Sabine erzählt ihrem Mann Franz voller Freude von den positiven Entwicklungen in ihrem Job und der tollen Chance, die sie wahrscheinlich demnächst bekommt. „Mhm…“ macht Franz. „Freut mich für dich“, hängt er noch dran, bevor er offensichtlich desinteressiert an weiteren Details in die Küche verschwindet.
Sabine bleibt zurück mit einem Kloß im Hals, den sie nur allzu gut kennt. Denn schon als Kind hatte sie stets das Gefühl, dass ihre Mutter sich kaum für sie interessierte. Genau dieses Muster erlebt sie nun in ihrer erwachsenen Partnerschaft wieder.
Emilia streitet mit ihrem Partner über die Wochenendplanung und plötzlich hört sie sich selbst reden und sie klingt exakt wie ihre Mutter, während ihr Partner genauso reagiert, wie es ihr Vater in der Kindheit tat, nämlich laut, mit Rage und ohne jegliche Selbstreflexion.
Emilia und Sabine zeigen uns ein häufiges Muster, in dem viele von uns feststecken, ohne es zu merken. Nämlich, dass wir unbewusst oft Partner wählen, die einen Anteil unserer Eltern in uns tragen. Und das nicht, weil es uns am glücklichsten macht, sondern weil unser inneres Kind zu großen Teilen die Partnerwahl für uns trifft.
Aber keine Sorge: Auch wenn du von diesem häufigen Mechanismus betroffen bist, bedeutet das nicht, dass dein Partner nicht der Richtige für dich ist. Es bedeutet lediglich, dass du etwas lösen darfst, um endlich eine eigenständige Beziehung frei von altem Schmerz zu führen.
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Mehr InformationenAnzeichen dafür, dass du von diesem Inneren-Kind-Muster betroffen bist
Bevor wir zu den spannenden Hintergründen und Erkenntnissen für dich sowie zum Weg der Auflösung kommen, lass uns schauen, wie sehr du betroffen bist. In wie vielen Anzeichen erkennst du dich wieder?
- Die Macken, die dich bei deinem Partner am meisten auf die Palme bringen, sind spiegelbildlich die Schwächen deiner Eltern.
- Im Streit mit deinem Partner überkommt dich öfter ein Déjà-vu, das sagt: „Wir klingen wie meine Eltern.“
- Du fühlst dich zu Menschen hingezogen, deren Liebe du dir erst mühsam „erarbeiten“ musst – genau wie damals zu Hause.
- In Konflikten reagiert dein Partner mit exakt der gleichen emotionalen Kälte oder Rage, die ein Elternteil früher an den Tag legte.
- Du bekommst in deiner Partnerschaft vermehrt das Gefühl „Ich genüge nicht“ oder „Ich bin nicht wichtig genug“, das du bereits aus deiner Kindheit kennst.
- Du bist enttäuscht über die Entwicklung deiner Partnerschaft, vor allem deshalb, weil du immer dachtest, sobald du eine Beziehung hast, geht es dir endlich besser.
- Das Gefühl, in der Beziehung „nicht wichtig“ zu sein, ist ein schmerzhaft vertrautes Echo aus deiner eigenen Familiengeschichte.
- Wenn es schwierig wird, entzieht dein Partner sich emotional oder räumlich, was exakt das Gefühl von Verlassenheit aus deiner Kindheit reaktiviert.
- Du fühlst dich manchmal genauso allein mit allem wie damals in deiner Kindheit.
Hast du dich in zwei oder mehr der Anzeichen wiedererkannt? Dann bist du hier genau richtig. Ich zeige dir nun, wie es dazu kommen konnte und was dahintersteckt.

Warum du unbewusst deine Eltern geheiratet hast – die Psychologie dahinter
1. Wir suchen Heimatgefühl – Die Imago-Theorie (nach Harville Hendrix)
Im Verlauf unserer Kindheit entsteht ein inneres Bild (Imago), wie der ideale Mensch, der uns ergänzt, aussieht. Und da wir als Kind vor allem zwei Bezugspersonen haben, nämlich Mama und Papa, wird dieses unbewusste innere Bild stark von ihnen geprägt.
Das heißt, wir suchen im Außen immer unbewusst nach Menschen, die genau ihre Eigenschaften vereinen, um ein inneres Heimatgefühl herzustellen.
Unser Unterbewusstsein lässt dabei völlig außer Acht, dass das eben oft auch Eigenschaften sind, die schmerzen und nicht zu unserem Wohl sind. Unser Gehirn bevorzugt hier dennoch Vertrautheit und Vorhersehbarkeit. Es nimmt den Weg, der sich scheinbar nach am meisten Sicherheit anfühlt. Das Unbekannte – ein Partner, der z. B. bedingungslos liebt – kann sich dagegen oft fast bedrohlich oder falsch anfühlen.
2. Unser inneres Kind strebt nach Reinszenierung von altem Schmerz
Aber die Ursache, warum viele von uns oft Menschen heiraten, die den eigenen Eltern ähnlich sind, ist nicht nur unlogisch, sondern zum Teil auch tief komplex durchdacht.
Jeder von uns hat mit den eigenen Eltern Schmerz, Verletzung oder Enttäuschung erlebt. Je früher der Schmerz stattgefunden hat, desto tiefer sitzt er in der Regel. Ein Anteil in uns – nämlich das verletzte innere Kind – möchte das aber so nicht akzeptieren. Daher schmiedet es einen unbewussten Plan. Und der lautet:
Ich wiederhole die Geschichte von damals einfach in einem neuen Setting. Ich besetze die Rolle meiner Mutter oder meines Vaters neu, mit einem möglichst ähnlichen Charakter, damit es kaum Unterschiede gibt. Aber dieses Mal soll es dann am Ende nicht zur Enttäuschung oder zum Schmerz kommen, sondern zum Happy End. Erreiche ich dieses Ziel, bin ich für immer frei und geheilt.
Ein sehr weiser Anteil, dieses innere Kind. Und genau deshalb suchst du im Außen dann unbewusst nach der perfekten inneren Besetzung für die neue Liebesgeschichte. Das Problem:
Ohne dass wir uns dessen bewusst sind und bewusst eingreifen, läuft die neue Liebesgeschichte – also deine Partnerschaft – oft genauso ab wie die Story in deiner Kindheit. Deshalb ist Bewusstsein hier der Schlüssel zur Veränderung.
Hast du deine Mutter oder deinen Vater geheiratet – daran liegt es
Bevor ich dir ein paar Hinweise gebe, wie du generell oder in deiner bestehenden Partnerschaft das Muster durchbrechen und deinen alten Schmerz heilen kannst, schauen wir uns noch an, wen du „geheiratet“ hast und warum.
Auch das ist nämlich kein Zufall. Unser inneres Kind wählt immer den Elternteil aus, bei dem die Verbindung in der Kindheit durch einen schmerzhaften Vorfall oder permanente Vernachlässigung durchbrochen wurde. Das kann sowohl der Elternteil sein, dem man emotional sehr verbunden war oder ist, als auch jener, der einen stark vernachlässigt und kaum anerkannt hat.
Deine Intuition kennt in der Regel die Antwort. Frag dich einfach ganz offen: Welche Wunde aus meiner Kindheit ist größer: Die Mutterwunde oder die Vaterwunde? Wo gibt es noch mehr zu tun und zu heilen?
Exit-Strategie: Wie man den Kreislauf durchbricht
Und zuletzt die wichtigste Frage: Wie kommst du da heilsam wieder raus, ohne dich – falls du in einer Beziehung bist – zu trennen?
Den ersten Schritt hast du bereits geschafft: Bewusstsein!
Wenn du dich das nächste Mal zu jemandem hingezogen fühlst, checke, ob es daran liegen könnte, dass er oder sie ähnliche Züge wie deine Eltern hat.
Wenn du in einer bestehenden Partnerschaft bist, ist es wichtig, dass du beginnst zu differenzieren. Wenn dich etwas nervt oder du mit deinem Partner streitest, frag dich ganz bewusst: Wie alt fühle ich mich gerade?
Und wenn die Antwort 5 oder 8 oder 12 Jahre lautet, dann sei dir dessen bewusst, dass du gerade nicht mit deinem Partner streitest, sondern du ihn innerlich gerade in die Rolle deiner Mutter oder deines Vaters gedrängt hast. Du kannst dir dabei auch laut oder in Gedanken sagen:
„Ich bin erwachsen und er ist nicht meine Mutter oder mein Vater, sondern mein Partner.“
Wenn du diese einfache Bewusstseinstechnik wiederholst, lösen sich ganz automatisch Verknüpfungen im Gehirn, die dich bisher in diesem Muster gefangen gehalten haben.

Dein inneres Kind hat dir etwas zu sagen – ignoriere es nicht
Gleichzeitig ist Bewusstsein noch nicht alles. Es löst einen Teil, aber längst nicht alle Muster. Dein inneres Kind hat dich ganz bewusst in diese Situation geführt; es wollte den alten Schmerz endlich heilen. In vielen Beziehungen gelingt dies tatsächlich. Zum Beispiel dann, wenn dein Partner das erste Mal bei dir bleibt, wenn du weinst, statt wie früher dein Vater einfach davonzulaufen.
Aber fast immer ist dafür eine innere Umprogrammierung deinerseits notwendig. Das Muster deines Partners ändert sich erst dann, wenn du die innere Dynamik änderst und ihn zu neuen, heilsamen Szenen einlädst. Dein Partner bemerkt das übrigens meist nicht bewusst, aber agiert dennoch unbewusst danach.
Und dafür ist es notwendig, zurückzuschauen und dir zuerst selbst die Mutter oder der Vater zu werden, den du damals gebraucht hättest. Kurzum: Tiefe innere-Kind-Arbeit mit all seinen Prozessschritten ist der Weg, der dich befreien kann. Nicht nur, was deine Beziehung betrifft, sondern in Bezug auf dein gesamtes Leben.
In meinem Inneres-Kind-Intensiv-Lehrgang lösen wir alten Prägungen systematisch auf – damit sich dein Selbstbild, deine Beziehungen und oft dein ganzes Leben neu ausrichten.
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