Stell dir vor, jemand sagt zu dir: Deine Arbeit – in die du dein ganzes Herzblut gesteckt hast – ist hässlich, hirnlos und lächerlich. Wie würdest du dich fühlen?
Und dann erzählst du einer Person davon, die dir eigentlich wohlgesonnen ist, und sie sagt nur: „Ach, nimm es doch nicht persönlich!“
Wie fühlst du dich dann? Darf ich raten? Du nimmst es trotzdem persönlich. Es trifft einen alten Teil in dir; vielleicht den, der heute manchmal noch immer zweifelt. Es macht dich wütend oder traurig. Und ich möchte dir heute eines sagen:
All das ist mehr als in Ordnung. All das ist gesund und wichtig.
Diesen Beitrag gibt es auch auf Spotify und Apple Podcast.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Podigee. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenWenn Kritik unter die Gürtellinie geht: Mein Buch im Fernsehen
Warum ich dir das heute erzähle? Weil mir genau das gerade passiert ist. Mein neues Buch „Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pasta und Limoncello“ thront seit Wochen weit oben auf der SPIEGEL-Bestseller-Liste. Die Rezensionen der Leserinnen sind überragend. Und dann sah ich mein Buch plötzlich im Fernsehen – in der Sendung Druckfrisch vom 29.03.
Dort wertete der Buchkritiker Denis Scheck mein Buch mit Schimpfworten wie „hässlich“ ab und sprach von einer „Vernachlässigung des Gehirns“.
In diesem Moment wurde mir etwas klar: Wir müssen Abwertungen wie diese im ersten Schritt persönlich nehmen.
Erst im zweiten Schritt dürfen wir die Verbindung zwischen der Beleidigung und unserem Selbstwert trennen. Warum der Satz „Nimm es nicht persönlich“ deshalb ein schlechter Rat ist, möchte ich heute mit dir teilen.
Warum wir Dinge im ersten Schritt persönlich nehmen sollten
Ich weiß, ich habe euch schon öfter mentale Schritte aufgezeigt, die dabei helfen, Dinge eben nicht mehr so nah an sich heranzulassen. Und das werde ich auch weiterhin tun. Aber noch wichtiger ist die Erlaubnis für den ersten Schritt: Dinge, die persönlich sind, auch persönlich zu nehmen.
Werden wir beleidigt, löst das Emotionen aus. Der Versuch, diese sofort wegzulächeln oder „drüberzustehen“, wäre eine Verleugnung unserer selbst.
Als ich sah, wie der Kritiker mein Buch buchstäblich in den Müll warf, war mein erster Gedanke: „Der hat das doch gar nicht gelesen. Ach, wie ‚lustig‘ er sich ausdrückt.“ Ich dachte mir: „Na, Melanie, du kannst das ja schon gut mit dem Nicht-Persönlich-Nehmen. Kein Wunder bei dem Erfolg und den tausenden positiven Stimmen.“
Die Wut als Kompass: Wenn Grenzen überschritten werden
Doch als ich das Thema genauer analysierte, wurde ich doch wütend. Denn mein Buch ist zwar eine Geschichte, aber die Hauptfigur Lena ist eine von uns. Sie ist eine Mischung aus mir und den vielen Frauen, mit denen ich arbeiten darf.
Ich wurde wütend, weil er mit seiner Kritik all diese wunderschönen Seelen angriff. Er griff Themen an wie: immer funktionieren, immer geben und sich dennoch nicht genug fühlen. Er griff all die Frauen an, die in unserer Gesellschaft immer mehr geben, als sie bekommen.
Aber da war noch etwas! Ich.
Ganze drei Tage lang erlaubte ich mir nicht, wegen meiner eigenen Person wütend zu sein. „Du stehst da drüber“, sagte meine innere Stimme. „Der Erfolg spricht für dich.“ Aber ein Teil in mir fühlte sich dennoch angegriffen. Und zwar aus einem guten Grund.

Der Blick aus dem Elfenbeinturm der ARD vs. echte Arbeit
Herr Scheck sitzt im Elfenbeinturm der ARD. Er bekommt die Reichweite des öffentlich-rechtlichen Fernsehens geschenkt. Ich weiß nichts über sein Leben, aber ich kenne meines.
Ich wollte schon mit 12 Jahren Autorin werden, hatte aber nicht die besten Voraussetzungen. In der Schule wurde ich oft abgewertet. Mit 24 Jahren schickte ich mein erstes Manuskript an knapp 90 Verlage – niemand wollte es. Ich schrieb weiter. Irgendwann wurde ich schwer krank und wusste nicht, ob es ein Leben danach geben würde. Und dennoch schrieb ich weiter.
Ich habe mir alles aus eigener Kraft aufgebaut. Ohne Vitamin B, ohne Onkel beim Fernsehen. Wenn dann jemand, der niemals in meinen Schuhen gesteckt hat, meine Arbeit in den Müll wirft, dann darf ich das persönlich nehmen. Das nicht zu tun, wäre ungesund und unecht.
Meine Wut darf nach außen. Ich habe begonnen, aufzuschreiben, was mich wütend macht. Ich habe die ARD kontaktiert und nicht lockergelassen. Ich habe ein Konter-Video gemacht, das durch die Decke ging. Und ich erhebe meine Stimme auch hier.
Kurzum: Ich stehe für mich und meine Arbeit ein. Aber auch für all die Menschen, die sich in Lena aus meinem neuen Buch so sehr wiederfinden.
Und weißt du was – genau das hilft mir, die Wut zu verarbeiten. Genau das tut mir gerade gut.
Und jetzt möchte ich dir zeigen, wie du in der Praxis damit umgehen kannst, wenn jemand dich, dein Verhalten oder deine Arbeit abwertet und beleidigt – anhand von zwei Schritten.
2 Schritte: Wie du Dinge persönlich nimmst, ohne dass sie dich zerstören
1. Schritt: Emotionen zulassen, reagieren und loslassen
Wenn jemand dich oder deine Arbeit abwertet, ist das keine sachliche Kritik. Es darf etwas in dir auslösen. Spüre nach: Ist es Traurigkeit? Alter Schmerz? Oder die Wut über Ungerechtigkeit?
Sag dir ruhig: „Das darf mich treffen. Ich bin ein Mensch mit Emotionen, und diese sind jetzt genau richtig.“
- Traurigkeit zeigt dir, wo etwas in dir noch in den Arm genommen werden möchte.
- Wut zeigt dir, dass jemand eine Grenze überschritten hat oder du Ungerechtigkeit ausgesetzt bist. Es ist keine Schwäche zu sagen: „Das tut weh. Das ist ungerecht.“ Und: „Das lasse ich mir nicht gefallen.“
2. Schritt: Wie du das „Nicht-Persönlich-Nehmen“ richtig umsetzt
Nachdem du deinen Emotionen Raum gegeben hast (z. B. indem du Grenzen gesetzt oder vor Wut in ein Kissen gebissen hast), ist es Zeit, deiner Ratio und der Wahrheit den Platz einzuräumen, der ihnen gebührt. Und diese Wahrheit sieht meistens so aus:
a) Verletzte Menschen verletzen Menschen
Es ist tatsächlich psychologisch anerkannt, dass nur Menschen, die an einem verletzten Selbstwert leiden, andere beleidigen und herabwürdigen. Dein Gegenüber hat also vermutlich viel mehr Selbstzweifel als du selbst und schlichtweg keine gesunde Strategie, damit umzugehen.
Wie jemand über andere spricht, zeigt vor allem eines: wie es in ihm selbst aussieht und wie er im Inneren mit sich selbst spricht.
b) Neid als unterschätzter Faktor der Abwertung
Neid spielt oft eine größere Rolle, als wir wahrhaben wollen. Ein Autor, den ich sehr schätze, hat mir erzählt, dass der Buchkritiker meines Buches selbst ein Buch geschrieben hat – das aber nicht ansatzweise so erfolgreich war wie meines.
Achte also ganz bewusst darauf: Hast du vielleicht etwas, das sich die Person, die dich abwertet, insgeheim selbst wünscht? In diesem Fall ist sie oft gar nicht imstande, sachlich zu bleiben.
c) Wie jemand über andere spricht
Wie jemand über andere spricht, zeigt vor allem eines: Nämlich wie es in ihm selbst aussieht. Wie er im Inneren mit sich selbst spricht.
Es heißt nicht umsonst: Feedback sagt mehr über den aus, der es gibt als über den, der es bekommt.
d) Der Blick auf die nackten Fakten
Wie schon erwähnt, habe ich hunderte Rezensionen von Leserinnen. Ein überragender Großteil bewertete mein Buch „Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pasta und Limoncello“ mit 5 Sternen und Worten wie: „Das bin ich“, „Ich habe das Buch geliebt“, „Ich musste weinen vor lauter Verbundenheit“, „das hat mir so viel Leichtigkeit zurückgeschenkt“.
Wieso also sollte ich einer einzigen Stimme mehr Glauben schenken als tausend anderen? Im „normalen“ Leben ist das oft nicht anders: Deine Gedanken drehen sich um die eine Kritik, während es dutzende Stimmen gibt, die für dich sprechen. Mach dir genau diese Fürsprecherstimmen öfter bewusst, um die eine Abwertung schneller auszuradieren.
Fazit: Steh für dich ein!
Du darfst Abwertung persönlich nehmen. Du darfst sie zum Anlass nehmen, der Welt zu zeigen, dass so niemand mit dir umgehen darf. Du darfst reagieren, wütend sein und harte Grenzen setzen.
Und danach? Danach besinne dich auf die Wahrheit. Glaube an dich und die Menschen, die dich wirklich sehen – und nicht an die, die sie aus ihrem Elfenbeinturm heraus bewerten, ohne jemals deinen Weg gegangen zu sein.

Buchempfehlung – Wiedersehen mit mir selbst
Wenn du nach einer Lektüre suchst, die nach Sommer, Sonne, Leichtigkeit und Tiefgang gleichzeitig schmeckt, dann ist mein neuer SPIEGEL-Bestseller Roman-Ratgeber genau richtig für dich:
SPIEGEL-Bestseller: „Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pasta und Limoncello“ – Für alle, die oft zu viel geben und sich selbst dabei wiederfinden wollen.
Amazon, thalia.de, thalia.at und Hugendubel, Morawa.
Herzlich, deine Melanie





