Du musst nichts leisten, um geliebt zu werden

Einfach einmal nichts leisten?

Frau am Strand, muss nichts leistenNichtstun ist nicht gerade meine Stärke. Seitdem ich denken kann, bin ich ein richtiges Arbeitstier. Lange Zeit hielt ich das für eine gute Eigenschaft. Immer wenn ich Lob oder Komplimente für mein Tun erhielt, machte mein Herz kleine Freudensprünge. Eines Tages aber stellte ich fest, dass mich der stetige, wenn auch häufig positive Leistungsdruck, auslaugt. Und so hinterfragte ich mein Verhalten und stieß auf einen Glaubenssatz, den sehr viele von uns kennen und leben.

Die folgenden Anzeichen helfen dir herauszufinden, ob auch du davon betroffen bist. Wenn vier oder mehr davon zutreffen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der obige Glaubenssatz dein Leben erschwert.

Anzeichen:

  • Du fühlst dich abends schlecht, wenn du den ganzen Tag über nichts Sinnvolles gemacht hast.
  • Wenn du kein oder aber ein negatives Feedback bekommst, entstehen bei dir sehr rasch Selbstzweifel.
  • Du fühlst dich am Ende eines leistungsintensiven Tages besonders gut.
  • Krank bist du selten. Solange es irgendwie geht, kommst du deiner Arbeit nach.
  • Wenn du gelobt und deine Arbeit geschätzt wird, verspürst du große Freude.
  • Pause machen und so richtig abschalten, ist nicht dein Fall. Du füllst deine Tageslücken mit sinnvollen Zwischentätigkeiten.
  • Ein unangenehmes Gefühl überkommt dich, wenn du alleine und nicht mit Arbeit beschäftigt bist.
  • Du tust gerne etwas für andere, weil du dich danach besser fühlst.

Warum wir glauben, immer etwas leisten zu müssen

Nun stellt sich die Fragen, wie ein derartiger Glaubenssatz, der unbewusst manchmal unser ganzes Leben dominiert, zustande kommt. Hierfür gibt es zwei Quellen.

1. Vergangenheit

Wir brauchen die Liebe und Anerkennung unserer Mitmenschen so sehr wie das tägliche Sonnenlicht. Bekommen wir sie nicht, wird es in unserem Inneren sehr schnell düster. Ähnlich verhielt sich das bereits in unserer Kindheit. Als Baby wurden wir meist bedingungslos geliebt. Später aber knüpfte man die Liebe und Anerkennung, die wir so dringend brauchen, an Bedingungen. Zum Beispiel:

  • Der Jubel der Eltern, wenn wir im Sportverein oder beim Fußball besonders gut waren.
  • Die Kritik, wenn wir etwas nicht erledigt hatten oder unser Zimmer unordentlich war.
  • Das Lob, wenn wir den Abwasch freiwillig gemacht haben.
  • Die Enttäuschung der Eltern bei der ersten schlechten Note.

Je intensiver wir für Leistung gelobt und fürs Nichtstun oder Fehler machen, kritisiert oder ignoriert wurden, desto stärker ist die Prägung, sich auch im Erwachsenenleben von Leistung abhängig zu machen. Warum? Wenn wir glauben nur dann geliebt zu werden, wenn wir etwas erschaffen und tun, so tun wir dies natürlich, weil wir die Liebe und Anerkennung unserer Mitmenschen brauchen, damit es uns gut geht.

2. Gesellschaft

Aber auch die Gesellschaft setzt uns unter Druck. Leistung gehört zum Programm. Die unzähligen Möglichkeiten, die wir haben, die stetige Erreichbarkeit sowie auch die Medien, die uns immer wieder perfekte, leistungsstarke Menschen vor Augen führen , verstärken das Gefühl – nichts wert zu sein, wenn wir nichts leisten.

Auswirkungen der Überzeugung: Ich muss etwas leisten, um zu gelten

Frau - nichts leisten, um geliebt zu werdenDauernd unter Leistungsdruck zu stehen – und sei es auch nur ein gedanklicher –  führt zur Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Macht sich dieses erstmal breit so verlieren wir die Fähigkeit konstruktiv, positiv und auf der Lösungsebene zu denken. Das bedeutet unsere Probleme intensivieren sich. In diesem Zustand ist außerdem so gut wie unmöglich Glückshormone auszuschütten.

Außerdem haben wir alle nur begrenzte Energieressourcen zur Verfügung. Wenn wir stetig leisten, gibt es zu wenig Zeit, in der wir diese Batterien wieder aufladen können. Das Cortisol wird also nicht abgebaut. Neben Verspannungen und innerer Unruhe können so langfristig schwerwiegende Krankheiten ausgelöst werden. Zum Beispiel: Angst- und Panikattacken, Depressionen, Burnout usw.

3 Gedanken, die dir offenbaren, warum du nichts leisten musst

1. Wir lieben Menschen und nicht Leistung

Liebt eine Mutter ihr zweites Kind mehr, weil es in Mathe eine Eins hat während das Erstgeborene nur eine Vier nachhause bringt? Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Müssen dein Partner, deine Kinder oder deine beste Freundin etwas leisten damit du sie liebst? Vermutlich auch nicht! Wir lieben den Menschen und nicht seine Leistungsfähigkeit. Und genauso lieben dich alle Menschen in deiner Umgebung nicht dafür, was du an einem Tag alles schaffst oder wem du hilfst – sondern dafür, weil du bist!

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2. Du musst nichts leisten – wähle den richtigen Gedanken

Irgendwo tief in uns drinnen hat sich die Überzeugung – ich muss etwas leisten, um zu gelten oder geliebt zu werden – manifestiert. Dieser Gedanke wurde uns vermutlich durch Erlebnisse in der Kindheit auferlegt. Das bedeutet aber nicht, dass wir ihn nicht ändern können.

Überlege doch mal: Ist es wirklich wahr – zu 100 Prozent – dass du etwas leisten musst, um zu gelten? Kannst du dir da sicher sein? Vermutlich nicht. Dann probiere es doch einmal mit einem neuen, verrückten Gedanken. Zum Beispiel: Ich darf mich entspannen und lockerlassen. Ohne Fleiß viel Preis. Ich werde geliebt, vor allem, wenn ich mich entspanne und loslasse.

Könnten auch diese Sätze wahr sein? Ganz bestimmt. Wenn beide Sätze wahr sein könnten, warum dann nicht den positiven wählen? In dem du dir die positiven Sätze immer wieder laut oder in Gedanken vorsagst, können Sie sich in deinem Unterbewusstsein absetzen.

3. Die Arbeit läuft nicht davon. Aber der Regenbogen wartet nicht

Dieses chinesische Sprichwort ist mir neulich untergekommen und trifft die Sache auf den Punkt. Umso mehr du leistest und umso perfektionistischer du bist, desto weniger qualitative Zeit bleibt dir für die Menschen, die du liebst.

Wir fühlen uns immer dann besonders geliebt, wenn wir einander ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Wenn wir aber abends noch eine Mail beantworten oder während wir mit den Kindern spielen noch ein bisschen Staub wischen, verschenken wir keine richtige Aufmerksamkeit. Weniger leisten und mehr im Hier und Jetzt sein, bereichert also unsere Beziehungen. Und diese eine Mail und das bisschen Staub können wir auch einfach mal links liegen lassen. Ja, das dürfen wir!

Ich wünsche dir viele gute neue Gedanken, die dich einmal mehr zum Sein, statt zum Leisten, motivieren. Herzlichst Melanie

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2 Kommentare

  1. Liebe Melanie,
    Wundervoller Beitrag, du sprichst mir und vielen anderen denke ich aus der Tiefsten Seele.
    Ja es ist Wahr! und schön das du es schreibst. Ich danke dir. Es tut so gut, mal nichts zu leisten. Darf und sollte öfters sein.

    Liebe Grüße Frank

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