Morgenseiten: So schreibst du dich frei und findest Antworten

Morgenseiten, weil schreiben heilsam ist

Aufschreiben, was mich gerade beschäftigt oder was ich mir für meine Zukunft wünsche – das tue ich bereits mein halbes Leben lang. Und ich bin gewiss, dass es mir schon oft zu mehr Zielklarheit und Struktur geholfen. Aber Schreiben als Heilmittel, als Wegweiser oder gar als Lösungstool für hartnäckige Probleme – das war mir neu. Genau das versprechen die sogenannten Morgenseiten. Was es damit auf sich hat, wie auch du diesen wunderbaren Prozess für dich nutzen kannst und welch bahnbrechende Erkenntnis sich mir dadurch zeigte, erzähle ich dir im heutigen Blogbeitrag.

Auf die sogenannten Morgenseiten, denen man sich wie der Name schon sagt, gleich frühmorgens nach dem Aufwachen widmet, stieß ich durch eine liebe Freundin. „Ich schreib jetzt jeden Morgen eine A4-Seite ohne Absetzen,“ erzählte sie mir. Wozu diese „neue Art“ der Morgenroutine gut sei, wusste sie nicht. Nur, dass es sehr entspannend sei. Also wollte ich es selbst herausfinden. 3 Monate lang schrieb ich jeden Morgen eine A4 Seite mit wirren Gedanken, Erinnerungen, Sorgen, meinen nächtlichen Träumen, Ängsten, Phantasien, anstehenden To-Dos und Problemen voll.

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Schreiben, um Probleme zu lösen – oder ein neues Leben anzufangen

Bevor ich dir gleich eine Anleitung für die Morgenseiten Routine zur Verfügung stelle und dir alle Gewinne im Überblick präsentiere, greife ich kurz vor und erzähle von der wohl größten Erkenntnis, die mir dieser Schreibprozess bescherte.

Neben vielen alltäglichen Dingen landeten auf meinen Morgenseiten natürlich auch immer wieder meine Probleme. Der Magenschmerz, der mich schon so viele Monate beschäftigt und das hohe Pensum an Arbeit, das ich mir durch zwei Jobs (mein eigenes Business und meine Teilzeit-Tätigkeit als Angestellte) aufgehalst hatte. Als ich zum 30 Mal aufschrieb, dass ich zwar all meine Tätigkeiten liebe, aber es dennoch zu viele sind, hatte ich es satt.

Wie oft willst du das Probleme noch wälzen, bevor du es löst, sagte eine innere Stimme. Und allen Widrigkeiten und der Corona-Krise zu trotz, war plötzlich glasklar, was und wie ich es zu tun hatte. Ich hing meinen sicheren Job an den Nagel und kann mich jetzt ganz meiner Berufung rund um das Mentaltraining und die Selbstliebe widmen.

Bestimmt hätte ich diese Entscheidung auch ohne das Schreiben irgendwann getroffen. Aber ich denke, dass mir das Schreiben zu mehr Klarheit und neuen Antworten verholfen hat, so dass ich diesen großen Schritt plötzlich voller Zuversicht und Leichtigkeit tun konnte.

Wie geht man es am besten an – Morgenseiten – Anleitung

Aber genug von mir. Neben dieser großen Entscheidungshilfe, hatte der Schreibprozess noch viele weitere positive Effekte. Lass uns schauen, wie genau diese Morgenseiten überhaupt funktionieren. 

  • Leg dir bereits am Vorabend ein Notizbuch (am besten A4) und einen Stift bereit.
  • Greif gleich nach dem Aufwachen zu Stift und Papier. Entweder noch im Bett oder läufst direkt im Morgenmantel an den Schreibtisch. Möglichst keine Zwischenbeschäftigungen wie Kaffee-Trinken oder Zähneputzen. So stellst du sicher, dass dein Bewusstsein von der Nacht noch geklärt ist.
  • Dann beginnst du zu schreiben. Egal was. Du solltest den Stift möglichst nicht absetzen. Einfach durchschreiben. Wenn dir nichts einfällt, kann ein Satz auch lauten – mir fällt gerade nichts ein, was ich noch aufschreiben könnte.  
  • Man darf alles aufschreiben, was einen gerade beschäftigt – seien es die bevorstehenden To-Dos des Tages, der Konflikt mit dem Partner, ein Traum, den man in der Nacht zuvor hatte oder auch einfach eine Geschichte, die einem gerade einfällt. Es gibt keine Vorgaben.
  • Schreib mindestens eine A4 Seite bzw. 10 Minuten lang.
  • Und natürlich mit der Hand – nicht am PC oder Smartphone.

Was bringen die Morgenseiten?

  1. Am frühen Morgen ist unser Bewusstsein noch frei von den gewohnten Gedankenkreisläufen. Das führt dazu, dass Dinge oder Antworten an die Oberfläche gelangen können, die im Alltag meist durch Gewohnheitsgedanken und Routinen verborgenen bleiben. Der Kopf ist quasi noch leer und klar.
  2. Wirre Gedankenknäuel werden aufgelöst. Durch das Aufschreiben erfährt man mehr Klarheit und bekommt einen besseren Überblick über das, was einen wirklich beschäftigt.
  3. Aufschreiben ist Loslassen. Gedanken kreisen oft zwanzig bis vierzig Mal in unserem Kopf, bevor wir bemerken, dass es sich immer um dieselben Problemkreisläufe handelt. Beim Aufschreiben stellt sich der Gedanke nach ein bis zwei Kreisläufen ein. Man schreibt sich also frei von den wenig hilfreichen Gedanken und lässt diese ein Stückweit los. So entsteht auch Platz für neue, eventuell hilfreichere Gedanken.
  4. Ich persönlich habe beim Schreiben eine Art meditativen Zustand erreicht. Auch meine Freundin hat von der enorm entspannenden Wirkung berichtet, die sie mit viel mehr Gelassenheit in den Tag starten ließ.
  5. Wenn man sich regelmäßig mit sich selbst beschäftigt, lernt man sich und so natürlich auch seine wahren Sehnsüchte, Werte und Wünsche wieder besser kennen.
  6. Der Highlight-Effet ist meines Erachtens, dass man sehr schnell bemerkt, dass einen immer wieder dieselben Probleme beschäftigen. Man hat sie schließlich schwarz auf weiß vor sich. Es stellt sich dann häufig, genau wie bei mir, der Drang ein diese nun endlich aus der Welt zu schaffen. Durch das Aufschreiben ergibt es sich außerdem, dass man auch neue Lösungswege für das Problem erkennt.  
  7. Die Phantasie wird angeregt. Gerade wenn man im kreativen Bereich tätig ist, können die Morgenseiten sehr hilfreich sein.
  8. Nachdem ich bereits einige Tage Morgenseiten geschrieben hatte, ergab es sich bei mir, dass ich begann mich an die Träume des Vorabends zu erinnern. Ich schrieb diese auf. Manchmal ergaben sie, wie so vieles, das ich aufschrieb, keinen Sinn. Aber einige von ihnen machten mir bewusst, was mir gerade fehlte oder übermittelten mir interessante Botschaften.
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Morgenseiten ohne Druck

Wenn du das Experiment startest, ist es wichtig, dass du dir keinen Druck machst, was die Sinnhaftigkeit deiner Worte betrifft. Es ist okay, wenn du mehrere Tage oder Wochen keine Erkenntnisse hast. Bleib einfach dran und ich bin gewiss du wirst diese morgentlichen Morgenseiten Routine lieben lernen.

Abends aufschreiben und loslassen

Falls du kein Morgenmensch bist, aber trotzdem gerne täglich schreiben möchtest, dann mach es einfach abends. Wie schon erwähnt, lässt man durch das Aufschreiben alles, was belastet ein Stückweit los. Also am besten abends vor dem Feierabend oder kurz vor dem zu Bett gehen all jene Dinge niederschreiben, die dich gerade zwicken. Anschließend kurz hineinspüren und dir dabei vorstellen, wie du all die noch nicht gelösten Probleme, To-Do´s und Sorgen bis zum nächsten Tag einfach in deinem Notizbuch lässt, um einen freien erholsamen Feierabend oder Schlaf zu genießen.

Viel Freude beim Ausprobieren, herzlich, deine Melanie

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