Die Nachbarin fragte mich zum dritten Mal in Folge, ob ich die Stiegenhausreinigung für sie übernehmen könnte. Ich fasste allen Mut zusammen und sagte Nein. Und obwohl das mehr als richtig war, bekam ich sofort ein schlechtes Gewissen und fühlte mich irgendwie schuldig.
Kennst du das – du willst Dinge tun, die rein rational völlig klar sind, aber sobald du dich auf den Weg machst, packen dich Schuldgefühle und du wirst unsicher in deiner Entscheidung?
Ja, dann bist du hier heute genau richtig – ich möchte dir klipp und klar aufzeigen, was du sofort beenden darfst, ohne dich schuldig zu fühlen. Am Ende gibt es außerdem noch eine Übung, die dich von Schuldgefühlen befreit, falls sie wider Erwarten doch aufsteigen.
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Mehr InformationenSchluss mit schuldig fühlen – 7 Dinge, die du sofort beenden darfst
1. Über deine Grenzen hinweg nett zu bleiben
Ich bin ein Fan davon, Grenzen liebe – oder gar rücksichtsvoll, aber trotzdem klar zu formulieren. Eine Grenze, die weniger wie ein Angriff klingt, ist meist für beide Seiten die beste Lösung.
Und trotzdem gibt es Menschen, die Grenzen nicht akzeptieren. Wie zum Beispiel die Nachbarin vor ein paar Jahren als sie mich zum dritten Mal in Folge bat, ihren Stiegenhausdienst zu übernehmen, ohne jegliche Gegenleistung. Als ich Nein sagte, schleuderte sie mir entgegen: „Na, da braucht man einmal etwas von seinem Nachbarn und dann wird man hängen gelassen.“
Und in diesem Moment wusste ich – die Zeit des Nettseins ist vorüber. Ich sagte ihr: „Liebe Frau Steinberger – Ihre Reaktion auf mein erstes Nein ist mehr als unverschämt – zumal Sie sich noch nicht einmal dafür bedankt haben, dass ich den Dienst schon zwei Mal für Sie übernommen habe. Bitte überlegen Sie sich bis nächste Woche, wie Sie mir Ihre Dankbarkeit zeigen möchten. Bis dahin Tschüss.“
So war meine nicht mehr ganz so nette Reaktion. Und sie war wichtig und richtig. Selbes gilt auch für dich. Wenn jemand deine Grenzen überschreitet, geht es nicht mehr darum, nett zu sein, sondern darum, für dich selbst einzustehen und dich zu schützen.
2. Schuldgefühle für Bedürfnisse zu tragen, die völlig legitim sind
„Mein Mann ist immer total gestresst, wenn er abends nach Hause kommt. So gerne würde ich ihm dann von meinem Tag erzählen und auch mal ein Problem mit ihm besprechen, aber wenn ich es tue, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil er verständlicherweise sehr müde vom Tag ist.“
Mit diesem Anliegen kam Veronica, eine Kursteilnehmerin, auf mich zu. Und ja, es ist wunderbar, dass sie sich so gut in ihren Mann hineinfühlen kann. Und es ist auch richtig, dass sie an besonders anstrengenden Tagen mal ihre Bedürfnisse hintenanstellt.
Aber nicht immer!
Anstrengung hin oder her – auch Veronicas Bedürfnisse sind wichtig. Und es gibt keinen einzigen Grund, wegen eines legitimen Bedürfnisses – in ihrem Fall Nähe durch Gespräche – ein schlechtes Gewissen zu haben.
Bitte merke dir: Deine Bedürfnisse sind keine Last! Du lebst in Partnerschaften und Freundschaften, wo die Bedürfnisse des anderen ständig Platz haben. Da ist es völlig selbstverständlich, dass auch deine ihren Raum bekommen.
3. Beziehungen weiterzuführen, weil dein Weggehen jemandem wehtun könnte
Nicht jede Freundschaft und nicht jede Beziehung hält der Zeit und der Veränderung jedes Einzelnen stand. Oft entwickeln sich Menschen in zwei verschiedene Richtungen. Oder einer entwickelt sich und der andere bleibt stehen.
Und trotzdem führen wir solche Verbindungen oft fort, nicht weil sie uns guttun, sondern weil wir Angst haben, dem anderen weh zu tun.
- Wir gehen zu Pflichttreffen,
- schreiben Pflichtnachrichten zu Geburtstagen und anderen Anlässen,
- machen aus Pflichtgefühl weiter,
obwohl wir nichts mehr aus der Verbindung ziehen oder sie uns sogar schadet, verletzt oder runterzieht.
Erst vor Kurzem habe ich genauso eine Verbindung friedvoll beendet. Eine Freundschaft, die viele Jahre wundervoll war, aber sich in den letzten Jahren sehr verändert hat. Sie kostete mir Energie, verletzte mich – auch wenn es nicht gewollt war – und gab mir kein gutes Gefühl mehr.
Ich bin ein Fan davon, zu sagen: „Danke für die schöne Zeit. Ich werde sie immer in Erinnerung behalten. Für den Moment trennen sich unsere Wege, aber vielleicht finden wir eines Tages auch wieder zueinander.“

4. Gespräche weiterzuführen, in denen dir die Worte im Mund umgedreht werden
Ich führe keine Gespräche mehr, bei denen das Gegenüber kein Interesse an meiner Wahrheit oder meiner Sichtweise hat. Wenn jemand nur mit mir spricht, um zu gewinnen oder Recht zu behalten, ist das kein Gespräch, sondern ein Kampf.
Und spätestens, wenn er oder sie beginnt, mir meine Worte im Mund zu verdrehen, weiß ich, es macht keinen Sinn, mehr Energie zu investieren. Die rote Linie ist erreicht und ich beende das Gespräch.
5. Menschen zu glauben, die versprechen – aber nie handeln
Hannah wartet um 18:00 Uhr auf ihren Mann. Er kommt nicht nach Hause. Um 19:00 Uhr ruft sie an, erreicht ihn nicht. Sie schreibt eine Nachricht, keine Antwort. Um 23:30 Uhr kommt er schließlich heim.
„Wo warst du? Ich hab mir Sorgen gemacht. Ist etwas passiert?“, fragt sie. Er sagt ruhig: „Ich hatte noch ein Geschäftsessen. War wichtig.“ Hannah antwortet: „Du hättest mir kurz Bescheid geben können. Ich hab dich schon hundert Mal darum gebeten. Ich wusste ja nicht, ob dir etwas passiert ist.“
Er sagt: „Tut mir leid. Beim nächsten Mal sag ich dir Bescheid. Kommt nicht wieder vor.“
Es kam aber zum 8. Mal in diesem Jahr vor und zwei Wochen später passiert es erneut. Ihr Mann verabschiedet sich im Fitnessstudio und kommt nicht wie gewohnt nach einer Stunde, sondern erst drei Stunden später zurück.
Das Beispiel von Hannah zeigt ein sehr klares Muster: Ich verspreche dir Veränderung – handle aber nie danach.
Wenn dir das bekannt vorkommt, mach dir klar: Wer dreimal ein Versprechen bricht, wird es immer wieder tun. Beende im ersten Schritt seinen Worten zu glauben, um dich vor weiteren Enttäuschungen zu schützen. Und überlege dir im zweiten Schritt, welche Konsequenzen du daraus ziehen willst.
6. Probleme lösen, die nicht deine sind
Viele von uns sind betroffen – vom immer helfen wollen. Und ja, Hilfe anbieten und andere unterstützen zu wollen, ist ein schöner Wesenszug. Aber man sollte auch wissen, wo die Grenze liegt.
Es ist wunderbar, wenn du in einer Freundschaft oder einer Beziehung mal eine Weile das Säckchen des anderen trägst. Aber es ist zu viel, wenn du über Monate hinweg versuchst, seine 7 Koffer an Problemen zu schleppen, während er selbst kaum etwas trägt.
Kurzum: Die Grenze zwischen gesunder Hilfsbereitschaft und zu viel ist, dass du niemals mehr für die Lösung des Problems einer anderen Person tun solltest, als diese selbst tut.
Eine weitere Grenze ist deine Belastungsgrenze. Wie viele Probleme anderer kannst du tragen, ohne dich dabei selbst belastet und gestresst zu fühlen. Frag dich das regelmäßig und spür in dich rein.
Du kannst sagen: Ich schaff es gerade nicht, dein Päckchen für dich zu tragen, helfe dir aber gerne, professionelle Hilfe zu suchen – und bleibst trotzdem ein guter Mensch.
7. Dankbar zu sein für (emotionale) Mindestanforderungen
Du darfst aufhören, Dankbarkeit für Dinge zu empfinden, die in jeder gesunden Beziehung selbstverständlich sein sollten.
- Dass dir jemand zuhört, wenn du sprichst, ist kein Entgegenkommen, sondern die Basis von Verbindung.
- Dass nach einem Streit wieder Kontakt möglich ist, ist kein Geschenk, sondern emotionale Reife.
- Dass sich jemand entschuldigt, wenn er dich verletzt hat, ist kein Zeichen besonderer Größe, sondern Verantwortung.
- Dass deine Gefühle ernst genommen werden, ist kein Bonus, sondern Grundvoraussetzung.
- Und dass deine Grenzen respektiert werden, ist keine Einschränkung von Nähe, sondern ihre Voraussetzung.
Du bist nicht anspruchsvoll, wenn du das erwartest. Du bist erwachsen und emotional gesund. Du darfst ganz bewusst damit aufhören, für emotionale Mindeststandards dankbar zu sein. Denn du verdienst sie – und nichts weniger als das.

Du hast das Richtige getan und fühlst dich trotzdem schuldig?
Und trotzdem passiert es, dass uns alte Muster und Glaubenssätze einholen. Obwohl wir rein rational genau das Richtige getan haben, fühlen wir uns schuldig.
Damit du nicht rückfällig wirst und dich außerdem besser fühlst, kann dir diese Übung aus dem Mentaltraining helfen. Stelle dir diese 3 Fragen:
- Habe ich gerade jemandem geschadet – oder nur enttäuscht?
Enttäuschung ist kein Schaden. - Würde ich das Gleiche einer Person raten, die ich liebe?
Wenn ja, war dein Nein richtig. - Ist dieses Schuldgefühl alt – oder situationsgerecht?
Alt fühlt sich schwer an. Situationsgerecht fühlt sich blitzartig an.
Dann sage innerlich einen einzigen Satz:
„Dieses Schuldgefühl gehört zu einem alten Muster – nicht zu meiner heutigen Entscheidung.“
Mehr emotionale Freiheit für dich
Die meisten unserer Entscheidungen und anschließenden Schuldgefühle stammen aus unserer Vergangenheit. Mehr als 90 % dessen, was wir heute tun, sagen, denken und fühlen, sind erlernte Muster. Um emotional frei zu werden und ein erfülltes Hier und Jetzt zu erleben, ist es unerlässlich, diese loszulassen.
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Von Herzen, deine Melanie





