst du mit solchen Personen umgehen, um dich selbst zu schützen und Raum für dich zurückzugewinnen? All das schauen wir uns im heutigen Beitrag an.

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Warum manche Menschen zu Monologen neigen und dir keinen Platz im Gespräch einräumen.

1. Das „Belohnungszentrum“ feuert aus allen Rohren

Für unser Gehirn ist es, über sich selbst zu sprechen, wie Schokolade essen oder Sex. Studien zeigen, dass dabei massiv Dopamin ausgeschüttet wird. Manche Menschen sind regelrecht süchtig nach diesem kleinen Rausch. Besonders betroffen sind jene, deren Selbstwertgefühl gering oder gar zerbrochen ist.

Im Gespräch versuchen sie, sich die fehlende Bestätigung ihres eigenen Wertes von dir zu holen, indem sie ständig das Wort ergreifen. Hörst du zu und bejahst, fühlen sie sich für einen Moment besser und wertvoller. Zusätzlich kickt das Dopamin.

Wenn sie dich unterbrechen, tun sie das also meist nicht, um dich klein zu machen, sondern weil sie ihre Existenz und ihren Wert bestätigt haben wollen.

Wenn du die Vermutung hast, dass das auf dein Gegenüber zutrifft, sind harte Grenzen nicht immer angebracht. Hier könnte sanftes Verständnis dabei helfen, die Ungleichheit aufzuzeigen und die Empathie des anderen zu erwecken.

Sag zum Beispiel:

  • „Ich höre dir gerne zu. Es interessiert mich, was du zu sagen hast. Dennoch würde ich mir auch etwas Raum für meine Themen wünschen. Was meinst du, klappt das?“
  • „Ich sehe dich auch ohne deine Erfolgsgeschichten. Du musst mich nicht beeindrucken. Lass uns jetzt mal kurz bei meinem Thema bleiben, okay?“

2. Empathie-Missverständnis – wenn Menschen nur von sich reden

Es gibt zwei Arten von Unterbrechern. Die einen wollen wirklich nur die Bühne; sie können stundenlang nur von sich reden (der klassische Ego-Trip). Aber dann gibt es noch die „Social Linker“.

Sie denken tatsächlich, sie tun dir etwas Gutes, wenn sie sagen: „Oh, das kenne ich, bei mir war das so …“. Sie versuchen in Wahrheit, die Verbindung zu dir zu stärken. Es ist ihnen wichtig zu zeigen: Schau, ich bin wie du, ich stehe auf deiner Seite… Eine positive Absicht also, die in der Realität aber häufig nach hinten losgeht.

Oft bemerken sie den feinen Unterschied zwischen „Ich verstehe dich, ich fühle mit dir und schenke dir meine Aufmerksamkeit“ und „Schau, bei mir war das so und jetzt stelle ich damit meine Geschichte in den Fokus, statt dir meine Aufmerksamkeit zu schenken“ einfach nicht.

Wenn du denkst, dass dein Gegenüber davon betroffen ist, probiere es mal mit folgenden Antwortstrategien:

  • „Ich schätze es, dass du dich mit mir verbindest, indem du mir von ähnlichen Dingen erzählst. Mir fällt aber auf, dass wir dann oft nicht zu meinem Thema zurückkehren. Meinst du, wir können das ändern?“
  • „Danke, dass du mir zeigst, dass ich damit nicht alleine bin. Jetzt möchte ich aber meine Gedanken zu Ende bringen, okay?“
Frau auf einer Holzschaukel mit Blick in die Natur – Sinnbild für innere Ruhe nach Gesprächen mit Menschen, die nur von sich reden.

3. Innere Unruhe, ADHS oder Stress als Grund

Oft steckt hinter dem ständigen Unterbrechen und dem „Nur-von-sich-Reden“ schlichtweg Impulsivität – zum Beispiel bei Menschen mit ADHS, Neurodivergenz oder unter hohem Stress.

Der Gedanke, den sie gerade haben, fühlt sich so wichtig und dringend an, dass sie Angst haben, ihn zu vergessen, wenn sie ihn nicht sofort aussprechen. Sie unterbrechen dich nicht, weil dein Thema langweilig ist, sondern weil ihr eigener Kopf so laut ist, dass sie deine Stimme kaum noch hören können.

In diesem Fall können folgende Antwortstrategien hilfreich sein:

  • „Wollen wir zuerst deine Gedanken ordnen, damit ich dann anschließend mein Thema zu Ende bringen kann?“
  • „Ich höre dir gerne zu, vor allem, wenn es dir wichtig ist. Ich bitte dich jedoch auch darum, dich für ein paar Momente einfach nur zurückzulehnen und mir zuzuhören. Das wäre mir jetzt wichtig.“

4. Die Dominanz-Strategie: Gespräch als Machtkampf

Die vierte Gruppe der Unterbrecher ist oft weniger sympathisch, weil ihnen durchaus bewusst ist, dass sie dir Raum verwehren, wenn sie permanent nur von sich reden.

Ihr Muster: Sie unterbrechen dich nicht, weil sie eine Brücke bauen wollen, sondern um zu signalisieren: „Was ich zu sagen habe, ist wichtiger als deine gesamte Existenz.“

Sie nutzen Monologe als Werkzeug, um den Raum einzunehmen und dich klein zu halten. Diese Personen merken oft sehr genau, dass sie dich überfahren und es ist ihnen egal. Es ist ein Mangel an Empathie, gepaart mit der Überzeugung, dass ihre Zeit und ihre Gedanken schlichtweg mehr wert sind als deine.

In diesem Fall empfehle ich eine nicht ganz so zimperliche Antwortstrategie, die z. B. wie folgt klingen kann:

  • „Ich merke, du reagierst gerade nicht auf das, was ich sage, sondern nutzt mich als Stichwortgeber für deine Story.“
  • „Ist dir bewusst, dass dein ständiges „Ich auch“ meine Erfahrung nicht ergänzt, sondern entwertet?“
  • „Ich bin nicht dein Publikum. Das heißt: Ich möchte in unserem Gespräch auch Raum bekommen, ansonsten beende ich es an diesem Punkt.“

Conclusio: Du darfst Dauerredner ausbremsen und sanfte Grenzen für dich selbst setzen

Dauerredner hegen häufig keine böse Absicht. Viele von ihnen lenken sofort ein, wenn du sie auf das Muster „nur von sich reden“ aufmerksam machst. Jene, die es nicht tun, sind meist keine Zeitgenossen, die dich und deine Zeit schätzen.

Wenn du eine Freundin oder einen Freund hast, der dich häufig unterbricht, trau dich, dein „Überhört-Werden“ offen anzusprechen. Das hilft oft nicht nur eurer Freundschaft, sondern der Person auch im Kontakt mit anderen.

Mach dir außerdem bewusst, dass dieser Freund oder diese Freundin vermutlich, abgesehen vom ständigen Über-sich-Reden vielleicht viele gute Eigenschaften hat. Wir sollten Menschen niemals anhand einer einzigen „Macke“ beurteilen oder sie aufgrund dessen sofort als toxisch abstempeln.

Klar ist aber auch: Du darfst Grenzen setzen, vor allem dann, wenn dir vehement Raum verwehrt wird. Denn genau diesen verdienst du.

P.S.: Raum für dich zurückgewinnen, dich wichtig nehmen und dich selbst neu entdecken, darum geht es auch in meinem Spiegel-Bestseller: Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pasta & Limoncello – ein Sommer, der nach Sehnsucht, Loslassen und Neuanfang schmeckt.

„Wiedersehen mit mir selbst – Zwischen Pasta & Limoncello“ – Ratgeber-Roman über Selbstfindung einer überforderten Frau auf Italienreise im Bulli

Ich hoffe, ich konnte dir ein paar wertvolle Gedanken mitgeben.

Von Herzen, deine Melanie

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