Wie du eine Enttäuschung überlebst

Luises Enttäuschung

Luise war 24 Jahre alt als sie Bernhard zum ersten Mal begegnete. „Es war Liebe auf den ersten Blick,“ erzählt sie, während sich ein zartes, aber auch wehmütiges Lächeln auf ihren Lippen bildet. Nach knapp drei Jahren wurde Luise schwanger. Das Paar beschloss daraufhin noch vor der Geburt ihrer Tochter zu heiraten. Es sollte keine große Hochzeit werden, da die Vorbereitungszeit und das Geld recht knapp waren. Das tat Luises Freude aber keinen Abbruch: „Ich war in dieser Zeit glücklicher als jemals zuvor in meinem Leben, meine größten Sehnsüchte schienen erfüllt.“

Als sie zwei Wochen vor der Hochzeit, nachdem sie endlich eine weiße Stola in der Stadt gefunden hatte, ganz aufgeregt nachhause kam, fand sie ihren Fast-Ehemann, mit zerknirschter Miene auf der Wohnzimmercouch vor. Was ihr Bernhard dann sagte, wird Luise ihr Leben lang nicht mehr vergessen: „Es tut mir leid, ich kann das nicht. Ich glaube ich liebe dich nicht mehr.“

Diese Enttäuschung werde ich nicht überleben!“

Das war Luises erster Gedanke. Wochenlang wachte sie mit diesem auf und ging abends wieder damit zu Bett. Sie konnte sich auch lange Zeit nachdem die unschöne Trennung vorüber war noch nicht vorstellen, dass sie jemals wieder einem Mann vertrauen und lieben könnte. Wie Luise es dennoch geschafft hat und welche Wege auch du bei großen oder kleinen Enttäuschungen einschlagen kannst, um zu überleben, nicht zu resignieren und deine Sehnsucht dennoch zu behalten, darüber möchte ich heute schreiben.

Enttäuschung – Vorsicht vor dem Schutzmechanismus!

Wenn wir im Leben im großen Stil enttäuscht werden, reagieren die meisten von uns mit einem Schutzmechanismus. Sie schwören sich, dass ihnen niemals mehr jemand so weh tun darf und vergraben ihre Sehnsucht, die damit in Verbindung steht, ganz tief in sich drinnen. In Luises Fall bedeutete das, dass sie ihre Sehnsucht nach einem Partner lange Zeit so stark unterdrückte, dass sie scheinbar keine Relevanz mehr in ihrem Leben spielte.

Im ersten Moment könnte man meinen, das sei ein guter Weg. Aber etwas spricht dagegen. Ein Leben ohne Sehnsucht ist weitaus schlimmer als ein Leben mit Enttäuschungen. Unsere Sehnsüchte sind ein Teil von uns, sie geben uns Antrieb, Sinn und erfüllen uns mit Begeisterung. Ohne unsere Sehnsüchte sind wir nicht mehr wir selbst. Kurzum: Besser unerfüllte Sehnsüchte mit Sinn, als wunschlos und resigniert durch ein graues Leben stapfen.

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Wer enttäuscht wurde, darf trauern!

Aber was tut man, wenn man gerade enttäuscht wurde und der Gedanke an die Sehnsucht einem vorkommt, wie tausend Messerstiche? Genau dann, ist es an der Zeit zu trauern. Den Gefühlen, die aufgrund von Enttäuschung entstanden sind, ins Auge zu sehen und ihnen Platz und Raum zu geben. Eben nicht zum Roboter zu werden, einfach weiter zu machen und allen vorzuspielen man hätte keine Schmerzen. Das ist Unsinn. Es steht uns zu um eine für uns wichtige Sache zu weinen. Nur so kann das starke Gefühl aus uns entweichen.

Wichtig aber ist, dass man bei der aktuellen Trauer bleibt und keine Rückschlüsse für die Zukunft daraus zieht. Falls du in einer solchen Situation steckst, mach dir bewusst, dass es um deine Enttäuschung im Hier und Jetzt geht und diese kein Beweis für weitere Enttäuschungen in der Zukunft ist. Bleib mit deiner Trauer also in der Gegenwart.

Ich werde diese Enttäuschung überleben!

Nach einigen Tagen oder Wochen wird einem bewusst: „Ich werde diese Enttäuschung überleben.“ Das ist ein wichtiger Satz, der für die schwere Zeit nach der Enttäuschung viel Kraft spenden kann. Luise wählte diesen als ihren Begleiter in den ersten sechs Monaten nach der Trennung. Immer dann, wenn die Traurigkeit im Alltag in ihr empor stieg, sagte sie den Satz laut oder im Gedanken zu sich selbst.

Der Schmerz lässt nach, die Enttäuschung ist noch da!

Wenn der Schmerz über die Enttäuschung beginnt abzuklingen, dann kann man den nächsten Schritt wagen. Reflexion kann dabei helfen noch klaffende Wunden schneller zu heilen. Folgende Fragen und Gedanken unterstützen dabei:

  • Wenn es irgendetwas Gutes an deiner Enttäuschung gibt, was wäre es?
  • Erinnere dich an die guten Zeiten (vor der Enttäuschung) und mache dir bewusst, dass sie nicht weniger wert sind, nur weil das Ende nicht schön war.
  • Warum hat dich diese Enttäuschung größer oder reifer gemacht? Welche Teilbereiche in dir sind auf Grund der Enttäuschung vielleicht sogar gewachsen?
  • Richte dich auf die positive Zukunft aus. Lass` den Pessimismus hinter dir und frage dich anstatt dessen: Warum wird es beim nächsten Mal anders sein? Was wird anders sein und warum könnte es klappen?
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Lass dir niemals deine Sehnsucht nehmen!

Nachdem wir eine Enttäuschung überlebt haben, gibt es, wie bereits eingangs erwähnt, noch ein wichtiges Ziel, nämlich unsere Sehnsucht zu behalten. Sie nicht aus Angst vor weiteren Enttäuschungen zu vergraben und dadurch einen Teil von uns selbst zu verlieren.

Eine unerfüllte Sehnsucht kann aber natürlich auch ganz schön weh tun. Um die Zeit des Schmerzes zu überbrücken, brauchen wir also etwas, womit wir das Loch der Sehnsucht stopfen können. Meine persönliche Erfahrung ist, dass Selbstliebe dafür das wirksamste Mittel ist. Hierzu ein paar Ideen

  • Such dir dein persönliches Liebesmantra. Zum Beispiel: „Ich lieb´mich selbst sowie ich bin, von oben bis unten und wieder zurück – Egal was passiert, ich werde mich immer lieben, das verspreche ich mir – Ich bin immer für mich da. Ganz egal, ob sonst jemand da ist, ich bin hier und liebe mich bedingungslos.“ Dein persönliches Mantra kannst du als tägliche Erinnerung in dein Handy speichern. Ein Gedanke am Tag, kann deinen Selbstliebepegel schnell nach oben treiben.
  • Selbstumarmung: Jeden Tag gleich nach dem Aufwachen mit einer Umarmung begrüßt zu werden, ist wunderschön. Probier` es aus und merke, wie die Annahme dir selbst gegenüber dadurch täglich wächst.
  • Frage dich selbst: Was brauche ich, um mich geliebt zu fühlen? Notiere alles, was dir in den Sinn kommt und versuche anschließend Stück für Stück all jene Bedürfnisse zu erfüllen, die in deiner Hand liegen. Mehr zum Thema Selbstliebe.

1001 Enttäuschungen!

„Enttäuschungen gehören zum Leben dazu,“ sagt Luise heute. Jeder, der enttäuscht wurde und auch weiterhin mit Sehnsüchten sein Leben bestreitet, hat einen Grund, stolz auf sich zu sein. Er hat den Mut richtig zu leben, die Kraft über sein eigene Grenzen hinaus zu gehen und die Courage ganz er selbst zu sein und zu bleiben.

Ich danke Luise für ihre Geschichte und wünsche ihr weiterhin soviel Mut!

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2 Kommentare

  1. Wunderschöne Gedanken!.Durch eine starke Lebenskrise und der Zerfall meiner Ehe ,habe ich nach 56 Jahren noch mal Verliebtheit kennen gelernt.Das war wunderbar!

    • Liebe Marion!
      Das klingt wunderbar. Ich freue mich für dich, dass du diesen mutigen Weg eingeschlagen hast.
      herzliche Grüße Melanie

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