Gefangen: Warum wir bleiben, obwohl wir gehen sollten

Gefangen im eigenen Leben

Ist dir ähnliches auch schon einmal widerfahren oder steckst du sogar noch mittendrin?

  • Du befindest dich in einer Beziehung (oder Freundschaft) und wirst vom anderen permanent schlecht behandelt oder gekränkt, aber einfach gehen, kannst du nicht.
  • Du übst einen Job aus, der dich so gar nicht erfüllt und dennoch fällt es dir schwer zu kündigen und dich beruflich neu zu orientieren.
  • Du fühlst dich unwohl in einer Gruppe von Menschen, aber aufstehen und verschwinden, ist für dich keine Option.
  • Du fühlst dich gefangen und schwermütig im Kreise deiner Ursprungsfamilie, aber sie seltener zu besuchen und die Tradition zu durchbrechen, traust du dich nicht.

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Warum wir bleiben, obwohl wir gehen sollten

Eine Frau steht in der Tür und fühlt sich gefangen

Fast jeder von uns gerät in seinem Leben ein- oder mehrmals in solch eine Situation. Obwohl wir bewusst wissen, dass uns diese schmerzt oder Energie raubt und wir daher lieber unsere Sachen packen und verschwinden sollten, bleiben wir. Dafür gibt es Gründe.

Die Bewusstheit derer ist wesentlich. Denn, wenn uns klar wird, warum wir bleiben, fühlen wir uns weniger gefangen und erhalten Zugriff auf die Werkzeuge, die wir zum Ausbrechen aus derartigen Konstellationen, benötigen. Genau darum geht es im heutigen Beitrag.

Gefangen: 5 Gründe, warum wir bleiben…

1. Gefangen durch Selbstzweifel

Selbstzweifel sind nichts anderes als sich ständig wiederholende negative Gedanken über sich selbst. Wenn wir in einer Situation feststecken, in der es uns nicht gut geht oder wir gar missachtet oder schlecht behandelt werden, so kommt dies einer ständigen Bestätigung unserer Selbstzweifel gleich. Anstatt Anerkennung, die wir benötigen würden damit unser Selbstwert steigt, festigen sich die negativen Gedanken über uns selbst. Nach einiger Zeit halten wir diese für wahr. Wir glauben dann, dass wir nichts wert, nicht klug, begabt oder nicht liebenswert sind. Mit diesem Mindset wagen wir es nicht zu gehen, denn es scheint uns unmöglich, dass da draußen etwas Besseres auf uns wartet.

Bewusstsein ist der Ausweg! Wir müssen aufhören diesen Gedanken und der ständigen Bestätigung, dass wir nicht gut genug sind, Glauben zu schenken. All das ist bloß ein Gedankengespenst, das wir mit konsequentem Selbstwerttraining verjagen können.

2. Gefangen in unserer Entscheidung

Egal in welcher Situation wir gefangen sind – unsere ursprünglich dafür getroffene Entscheidung spielt eine wesentliche Rolle. Was ich damit meine? Die sogenannte Entscheidungsparalyse aus der Psychologie besagt, dass der Mensch geradezu unfähig ist, eine Entscheidung zu revidieren. Fragt man beispielsweise zehn Menschen, ob sie ihren Kaffee gegen einen Schokoriegel tauschen, verneinen neun davon. Fragt man wiederum zehn Menschen, ob sie ihren Schokoriegel gegen einen Kaffee tauschen, lehnen ebenso neun davon ab.

Vermutlich steht dieses psychologische Phänomen, von dem wir alle betroffen sind, in Verbindung mit dem für uns Menschen herausfordernden Thema Loslassen. Das nämlich kennen die meisten von uns aus der Praxis und wissen wie schwer dies oft ist. Mehr zum Thema Loslassen.

3. Die Angst nichts Besseres zu finden

Liebe können wir schwer Lolassen - rotes Herz

Die Folgen dieser Angst sind weitere Ängste wie beispielsweise Existenzängste oder die Angst vor Einsamkeit. Letztere entsteht dadurch, dass wir die Liebe und Anerkennung der anderen so sehr brauchen, dass wir glauben nicht ohne leben zu können. So nehmen wir sogar eine schlechte Behandlung und negative Bemerkungen in Kauf bloß damit man uns wahrnimmt und wir nicht alleine sein müssen.

Auch interessant:  Leben statt streben - Warum du weniger leisten solltest!

Natürlich würde es uns alleine um ein Vielfaches besser gehen. Vor allem dann, wenn wir lernen uns die, für uns so lebenswichtige Liebe, selbst zu schenken. Denn tun wir dies, so kommt die Liebe unserer Mitmenschen ganz von selbst. Unser Umfeld behandelt uns immer so wie auch wir uns selbst behandeln. Mehr zur Selbstliebe!

4. Vergeudete Lebenszeit

Oft bleiben wir, weil wir schon sehr viel Zeit und Mühe in eine Beziehung, Freundschaft oder einen Job investiert haben. Wir wollen einfach nicht wahrhaben, dass all unser Tun umsonst gewesen sein soll. Wir wollen nicht sagen müssen – ich habe drei, sieben oder 15 Jahre in meinem Leben falsch gelebt. Denn ein derartiger Beschluss lässt sich schwer mit unserem Inneren, das nach Harmonie strebt, vereinbaren.

Wenn wir uns aber eingestehen, dass die investierte Zeit und Muße nicht umsonst war, sondern für eine gewisse Zeit richtig und danach ein Lernprozess, so gestaltet sich das Lösen von derartigen Situationen um ein Vielfaches leichter.

5. Die Angst vor Reue

Wenn wir zu lange in einer Konstellation feststecken, die uns nicht gut tut, verlieren wir den klaren Blick auf das Leben. Unser Mindset zu uns selbst verschwimmt zu einem negativen, die Herausforderungen auf dieser Welt erscheinen uns viel größer als sie sind und durch die lange Lethargie glauben wir nur noch schwer daran, aktiv etwas Erfolgreiches erschaffen zu können. Und so befürchten wir dann mit unserem verschwommenen Weltbild, dass wir unsere Entscheidung gegen eine Situation oder einen Menschen, der uns nicht gut tut, bereuen können.

In Wahrheit aber können wir uns immer wieder neu entscheiden. Wenn der neue Job, den du für deinen alten gekündigt hast, nicht zu dir passt, kannst du dich jederzeit wieder neu entscheiden. Keine deiner Entscheidungen ist ein Lebensvertrag. Die vielfältigen Optionen dieser Welt stehen uns immer offen.

Resümee: Nie wieder gefangen

Nicht immer müssen wir gehen bloß weil eine Situation mühsam ist. Die Bewusstheit über all diese Faktoren aber gibt uns die Möglichkeit frei und zu unseren Besten zu entscheiden. Ich wünsche dir die Weisheit und den Mut, der dich dorthin führt, wo du dich nie wieder gefangen fühlst.

Von Herzen, Melanie

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10 Kommentare

  1. Liebe Melanie,

    Gut geschrieben, nur bei den meisten Menschen sitzt die Prägung so tief, dass es gar nicht so einfach ist für sie da wieder raus zu kommen. Nicht wenn sie schon über Jahrzehnte innig ist. Das geht nur mit einem wirklich guten Lehrer, Geduld und viel Übung. Das ist für viele Harte Arbeit. Da dran zu bleiben fällt vielen sehr Schwer. Die Menschen sind ja noch nicht mal im Stande sich Gesund zu ernähren und Prävention zu betreiben.
    Irgendwie ist die Welt völlig verrückt, auf der einen Seite versucht man einige Menschen zum um Programmieren und auf der anderen Seite werden in den Kitas die Kleinen immer noch mit der Falschen Programmierung geprägt. Was glaubt man, wird aus denen später mal? Wir müssen gleichzeitig bei den Kindern anfangen, sie richtig groß zu machen.
    Kennst du den Kita Bericht von rbb TV? über Kindes Erziehung. Da sind die Eltern gefragt und in der Pflicht. Was machen viele, sie geben die Kinder ab, fahren arbeiten und überlassen teilweise anderen die Erziehung. Macht das Sinn?

    Liebe Grüße
    Frank

  2. Ja,etwas ändern,ist schwer, wenn gewisse Dinge sich so eingefahren haben.
    Und….der Verstand weiss oftmals, dass es mit den negativen Gedanken ums eigene Selbstbild Selbstbetrug ist. Zum Beispiel weiß ich, dass ich was wichtiges tue, wenn ich Männe – sehr gern und aus Liebe – seit über 30Jahren treu versorge wegen seiner Schwerbehinderung. Dennoch ,weil ich keinem Beruf nachgehen konnte wegen fehlender Kraft, habe ich das Gefühl, nicht zu genügen. Ich kriege scheinbar auch das meistens nonverbale Signal von der Umwelt, irgendwas stimmt mit dir nicht,da fehlt was.
    Und so ist halt mein Freundeskreis klein und meine Verwandtschaft signalisiert auch, puh,seid ihr anstrengend. Also ziehen wir uns zurück und beschränken uns weitgehend auf telefonische Kontakte. So ist das.
    Eigentlich träumte ich ja mal davon, dass alles ungefähr gleich wichtig ist : ich,du, wir.
    Inzwischen wird ich und du immer wichtiger. Das andere ist mir oft zuviel.
    Schade.

    • Liebe Dorena!
      Danke für deine Erfahrung und deine inspirierenden Gedanken.
      Ich wünsche dir alles Liebe auf deinem Weg.
      Von Herzen Melanie

    • Liebe Melanie
      Wunderschön geschrieben.Ich habe einige Lebenszeit damit verbracht,gefangen zu sein.Ich hab in der schweren Zeit mal ein tollen Satz gelesen“zu gehen braucht mehr Kraft“.Davor haben viele Menschen auch Angst.Das ist auch nachvollziehbar.
      Ich bin seid 20 Jahren verdammt stolz auf mich und sage es war meine Lehrzeit um noch kraftvoller auszubrechen.Ohne diesen Lebensweg wäre ich nicht hier.
      Heute gehe ich aus Beziehungen aller Art weg,wenn sie mir nicht gut tunen.Und suche mir was neues .
      Das Leben ist einfach wenn man sich seiner bewusst und sich selbstliebt.
      Natürlich gibts auch Niederlagen das,gehört schließlich dazu.
      Ich freue mich auf deine Beiträge in naher Zukunft zu lesen.Heute werde ich dein Buch anfangen.
      Alles Liebe für dich

    • Lieber Renée!
      Herzlichen Dank für deine Zeilen. Es ist großartig, dass du es geschafft hast deinen Weg der Liebe mit viel mehr Leichtigkeit zu gehen. Da kannst du auch wirklich stolz sein.
      Es freut mich sehr, dass du auch zu meine Buch gegriffen hast.
      von Herzen, Melanie

  3. Danke für Deine lieben Worte. Für mich stimmt jeder Satz. Jetzt müsste ich nur endlich mal ins Handeln kommen…. Das ist so schwer….

  4. Nun, ich verstehe es, bin genauso zerrissen. Ich pflege auch meine Frau und sehe die Liebe, die Gemeinsamkeit und die Achtung schwinden.

    Am liebsten würde ich gehen, weil sie sich verändert, ihre Krankheit sie und mich verändert.

    Dieser Zustand zerreist mich seit Jahren…

    • Lieber Michael!
      Das tut mir sehr leid zu lesen. Vielleicht würde dir eine externe Unterstützung gut tun. Eventuell ein Therapeut. Für mich war das in schweren Zeiten eine sehr gute Erleichterung.
      Herzlichst, Melanie

    • Lieber Michael,

      Ich verstehe deine Situation. Du fühlst dich verantwortlich und hättest ein Schlechtes Gewissen, wenn du gehen würdest, aber bei aller Liebe, KEIN Mensch ist es Wert, dass man sich Seelisch kaputt macht, was auch sehr lange Spuren hinterlässt und das Leben dabei nicht mehr spürt. Du musst da raus. Es gibt bestimmt noch andere die sich liebevoll darum kümmern können. Hab den Mut und kein Schlechtes gewissen!
      Dafür ist dein Leben nicht gemacht Michael, dass du leidest.

      Ich wünsche dir viel Kraft und das du die Richtige Entscheidung triffst.

      LG Frank

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